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Die Vermögensfrage : Zehntausende Rentner rutschen in die Steuerpflicht

  • -Aktualisiert am

Ein genauer Blick lohnt sich: Auch im Rentenalter kann der Fiskus noch einmal zulangen. Bild: Getty

Ruheständler können das Finanzamt an einer Reihe von Kosten beteiligen. Bitter wird es für jüngere Jahrgänge: Bei ihnen langt der Fiskus laut einer aktuellen Studie gleich zwei Mal zu.

          Viele lösen im Alter Sudoku, lernen Sprachen oder machen Computerkurse, um sich geistig zu betätigen. Doch der Staat meint es gut mit seinen Bürgern. Alljährlich bietet er einer wachsenden Schar an Senioren eine alternative Übung: die Steuererklärung. Dabei werden die grauen Zellen durchaus gefordert. Schließlich werden die verschiedenen Alterseinkünfte und Versorgungsbezüge wie gesetzliche Rente, Auszahlungen aus Direktversicherungen, Unterstützungskassen oder privaten Rentenversicherungen steuerlich unterschiedlich behandelt.

          Doch auch wenn Rentner verpflichtet sind, mit dem Finanzamt abzurechnen, bedeutet das nicht automatisch, dass sie auch einen Obolus an den Fiskus entrichten müssen. Schließlich kann der Staat auch im Alter an einer Reihe von Ausgaben beteiligt werden. Zudem gibt es für heutige Rentnerjahrgänge noch eine Reihe von Vergünstigungen wie einen Altersentlastungs- oder einen Versorgungsfreibetrag – Erleichterungen, die bis zum Jahr 2040 nach und nach abgebaut werden. Und auch wenn die Empörung über das Ausfüllen der Bögen und die Steuerlast im Alter groß ist – ungerecht wird die nachgelagerte Besteuerung laut einer aktuellen Studie erst für Rentnerjahrgänge ab 2019: in Form einer doppelten Besteuerung.

          Während es sich für Ruheständler rechnet, für die Steuererklärung Belege wie Spendenquittungen oder Handwerkerrechnungen zu sammeln, sollten jüngere Jahrgänge ihre Einzahlungen in die Altersvorsorge akribisch dokumentieren. Denn wer sich 2019 oder später in den Ruhestand verabschiedet, wird vom Finanzamt gleich zwei Mal zur Kasse gebeten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass in diesen Fällen eine Doppelbesteuerung vorliegt.

          Mit rund 47.000 Euro zu viel besteuert

          Die Betroffenen zahlen aus versteuertem Einkommen Beiträge in die Rentenversicherung ein. „Und im Alter werden die Auszahlungen erneut besteuert“, sagt Finanzmathematiker Werner Siepe, einer der Autoren der Studie. Besonders hart betroffen sind diejenigen, die sich 2040 zur Ruhe setzen. Bei einem Standardrentner mit 45 Beitragsjahren werden laut Studie 2019 rund 4000 Euro, bei Rentenbeginn 2040 rund 47.000 Euro zu viel besteuert. Doch dazu später mehr.

          Für immer mehr Rentner wird das Finanzamt zum lebenslangen Begleiter. Das liegt zum einen am Alterseinkünftegesetz, das 2005 in Kraft trat. Grund für die Neuregelung war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2003, wonach die unterschiedliche Besteuerung von gesetzlichen Renten und Beamtenpensionen gegen das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes verstoße. Die Regierung reagierte und reformierte. Seit 2005 steigt der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente von Jahrgang zu Jahrgang. Wer 2005 bereits im Ruhestand war oder sich in diesem Jahr aus dem Arbeitsleben verabschiedet hat, musste 50 Prozent der Auszahlungen versteuern.

          Für Neurentner aus dem Jahr 2015 liegt der Besteuerungsanteil bereits bei 70 Prozent. Wer sich 2040 oder später zur Ruhe setzt, muss die gesetzliche Rente in voller Höhe steuerlich veranschlagen. Im Gegenzug können Arbeitnehmer einen immer größeren Anteil ihrer Einzahlungen in die gesetzliche Rente steuerlich geltend machen. 2015 akzeptieren die Finanzämter 80 Prozent der Einzahlungen, maximal 17.738 bei Alleinstehenden und 35.476 Euro bei Verheirateten. Von 2025 an können die kompletten Einzahlungen bis zum dann gültigen Höchstbetrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung steuerlich geltend gemacht werden.

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