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Die Vermögensfrage : Der Widerruf löst oft erbitterten Streit aus

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Die ING Diba zum Beispiel, die sich in Deutschland in den letzten Jahren zu einem der größten Baufinanzierer gemausert hat, verkündet seit Tagen in aller Öffentlichkeit, nicht im Schlaf daran zu denken, solche „Anschlussfinanzierung“ in den Büchern zu behalten. Die Bank ist nicht das einzige Institut, das von „renitenten“ Kunden nichts mehr wissen möchte. In der Kreditwirtschaft drohen Absprachen und Kartelle zu entstehen, frei nach dem Motto: Wer uns am Ärmel zupft, dem treten wir gegen das Schienbein, und der Schmerz muss so groß sein, dass der Kunde blutet und geht. Man mag die Geschichte drehen und wenden, wie man will, doch in solchen Lebenslagen ziehen Privatleute, die kein Geld auf der Hand haben, finanziell den Kürzeren. Sie brauchen einen anderen Geldgeber, und bevor keine neue Zusage vorliegt, und zwar in verbindlicher Schriftform, sollten die Privatleute mit der Verkündigung des Widerrufs äußerst zurückhaltend sein.

Problem zum Leidwesen vieler Kreditnehmer ausbaufähig

Das Problem ist zum Leidwesen vieler Kreditnehmer ausbaufähig. Selbst wer eine Bank gefunden hat, der ist das alte Institut noch lange nicht los. Wenn Anwälte „felsenfest“ glauben, dass die Belehrung falsch ist, muss die betroffene Bank diese Sicht der Dinge nicht teilen. Das Institut kann in dieser Situation den Vorschlag machen, den Vertrag „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“ und gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung von 20000 Euro aufzuheben. Wutausbrüche über diese „Dreistigkeit“ mögen zwar den Pulsschlag senken, doch der Kunde hat in der Regel nur zwei Möglichkeiten, den Kredit umzuschulden. Er bezahlt den Betrag, um die Freigabe der Sicherheiten zu erlangen, und klagt die „Entschädigung“ auf dem Rechtsweg ein, oder er zieht gleich vor Gericht, um per „Feststellungsklage“ zu erreichen, dass die Belehrung falsch und die 20000 Euro sittenwidrig sind. Der erste Weg ist teuer und unsicher, und der zweite Weg ist lang und ungewiss.

Die Bezahlung der „Entschädigung“ setzt voraus, dass der Kunde bei der neuen Bank nicht 94333 Euro, sondern 114333 Euro aufnehmen muss und das Geld auch bekommt. Vermutlich ist sogar noch mehr Geld nötig, weil Anwälte nach landläufiger Erfahrung zu nachhaltigem Denken und Handeln erst in der Lage sind, wenn zuvor ein ordentlicher Vorschuss auf dem Konto eingegangen ist. Und auch Richter beugen sich in der Regel nur über die Akte, wenn es zuvor in der Gerichtskasse geklingelt hat.

Eine neue Nominalschuld von 120000 Euro ist aber trotz des Anschlusszinses von 1,5 Prozent eine mittlere Katastrophe, weil der Schuldner mit 60 Raten von jeweils 500 Euro nicht den Hauch der Chance hat, die planmäßige Altschuld von 87060 Euro zu unterschreiten. Folglich ist der Anleger darauf angewiesen, den Rechtsstreit um den Widerruf und die Entschädigung zu gewinnen. Der Ausgang des Rechtsstreites steht aber in den Sternen, weil nicht nur die Leute, die an der Küste leben, genau wissen, dass der Mensch vor Gericht und auf hoher See auf höhere Mächte angewiesen ist, so dass der schnelle Umstieg auf günstige Zinsen in vielen Fällen ein frommer Wunsch bleiben wird.

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