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Die Vermögensfrage : Der Widerruf löst oft erbitterten Streit aus

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Krönung des Streits ist der Versuch einer Rückabwicklung

Die Krönung des Streites über den „Widerrufsjoker“ ist der Versuch einzelner Anwälte, die Rückabwicklung des Darlehens zu erreichen. Das Begehren ist logisch und konsequent, weil die Uhren zurückzustellen sind, wenn eine Sache widerrufen worden ist. Gläubiger und Schuldner sind so zu stellen, als wäre der Vertrag nie zustande gekommen. Das heißt im ersten Schritt, daß die Vorfälligkeitsentschädigung gestrichen wird. Wenn gar kein Vertrag geschlossen worden ist, kann auch keine Entschädigung wegen vorzeitiger Ablösung gefordert werden. Anschließend haben die Schuldner einen Anspruch auf die Erstattung aller Raten und die Verzinsung der Rückzahlungssumme.

Im vorliegenden Fall müsste die Bank insgesamt 60 Raten à 500 Euro beziehungsweise 30.000 Eurozurückzahlen. Hinzu kommen Zinsen, die 500 Punkte über dem Basiszins liegen. Der gesetzliche Basiszins liegt seit dem 1. Juli 2014 bei minus 73 Punkten, so daß die 30.000 Euro fünf Jahre lang mit jeweils 4,27 Prozent zu verzinsen sind. Das führt unter dem Strich zu einem Rückzahlungsbetrag von 36.405 Euro.

Kosten für die „Nutzung“ des Kredits abzuziehen

Von diesem Anspruch sind die Kosten für die „Nutzung“ des Kredites abzuziehen. Der Schuldner hat die 100.000 Euro insgesamt 60 Monate lang genutzt, und dafür ist ein „marktüblicher“ Preis fällig, wie es unter Juristen heißt. Die Feststellung ist gut und schön, nur stellt sich die Frage, wie hoch dieser Zins vor fünf Jahren war. Sind das die 5 Prozent, welche die Bank in Rechnung gestellt hat? Oder gilt ein anderer Wert? Hypotheken mit zehnjähriger Zinsbindung kosteten vor fünf Jahren im Schnitt etwa 4,5 Prozent.

Daraus werden Juristen bei einem Darlehen von 100.000 Euro den Schluss ziehen, das „Entgelt“ betrage 4.500 Euro pro Jahr, so dass bei einer Nutzungsdauer von fünf Jahren also 22.500 Euro zu bezahlen seien. Die Verrechnung der Forderungen (36.405 Euro) und der Schulden (22.500 Euro) bedeutet unter dem Strich, dass die Bank den Kunden nicht nur laufen lassen, sondern ihm auch noch 13.095 Euro mit auf den Weg zur Konkurrenz geben muss. Das ist in den Augen der Banken starker Tobak.

Die Rechnung ist in der Tat ein Stück aus dem juristischen Tollhaus. Man muss kein Freund von Geldverleihern sein, um zu erkennen, dass ein Zinsanspruch von 4,27 Prozent bar jeder Wirklichkeit ist. Banken sind keine Maschinen, die Geld drucken, sondern Institute, die mit Kapital handeln. Sie besorgen sich Geld bei Leuten, die Geld haben, und sie verleihen das Geld an Leute, die Geld brauchen. Sie leben von der Differenz, und diese Spanne beträgt in der Regel zwischen 50 und 100 Punkten.

Das heißt im vorliegenden Fall, dass die Bank jährlich 500 bis 1.000 Euro verdient hat. Die juristische Forderung von 6.405 Euro impliziert, die Bank habe mit ihren fünf Raten jährliche Gewinne erzielt, die zwischen 12 und 48 Prozent liegen. Das ist natürlich grober Unfug.

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