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Die Vermögensfrage : Riestern lohnt sich für fast alle

Rechnung mit vielen Unbekannten: die Altersvorsorge will gut geplant sein. Bild: ddp Images

Hohe Gebühren haben viele Riester-Sparer verärgert. Doch nicht alle Verträge sind überteuert. Durch staatliche Zulage und mit einem sorgsam ausgewählten Produkt können Anleger sinnvoll für ihr Alter vorsorgen.

          7 Min.

          Viele der derzeit 16 Millionen Riester-Verträge beruhen auf einem Missverständnis. Die staatliche Zulage wurde mit einer Art Staatsgarantie für eine gute Altersvorsorge verwechselt. Ein oft teurer Irrtum. Die Anbieter von Riester-Verträgen hatten leichtes Spiel. „Wenn Sie bis zum Jahresende noch abschließen, sichern Sie sich die volle Förderung noch für das ganze Jahr“, ließen sich die Kunden nicht selten zu einem schnellen Vertragsabschluss drängen. Doch die staatliche Zulassung als zertifizierter Riester-Anbieter ist nichts anderes als eine Prüfung formaler Kriterien. Sie sagt nichts darüber aus, ob der Anleger tatsächlich einen vernünftigen Vertrag für seine Altersvorsorge abgeschlossen hat.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tatsächlich hat der Abschluss vieler Riester-Verträge ohne den Blick ins Kleingedruckte stattgefunden und das Erwachen ist vielfach böse. In diesen Wochen erhalten die Riester-Kunden wieder ihre Jahresabrechnungen. Beispielhaft eine im Dezember 2006 abgeschlossene Riester-Rente: Das Vertragsguthaben beträgt nach mehr als acht Jahren 12200 Euro. Doch der Kunde hat 13400 Euro eingezahlt. Dazu kamen fast 2000 Euro staatliche Zulagen. Doch der Versicherer hat fast 5000 Euro an Gebühren kassiert. Die haben damit die staatlichen Zulagen weit überwogen und auch die Erträge aus der Geldanlage von rund 1800 Euro locker aufgefressen. Von den Kosten war im Beratungsgespräch natürlich nie die Rede. Nur von den Zulagen. Die Anbieter verweisen nun darauf, dass die Kosten in den ersten fünf Jahren besonders hoch seien und dann geringer würden. Aber selbst im Jahr neun des Vertrages fallen noch 220 Euro Gebühren an.

          Bild: F.A.Z.

          Der Absatz neuer Riester-Verträge ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Dabei ist Riester für fast alle Anspruchsberechtigten – im Wesentlichen sind das die Beitragszahler in die Rentenversicherung und die Beamten – sinnvoll. 154 Euro im Jahr beträgt die Grundzulage für einen Riester-Vertrag. Dazu kommen 185 Euro im Jahr für jedes vor 2008 geborene Kind und 300 Euro für jedes Kind, das 2008 oder später geboren wurde. Wegen der hohen Kinderförderung entstand der Eindruck, die Riester-Rente eigne sich nur für kinderreiche Familien. Doch das ist falsch. Bis zu 2100 Euro Jahresbeitrag können als Sonderausgabe bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden. Schon Kinderlose mit mittleren Einkommen haben einen Steuervorteil von 500 Euro im Jahr und erhalten zusätzlich die Grundzulage von 154 Euro. Für Gutverdiener beträgt der Steuervorteil oft mehr als 800 Euro im Jahr bei einer Beitragszahlung von knapp 2000 Euro.

          Mindestbeitrag beträgt 60 Euro im Jahr

          Um die Zulagen zu erhalten, muss der Riester-Sparer wenigstens 4 Prozent seines Vorjahreseinkommens in den Riester-Vertrag einzahlen, abzüglich der Zulagen. Wer zum Beispiel 50000 Euro verdient hat, müsste 2000 Euro einzahlen. Da er zwei kleine Kinder hat, kann er von diesem Mindestbeitrag seine eigene Zulage von 154 Euro und je 300 Euro für die beiden Kinder abziehen. Er muss also nur mindestens 1246 Euro einzahlen, um die Zulage von 754 Euro im Jahr zu erhalten. Um die volle Zulage zu erhalten, müssen jedoch nie mehr als 2100 Euro abzüglich Zulagen eingezahlt werden. Dem Riester-Sparer steht es dennoch frei, jährlich einen höheren Betrag einzuzahlen. Das kann Steuervorteile haben und sorgt zudem für ein höheres Sparguthaben im Vertrag, das im Alter für die Rente zur Verfügung steht.

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