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Die Vermögensfrage : Dr. Jekyll und Mr. Hyde

  • -Aktualisiert am

Eigenheim-Bastelbogen aus den Fünfzigerjahren Bild: INTERFOTO

Bausparverträge sind richtig gut, wenn man heute für ein Vierteljahrhundert niedrige Bauzinsen für spätere Immobilienprojekte festzuzurren will. Bei aktuellen Bauvorhaben sind sie aber meist zu teuer.

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          Lobendes zur Nützlichkeit des Bausparens listet der Verband der Privaten Bausparkassen lang und stolz auf seiner Homepage auf. Die massive Schelte der Stiftung Warentest vom Februar fehlt allerdings in der Zitatensammlung. Und zum Ärger, den die Bausparkassen ihren Altkunden flächendeckend mit der Kündigung von Verträgen machen, steht da auch nichts.

          So ist es eben mit dem Bausparen, immer ein bisschen Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Hier das ernüchternde Fazit der Warentester zur Beratungsqualität der Branche („Die meisten Bausparkassen kamen nicht über ein Befriedigend oder Ausreichend hinaus“), dort das ebenso trockene Lob der Tester („Bausparen ist und bleibt eine prima Idee für Sparer, die in Zukunft eine Immobilie bauen oder kaufen wollen“). Wem nun der Bausparer begegnet, ob Dr. Jekyll oder Mr. Hyde, hängt von seinen Immobilienplänen ab.

          Ob man es glaubt oder nicht, die biederen Bausparverträge sind eine Zinsspekulation und die netten Spießer der Landesbausparkassen immer auch Zinsspekulanten. Tatsächlich schaffen es heute nur Bausparverträge, Teile der besonders niedrigen Darlehenszinsen sicher in die Zukunft zu retten. „Mit Bausparen – und nur damit! – kann man sich heute die extrem niedrigen Darlehenszinsen dauerhaft sichern, auch wenn man vielleicht erst in fünf, acht oder zehn Jahren bauen oder kaufen will“, predigt der Verband der Privaten Bausparkassen – und vergisst es, auf die Kosten der Sicherung hinzuweisen. Dabei werden die geringen Kreditzinsen grundsätzlich mit noch niedrigeren Guthabenzinsen bezahlt. 0,25 Prozent Zins für das Gesparte und 2,5 Prozent Zins für das Darlehen sind eine aktuelle Kombination. Außerdem ist da noch die Abschlussgebühr. Sie beträgt meist ein Prozent der Bausparsumme. Das alles addiert sich zum Preis der Zinssicherheit.

          Die Zinsspekulation der netten Spießer

          Ganz so alternativlos wie der Verband glauben machen möchte, sind seine Verträge deshalb auch nicht. Es gibt eine andere seriöse Möglichkeit, in absehbarer Zukunft ein Haus oder eine Wohnung zu bezahlen: Ansparen mit einem Sparplan und anschließende Finanzierung mit dem Hypothekendarlehen einer Bank. Der Vorteil: Höhere Zinsen in der Sparphase und keine Abschlussgebühr. Der Nachteil: Kein Mensch weiß, wie hoch die Hypothekenzinsen in fünf, acht oder zehn Jahren sein werden.

          Bild: F.A.Z.

          „Hier hilft der Grenzzins“, erklärt Heinrich Bockholt, Professor und Leiter des Instituts für Finanzwirtschaft in Koblenz. Experten wie er vergleichen Finanzierungspläne. Sie gehen dabei von gleichen Zahlungsströmen aus, rechnen, was in den Sparphasen zusammenkommt und schauen sich die notwendigen Darlehen an. Dann rechnen sie bis zur zeitgleichen Tilgung des letzten Euro im Bausparvertrag und bei der Hypothek weiter. Heraus kommt für die Hypothek, die wegen des höheren Sparguthabens etwas kleiner ist als das Bauspardarlehen, ein Zins, der höher sein darf als der des Bauspardarlehens.

          Bis hierhin ist die Kombination aus Sparplan und Hypothek besser als der Bausparvertrag. Liegen die Hypothekenzinsen voraussichtlich über dem Grenzzins, ist der Bausparvertrag günstiger. Der Sparer muss entscheiden: Hält er einen Hypothekenzins über dem Grenzzins für wahrscheinlich, nimmt er den Bausparvertrag. Das ist die Zinsspekulation der netten Spießer.

          Der Grenzzins für die Bankenalternative

          Am Beispiel einer Finanzierung von 100.000 Euro über 20 Jahre werden der aktuelle Grenzzins und die Zinswette plastisch. Verglichen werden die Angebote von Testsiegern der Stiftung Warentest: Ein Bausparvertrag der Wüstenrot & Württembergische AG mit einem Ratensparplan der Deniz Bank AG. Der Bausparvertrag fängt mit 92 Monatsraten und einem Sparbeitrag von 500 Euro an. Der Guthabenzins beträgt 0,25 Prozent. Im Oktober 2022 wird der Vertrag zugeteilt, anschließend wird das Darlehen von 54.583 Euro 148 Monate mit jeweils 431 Euro getilgt. Nach 20 Jahren ist die Finanzierung erledigt.

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