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Vermögensfrage : Risikobereitschaft bestimmt Eigenheimfinanzierung

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Die „sichere“ Weg ins Eigenheim ist etwas komplizierter. Bis zum Einzug ins Eigenheim sind Bausparverträge und Banksparpläne eine Überlegung wert. Anschließend sollten mit voller Kraft nur noch die Schulden getilgt werden. Sobald die Verbindlichkeiten vom Tisch sein werden, können die Monatsraten in Anleihen investiert werden. Wer diesen Weg einschlagen will, wird mit dem Abschluss eines Bausparvertrages in einer Größenordnung von 120 000 Euro beginnen. In diesen Topf werden 120 Raten à 500 Euro eingezahlt. Unter Berücksichtigung der Abschlussgebühr von 1 Prozent, des gegenwärtigen Nominalzinses von 1 Prozent pro Jahr und der laufenden Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent wird das Sparkonto im Laufe der zehn Jahre auf 61.000 Euro anwachsen.

Die Risikobereitschaft ist ausschlaggebend

Ab dem sechsten Jahr folgt der zweite Sparvertrag. Er sollte bei einer Bank abgeschlossen werden, weil die Laufzeit nur fünf Jahre betragen wird. Bei einem Guthabenzins von 3 Prozent und der Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent werden sich in dem zweiten Topf etwa 32.000 Euro ansammeln, so dass in zehn Jahren insgesamt 93.000 Euro zur Verfügung stehen werden. Folglich müssen 207.000 Euro aufgenommen werden, und für die Verzinsung und Tilgung dieses Betrages werden monatlich 2000 Euro zur Verfügung stehen.

Die Rückführung läuft über zwei Schienen. Bei der Bausparkasse sind 59.000 Euro zu tilgen, und bei der Bank sind 148.000 Euro zurückzuzahlen. Die Raten werden bei 600 und 1400 Euro liegen. Die Laufzeit des Bauspardarlehens wird zehn Jahre betragen. Der Bankkredit wird nach elf Jahren getilgt worden sein, so dass der Anleger zu seinem 51. Geburtstag schuldenfrei sein wird. Aus dem finanziellen Schneider wird der Investor freilich noch lange nicht sein, weil die folgenden 168 Raten in den Aufbau der Altersversorgung fließen sollten.

Die Höhe des Vorsorgekapitals oder der Rente wird, das liegt auf der Hand, wiederum vom Risikoprofil des Anlegers abhängen. Es ist kaum damit zu rechnen, dass sicherheitsorientierte Sparer, die im Alter von 30 Jahren um Aktien einen großen Bogen gemacht haben, 21 Jahre später zu den Anhängern der Börse gehören werden. Daher ist bei den Zinssätzen für „risikoarme“ Geldanlagen gewisse Zurückhaltung geboten. Mehr als 3 bis 4 Prozent sollten nach Möglichkeit nicht angesetzt werden, und von diesen Sätzen ist wieder die Abgeltungsteuer abzuziehen.

Wer die Anschlüsse verpasst, hat wie bei der Bahn ein Problem

Wer insgesamt 168 Monatsraten von jeweils 2000 Euro in einen Spartopf steckt, der jedes Jahr mit 3,5 Prozent verzinst wird, kann am Ende auf ein Guthaben von 400.000 Euro hoffen. Das sind im Vergleich zu der Aktienlösung rund 300.000 Euro weniger. Das ist auf den ersten Blick viel Geld, doch die Unterschiede sollten nach Möglichkeit gar nicht gegenübergestellt werden, weil sonst Äpfel mit Birnen verglichen werden. Hier wird auf Risiko, dort wird auf Sicherheit gesetzt.

Die erste Lösung ist ein „konsequentes“ Zinsdifferenzgeschäft. Der Anleger rechnet mit einem Kreditzins von 5 Prozent und hofft auf eine Aktienrendite von 6 Prozent. Wenn die Rechnung aufgeht, winkt in 35 Jahren entsprechender Lohn. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen, und wenn es besonders dick kommt, wird der Spekulant am Ende auf Schulden sitzen. Das wird bei dem zweiten Ansatz nicht passieren. Der Bausparvertrag und der Banksparplan sind, so langweilig sie sein mögen, sichere Fundamente, und bei der Tilgung der Schulden kann, solange die Raten gezahlt werden, nichts anbrennen.

Hier drohen Verwerfungen beim Sparprogramm fürs Alter, doch wer die Kirche im Dorf stehen lässt, kann damit rechnen, dass die Backsteine auch 20 Jahre später noch aufeinander liegen. Es werden zwar „nur“ 400.000 Euro sein, doch wenn die Anleger nicht zu alt werden, sieht es gar nicht schlecht aus. Bei einer Rentendauer von 20 Jahren winken jeden Monat etwa 2100 Euro, und selbst bei einer Restlaufzeit von 35 Jahren werden es noch 1400 Euro sein. Voraussetzungen für diesen Erfolg sind aber, um das noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, der rechtzeitige Einstieg in die Sparverträge, der pünktliche Umstieg auf die Tilgung der Kredite und die konsequente Rückkehr in die Sparverträge. Wer die Anschlüsse verpasst, hat wie bei der Bahn ein Problem: Er muss warten, und das kostet Geld und Nerven!

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