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Die Vermögensfrage : Dividende, komm bald wieder

Auch die Aktionäre der Lufthansa bekommen keine Dividende. Bild: AFP

Absagen über Absagen: Erst werden viele Hauptversammlungen verschoben, jetzt werden die Gewinnbeteiligungen gekappt. Man könnte die Krise kriegen.

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          Die Absagen kommen zuhauf. Ein Unternehmen nach dem anderen gibt bekannt, die Dividende ausfallen zu lassen: die Lufthansa, Fraport, Sixt, König & Bauer – sie alle legen die Gewinnausschüttung auf Eis. Bei den Banken gab es sogar eine Ansage von der Aufsicht. Sowohl die Kontrolleure der EZB als auch die deutsche Bafin gaben die Empfehlung aus, dass Banken ihre Dividende streichen sollten. Die Commerzbank folgte sogleich. Andere Banken wie die Schweizer Bank UBS oder auch die deutsche Aareal halten bisher daran fest. Normalerweise ist der Mai der Wonnemonat, in dem die meisten Dividenden fließen. Aber wegen der zahlreichen Absagen von Hauptversammlungen hätte sich der Zahltag ohnehin nach hinten verschoben. Denn noch bevor die Unternehmen ihren Dividendenausfall bekanntgaben, mussten sie wegen des Versammlungsverbots ihre Aktionärstreffen verschieben. Diese Treffen sind aber notwendig, um den Dividendenbeschluss überhaupt fassen zu können.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Inzwischen ist es auch in Deutschland möglich, Hauptversammlungen nur noch im Internet stattfinden zu lassen. Die rechtlich vorgeschriebene Präsenzmöglichkeit für Aktionäre ist für das Jahr 2020 ausgesetzt. Einige Unternehmen haben bereits angekündigt, davon Gebrauch machen zu wollen – ob es dann zu einem Dividendenbeschluss kommt, wird mit jedem zusätzlichen Tag der Corona-Krise unsicherer. Die Unternehmen halten ihr Geld zusammen. Damit bewahrheitet sich nun auch der Satz, der auch in der F.A.Z. gebetsmühlenartig vorgetragen wurde: Die Dividende ist nicht der neue Zins. Viele hatten sich angesichts der desaströsen Zinslage mit den Gewinnausschüttungen von Unternehmen getröstet und dabei vielleicht manchmal einen ganz wesentlichen Aspekt bei den Dividenden vernachlässigt: Es gibt kein Recht auf Dividende. Unternehmen legen die Gewinnbeteiligung jedes Jahr aufs Neue fest. Sie kann im Verlauf der Jahre steigen, sie kann aber auch sinken – oder sogar ganz ausfallen. Das ist sogar geboten, wenn – wie im Fall der Corona-Krise – das Unternehmen in Schwierigkeiten gerät. „Die erste Priorität der Unternehmen ist, zu überleben. Und genau das machen die Unternehmen derzeit. Sie müssen sicherstellen, eine mögliche dreimonatige Sperre schaffen zu können,“ sagt Romain Boscher, globaler Chefanlagestratege von Aktien Fidelity International. Man solle diese taktischen Entscheidungen nicht mit langfristigen Perspektiven verwechseln. Um von den kommenden Vorteilen voll profitieren zu können, müsse man die Nachteile hinnehmen, „das liegt definitiv im Interesse der Aktionäre“, sagt Boscher.

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