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Familien-Finanzen : Kinder kosten ein Vermögen

In den meisten Fällen dürfte aber die konkrete Rechtslage kaum Diskussionsgegenstand in den Familien sein. Die meisten Eltern werden ein Interesse an der erfolgreichen Ausbildung ihrer Kinder haben und sie bestmöglich finanziell unterstützen wollen. Angesichts der absehbar hohen Kosten sollte deshalb allerdings nicht gleich Hals über Kopf der erstbeste langfristige Vorsorgevertrag abgeschlossen werden. Die Sorgen der Eltern sind den Finanzvertrieben bekannt und werden in Verkaufsgesprächen gerne aufgenommen, um den Geldbeutel der Eltern zu erweichen. Rundum-sorglos-Pakete von der Wiege bis zur Bahre werden offeriert. Ein Beispiel von vielen ist die Tip-Top-Tabaluga-Police der Universa. Wer ankreuzt „Ja, mein Kind soll es einmal besser haben“, bekommt Informationen über den „drachenstarken Schutz“ für Kinder zugesendet. Wer abschließt, erwirbt ein Paket aus Leistungen für die Zeit, wenn das Kind dereinst selbst Rentner ist, aber auch zahlreiche Versicherungen rund um Unfälle und Krankheiten. Ob aber ein Gipsgeld, 15 Euro für jeden Tag des Kindes im Koma, eine professionelle Zahnreinigung oder Heilpraktiker-Besuche unbedingt abgesichert werden müssen, soll jeder selbst entscheiden. Die Versicherung bietet dies nicht in erster Linie aus Sorge um das Kindeswohl an.

Risikolebensversicherung sinnvoll

Grundsätzlich ist von der Vermischung zahlreicher Versicherungen mit der Altersvorsorge abzuraten. Was auf den ersten Blick komfortabel erscheint, ist auf den zweiten Blick wenig flexibel und teuer. Vor dem Abschluss sollten die Eltern zudem überlegen, ob sie das wirklich alles versichert haben wollen. Gratis bekommen sie nämlich nichts. Kinder sind über die Krankenversicherung der Eltern mitversichert. Dies deckt auch die durch einen Unfall verursachten Krankheitskosten ab. Die Haftpflichtversicherung sollte um Kinder erweitert werden. Das kostet wenige Euro zusätzlich im Jahr, ist aber unbedingt empfehlenswert. Für den Fall, dass den Eltern etwas zustößt, ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll. Auch diese kosten vergleichsweise wenig und sind einfach und transparent gestaltet.

Sie sind nicht zu verwechseln mit den gemeinhin als Lebensversicherungen bezeichneten Produkten, die neben dem Todesfallschutz auch dem Aufbau der Altersvorsorge dienen. Sie schon im Kleinkindalter für den Beginn der Auszahlung in mehr als 60 Jahren abzuschließen, hat Vorteile. Je früher angefangen wird zu sparen, desto größer wird nach und nach der Zinseszinseffekt. Dies lässt sich aber auch mit deutlich einfacheren, flexibleren und günstigeren Produkten erreichen. Gerade bei sehr langen Laufzeiten ist die Gefahr hoch, den Versicherungsvertrag aus welchen Gründen auch immer irgendwann beenden zu wollen. Die Erfahrung zeigt, dass dies oft vorkommt.

Doch das ist dann fast immer nur mit Verlusten möglich. Der Berater freut sich über eine hohe – weil auf Basis der langen Laufzeit berechneten – Abschlussgebühr. Hält der Versicherte aber die Einzahlungen nicht durch, droht er auf diesen Kosten sitzenzubleiben und den Vertrag mit Verlusten zu beenden. Der Garantiezins in Lebensversicherungen wird zudem derzeit bis zum Ende der Laufzeit auf magere 1,25 Prozent festgeschrieben. Er steigt für diesen Vertrag nicht mehr, auch wenn sich das allgemeine Zinsniveau deutlich erhöhen sollte.

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