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Vermögensfrage : Windkraftanlagen geben keinen Anlass zu Jubelstürmen

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Der nackte Zahlungsstrom ist ein klarer Hinweis dafür, dass die Anlage ein Entnahme- oder Rentenplan ist. Der Privatmann legt eine bestimmte Summe auf den Tisch. Er bekommt 20 Jahre lang gewisse Beträge zurück. Danach ist die Sache zu Ende. Folglich eignen sich Wind und Strom, so spöttisch das klingen mag, vorzugsweise für Senioren, die in der Jugend im fremdfinanzierten Porsche durch die Lande gefahren sind, jetzt aber im Alter etwas Geld haben, regelmäßige Erträge brauchen und ihr Seelenheil auf dem Fahrrad und im Ökostrom suchen.

Umgekehrt ist die Anlage ungeeignet für junge und mittelalterliche Anleger, welche individuelle Verzinsung im Einzelfall auch zutreffen mag. Die beiden Gruppen brauchen Sparverträge, weil sie fürs Alter vorsorgen müssen und am Ende der Sparzeit verrentbares Kapital benötigen. Das wird bei diesem Windkraftwerk aber nicht zur Verfügung stehen, weil nach 20 Jahren die Anlage abgebaut werden wird. Daran wird auch die Aufnahme von Darlehen nichts ändern.

Staatliche Garantien gelten nur bei vollen Kassen

Die jährlichen Ausschüttungen müssen unter allen Umständen bis zum Rentenbeginn wieder angelegt werden, weil sonst im Alter kein Geld zur Verfügung stehen wird. Die jährliche Wiederanlage kleiner Ausschüttungen von 2000 oder 3000 Euro ist jedoch mit so großen Problemen verbunden, dass Windkraftanlagen für Sparer nicht die passende Altersvorsorge sind. Hier liefern Investmentfonds, die das Geld ihrer Kunden in Umweltprojekte anlegen, viel bessere Dienste. Erstens sind auf diese Weise sowohl Spar- und Rentenpläne darstellbar, und zweitens dürften in den Fonds ähnliche Renditen erzielbar sein.

Unabhängig von den Renditen, die bei den Geschäften winken, sollten die Anleger auch einen Blick auf die Risiken werfen. Die Initiatoren loben die Sicherheit der Anlagen wegen der staatlichen Garantie, den Strom zu festen Preisen abzunehmen, über den Klee. Wie viel staatliche Garantien wert sein können, wenn die öffentlichen Kassen leer sind, zeigt ein Blick nach Berlin. Dort sind Tausenden von Privatleuten, die ihr Geld in den Wohnungsbau gesteckt haben, hohe Subventionen versprochen worden. Die Kassen der Hauptstadt sind aber so leer, dass das Land die Förderung gestrichen hat. Nun hängen die Anleger in den Seilen.

Die bitteren Erfahrungen mögen den Anhängern des Ökostroms erspart bleiben. Trotzdem sollten sich die Privatleute nicht von heißem Wind beeindrucken lassen. Wenn die alte Weisheit beherzigt wird, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sollten in ein Windrad bestenfalls 5 Prozent des Vermögens investiert werden. Das heißt im vorliegenden Fall in Wort und Zahl: Bei der Barzahlung von 100.000 Euro ist ein Vermögen von 2 Millionen Euro sinnvoll, und bei einer Einlage von 25.000 Euro sind 500.000 Euro notwendig. Ob bei diesem Vermögen aber ein Kredit von 75.000 Euro sinnvoll ist, ist eine andere Frage.

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