https://www.faz.net/-hbv-83dnp

Die Vermögensfrage : Im Alter wird die Wohnbauförderung zur Last

  • -Aktualisiert am

Wohnhäuser in Hamburg: Wohn-Riesterer müssen überlegen, wie sie die Steuerlast im Alter schultern. Bild: dpa

Der Staat unterstützt Häuslebauer bei der Finanzierung ihres Eigenheims mit Zulagen und Steuerersparnissen. Doch im Alter holt sich der Fiskus einen Teil der Förderung zurück.

          7 Min.

          Eine klassische Hausfinanzierung ist ein komplexes Unterfangen. Doch wer eine echte Herausforderung sucht, wählt eines der zahlreichen Wohn-Riester-Produkte, um seinen Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Dann müssen nicht nur Tilgung, Zins und Laufzeit festgelegt werden. Um zu ermitteln, ob sich der staatlich geförderte Wohnungsbau à la Riester lohnt, müssen Zulagen und mögliche Steuerersparnisse sowie die steuerliche Belastung im Alter mit ins Kalkül gezogen werden.

          Werden alle Aspekte berücksichtigt und geschickt kombiniert, rechnet sich die Eigenheimrente, wie der Wohn-Riester auch genannt wird, in vielen Fällen. In diesem Punkt sind sich Anbieter, Experten von „Finanztest“ und viele Verbraucherschützer ausnahmsweise einmal erstaunlich einig. Zum einen sind etliche Wohn-Riester-Produkte nicht teurer als ihre ungeförderten Pendants. Zum anderen führen Zulagen und Steuerersparnis dazu, dass der Kredit schneller getilgt werden kann. Das spart unterm Strich Geld – wenn auch nicht mehr so viel wie in Zeiten höherer Zinsen.

          Steuerlast muss im Alter geschultert werden

          Doch so generös der Staat den Häuslebauern mit Zulagen und Steuernachlass unter die Arme greift, und so gerne dieser Aspekt in Beratungsgesprächen betont wird: Im Alter holt sich der Fiskus mindestens einen Teil der Förderung zurück. Bei der Eigenheimrente richtet die in Brandenburg sitzende Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) ein sogenanntes Wohnförderkonto ein. Auf dieses fließen fiktiv die geförderten Beiträge und die Zulagen. Verzinst wird die Summe Jahr für Jahr mit zwei Prozent. Bis zum Renteneintritt kommen so schnell mehrere zehntausend Euro zusammen, die der stolze Immobilienbesitzer dann im Alter mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern muss (siehe Tabellen).

          Das ist ein Punkt, der in der Beratung gerne kleingeredet wird. Dabei müssen Wohn-Riesterer auch überlegen, wie sie die Steuerlast im Alter schultern. „Denn diese hängt wie ein Damoklesschwert über den Hausbesitzern“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Anleger mit einer ansehnlichen Summe auf ihrem Wohnförderkonto müssen also – auch wenn die letzte Rate für das Eigenheim überwiesen ist – nach dem Vorbild disziplinierter Schwaben emsig weiter Geld zur Seite legen und den Verlockungen des Konsums trotzen.

          In die Bredouille dürften all diejenigen kommen, die ihre Immobilienfinanzierung Spitz auf Knopf gerechnet haben – also alle, die sich den Traum vom Eigenheim überhaupt erst dank Zulagen und Steuerersparnissen erfüllen können. Problematisch wird es auch, wenn nach der erfolgreichen Hausfinanzierung bis zur Rente nicht mehr ausreichend Zeit bleibt, ein Finanzpolster aufzubauen, um die Steuerschuld abzutragen. Denn häufig werden Konten geplündert und jeder Cent zusammengekratzt, um den Traum vom Eigenheim verwirklichen zu können. Ignoriert wird dabei gerne, dass es im Alter auch schön wäre, nicht nur in den eigenen Wänden mietfrei zu wohnen, sondern auch etwas Bargeld zu haben, um Versicherungen, Energie und die dann anfallenden Reparaturen für das Haus bezahlen zu können. „Und bei Wohn-Riester müssen im Alter zudem Steuern für das mietfreie Wohnen im Ruhestand gezahlt werden“, gibt Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine zu bedenken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Krieg in Syrien : VW stellt Werk in der Türkei in Frage

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.