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Die Vermögensfrage : Der Weiterverkauf von geschlossenen Fonds kann sich lohnen

  • -Aktualisiert am

Passt das Schiff noch ins Portfolio? Am Zweitmarkt können Anleger ihre Anteile auch wieder verkaufen. Bild: Laif/Andre Schumacher

Wer über geschlossene Fonds in Schiffe oder erneuerbare Energien investiert, muss nicht bis zum Ende dabeibleiben. Am Zweitmarkt herrscht reger Handel.

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          Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank drückt nicht nur die Sparer, auch für Anleger erweist sie sich immer mehr als Feind. In Zeiten des immer größer werdenden Anlagenotstands muss man alle Möglichkeiten prüfen, dem geldpolitischen Dilemma zu entfliehen. Bei negativen Zinsen - sei es durch die tatsächliche negative Zinsbelastung der Geldkonten oder über steigende Gebühren - sinkt der Wert des Geldes täglich. Was also tun? Die allenthalben postulierte Flucht in Sachwerte findet derzeit in erster Linie in Immobilien statt. Die Folge sind sinkende Mietrenditen, also eine Vermögensinflation. Der anderen Alternative, der Aktie, trauen viele Anleger nicht. Zum einen fürchten sie die Volatilität, zum anderen ist ihnen die auch durch die Geldpolitik induzierte Unsicherheit zu groß, wie es mit den Unternehmensgewinnen weitergeht.

          Eine weitere Alternative sind „Geschlossene Beteiligungen“, worunter Investitionen in Immobilien, Schiffe, Flugzeuge, Lokomotiven, Windparks, Sonnenkraftwerke, Biomasse, Ölbohrungen, Infrastruktur und Ähnliches fallen oder auch Direktbeteiligungen etwa an Containern. Sie werden jetzt nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) als „Geschlossenes Investmentvermögen“ bezeichnet. Nach vielerlei Skandalen und der Vernichtung von Anlegergeldern von unfähigen oder sogar kriminellen Initiatoren, sind sie in Verruf geraten. Der Markt dümpelt deshalb seit einigen Jahren vor sich hin. Die Anleger müssen entstandene Verluste verdauen, die Anlageberater erst einmal die möglicherweise angehäuften Haftungsrisiken aus eventuellen Fehlberatungen verarbeiten. Teile der Initiatorenschaft haben zudem den Marktverfall nicht überlebt oder können die neuen regulatorischen Anforderungen des KAGB nicht stemmen.

          Bei aller Schwarzmalerei gibt es aber neben der Spreu auch das eine oder andere Weizenkorn. Man muss es nur finden. Durch die erwähnte Regulierung sind die Geschlossenen Beteiligungen jetzt sehr viel stärker kontrolliert, aber es bleibt das wirtschaftliche Risiko und die typischerweise lange fixierte Anlegedauer. Insbesondere Letzteres schreckt ab; wie kom-me ich im Notfall an mein Geld? Schon vor mehr als 20 Jahren haben einige der damals großen Emittenten in Eigenregie oder über Vermittler Käufer für ihre Fondszeichner gesucht, die ihre Anteile abgeben wollten. Die Preisfindung und das Prozedere waren aber nicht unbedingt transparent. Seit zirca 10 Jahren hat der Markt eine andere Lösung gefunden und den Handel mit „gebrauchten“ Beteiligungen, unabhängig vom Emittenten, am sogenannten Zweitmarkt organisiert.

          Viele Anleger wollen keine „Mitunternehmer“ sein

          Aber warum verkaufen Anleger eine (funktionierende) Beteiligung? Dazu gibt es verschiedene Gründe: Entweder ist der Fonds hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und man möchte sich nicht mehr damit beschäftigen, oder die persönliche Lebenssituation hat sich geändert, und der Fonds passt nicht mehr in die Risikostruktur. Oder aber die Interessen decken sich nicht mehr mit der Geschäftspolitik des Initiators, sei es in Bezug auf die erwartete Zukunftsentwicklung des Fonds oder aus einer geplanten Neuausrichtung des Portfolios. Vielleicht steht auch nur der Ruhestand bevor, oder der Anleger braucht aus einem anderen Grund Liquidität. Das kommt inzwischen recht häufig vor, zum Beispiel bei geerbten oder geschenkten Beteiligungen oder auch im Zusammenhang mit Scheidungen.

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