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Familien-Finanzen : Kinder kosten ein Vermögen

Sparpläne auf Indexfonds deutlich günstiger

Ähnliche Einwände lassen sich auch gegen die kursierenden Ausbildungsversicherungen vorbringen. Das Gefühl, die Kosten für die Ausbildung des Kindes abgesichert zu haben, ist sicherlich gut. Nur ist der Preis für diese oft als fondsgebundene Versicherungen verkauften Produkte hoch. Die Flexibilität ist zudem eingeschränkt. Wirkliche Vorteile, die dies rechtfertigen, gibt es nicht.

Mehr Flexibilität haben Eltern, die einen Sparplan für ihr Kind anlegen. Hier können die Einzahlungen jederzeit beliebig erhöht, gesenkt oder auch ganz ausgesetzt werden. Das angesparte Kapital steht jederzeit zur vollen Verfügung und kann bei Bedarf entnommen werden. Sie kosten in der Regel keine oder kaum Gebühren. Banksparpläne haben derzeit aber den Nachteil sehr niedriger Zinsen. Fast immer liegen die Zinssätze unter 1 Prozent, meistens sogar unter 0,5 Prozent. Einige Banken bieten etwas mehr. Dafür müssen sich die Kunden fest für eine längere Laufzeit binden. Die Aufgabe von Flexibilität bei gleichzeitiger langfristiger Bindung an einen niedrigen Zins, empfiehlt sich nicht.

Alle Banken bieten aber auch Fondssparpläne an. Sparpläne auf Indexfonds (ETFs) sind deutlich günstiger als Sparpläne auf herkömmliche Fonds, sie werden aber nur von Direktbanken angeboten. Die Comdirect bietet derzeit sogar einige ETF-Sparpläne ohne Gebühren an. In den Filialen der Banken und Sparkassen werden nur die teureren Sparpläne auf aktiv gemanagte Fonds verkauft. Der Anleger geht bei einem ETF- oder Fondssparplan je nach Fonds ein Aktienrisiko ein. Eine Laufzeit von mehr als 10 Jahren, regelmäßige Einzahlungen und eine breite Streuung durch einen Fonds sind aber geradezu der ideale Rahmen für eine erfolgreiche Aktienanlage, die weit mehr Rendite erwarten lässt als die derzeitigen Banksparpläne.

Wer es schafft, monatlich 100 Euro in einen Sparplan einzuzahlen oder die Großeltern dazu bringt, dies zu tun, kommt mit einem günstigen ETF-Sparplan und einer üblichen Aktienrendite von 7 Prozent nach 18 Jahren immerhin auf eine Summe von 42.000 Euro. Erträge daraus sind jedoch noch zu versteuern. Ein mit 1 Prozent verzinster Banksparplan kommt auf 24.000 Euro. Sollten die Zinsen steigen und 2 Prozent betragen, wären es 26.000 Euro. Die Zinserträge dürften unter dem Sparerfreibetrag bleiben und damit steuerfrei sein.

Familienrechtlerin Saathoff rät dazu, das Sparkonto beziehungsweise das Depot nicht auf den Namen des Kindes zu führen. „Läuft das über den Namen des Kindes, steht ihm dieses Geld zu“, sagt Saathoff. „Die Eltern dürfen es zum Beispiel nicht für den Kauf von Möbeln, den Führerschein oder die Finanzierung der Ausbildung verwenden, wenn das Kind dem nicht ausdrücklich zustimmt.“ Das Oberlandesgericht Bremen hatte am 3. Dezember 2014 einen Vater zu Schadensersatz verurteilt, weil er Geld von den Konten der Kinder genommen hatte, um ihnen davon Möbel oder Geschenke zu kaufen. Nach dem Urteil der Richter schulden Eltern ihren Kindern einen angemessenen Lebensunterhalt, und dieser ist von den Eltern aufzubringen und nicht aus dem Vermögen der Kinder zu tragen. Das gilt übrigens auch dann, wenn das Konto ausdrücklich für diese Zwecke angelegt wurde, damit Verwandte den Kindern darauf Geld zukommen lassen können, um die Eltern damit in die Lage zu versetzen, dafür Möbel oder den Führerschein für das Kind zu finanzieren.

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