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Die Vermögensfrage : Wie groß ist eigentlich meine Rentenlücke?

Das Alter möglichst sorgenfrei genießen: Rentner in Warnemünde. Bild: dpa

Viele Finanzberater rechnen mit schneller Hand einen hohen Fehlbetrag fürs Alter aus. Das ist oft wenig seriös und verschreckt die Sparer. Es geht auch anders.

          Die Beraterin von MLP braucht keine fünf Minuten, um dem Berufsanfänger klarzumachen, dass ihm dereinst, wir reden vom Jahr 2053, viel Geld fehlen wird. Er weiß zwar noch nicht, ob er mal heiratet, Vater wird, ein Haus baut, welche Karriere er macht und was er dann verdient, aber die Rentenlücke ist ihm schon gewiss. Mit ein paar flinken Mausklicks erscheinen auf dem Bildschirm Balkendiagramme, die eine Prognose für die Einkünfte des Jahres 2053 dem Finanzbedarf gegenüberstellt. Ein trauriges Bild. Sofortiges Handeln tut Not.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Viele Berater lassen sich auf diese Gratwanderung der Angstmache ein, ohne dabei den potentiellen Kunden jedoch allzu stark zu verunsichern, denn er darf nicht den Eindruck gewinnen, es sei ohnehin alles zwecklos und nicht zu schaffen. Denn dann schließt er nicht ab. Die Zielgruppe junger Akademiker beim Berufseinstieg ist für die Vertriebsleute eine geradezu ideale Klientel. Das erste Einkommen verschafft zuvor jahrelang nicht gekannte Freiheiten.

          Und Familie und Eigenheim sorgen noch nicht für eine unangenehme Beschränkung des Budgets. Oft ist der finanzielle Spielraum nie mehr so groß wie in diesen ersten Jahren der Berufstätigkeit. Da kommt es auf den ein oder anderen Hunderter im Monat für langlaufende Rentenversicherungen nicht an. Zumal damit das latent schlechte Gewissen beruhigt wird, man müsse doch etwas für seine Altersvorsorge tun.

          Flexibilität als oberstes Gebot

          Die derart Umworbenen sollten jedoch mehr Widerstandskraft entwickeln. Mit 30 gibt es einfach noch viel zu viele Unbekannte, als dass schon Verträge über viele Jahrzehnte Laufzeit abgeschlossen werden sollten. Für die Vertriebsleute von Banken und Versicherern ist ein solcher Vertrag natürlich ein Traum. Doch in den frühen Lebensjahren sollte Flexibilität das oberste Gebot der Geldanlage sein. Das heißt nicht, dass nicht gespart werden soll. Damit kann gar nicht früh genug angefangen werden.

          Nur lang laufende Verträge, meist auch noch mit hohen Gebühren versehen und nicht ohne Verluste wieder auflösbar, sind in dieser Lebensphase eben ungeeignet. Ein einfacher Bank- oder Aktiensparplan tut es auch. Der ist in der Regel günstig, kann ohne weiteres jederzeit abgebrochen oder aufgestockt werden, und das angesammelte Kapital steht täglich zur Verfügung.

          Ob damit indes eine Rentenlücke im Jahr 2053 geschlossen werden kann, ist fraglich. Doch diese Frage kann niemand seriös beantworten. Wer sich einmal den Spaß macht, seine eigene Rentenlücke zu berechnen, dem wird gleich die Beliebigkeit der auf den ersten Blick so konkreten Zahl klar. Der Fondsverband BVI, aber auch die Stiftung Warentest bieten zum Beispiel solche Rechner auf ihren Internetseiten.

          Ein Blick in die Glaskugel

          Die erste Eingabe beim BVI-Rechner fördert eine Rentenlücke von rund 500 Euro in heutiger Kaufkraft zutage, da die Rente wohl 1500 Euro betrage, der Finanzbedarf indes 2000 Euro sei. Das scheint insgesamt noch überschaubar, und die Lücke ist kleiner als gedacht. Im zweiten Anlauf wird jedoch statt einer erwarteten jährlichen Gehaltssteigerung um 1 Prozent bis zum Renteneintritt einfach mal eine optimistische Annahme von 5 Prozent getroffen. Schon wächst die Rentenlücke auf beachtliche fast 3000 Euro! Die Rente ist zwar auch höher, aber der Finanzbedarf ist offenbar auf 4600 Euro im Monat gestiegen.

          Die Rechner unterstellen relativ plump, dass im Alter 80 Prozent des letzten Nettogehaltes zum Leben nötig sind. Wer also im Leben gut verdient, von dem wird angenommen, dass er sein Konsumverhalten dem hohen Einkommen anpasst und im Alter eben vor einer riesigen Rentenlücke steht.

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