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Vermögensfrage : Niedrige Zinsen sind eine gefährliche Verlockung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Die Aufnahme von Darlehen und Krediten kann für Privatleute zu einer tödlichen Falle werden, wenn sie die Klippen, die in Form künftiger Zinsänderungen lauern, nicht rechtzeitig umschiffen - der Staat hilft dabei nicht.

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          Spanien ist im Augenblick ein heißes Thema. Die Fußballer sind auf dem besten Weg, heute Weltmeister zu werden. Gleichzeitig sind viele Iberer auf dem besten Weg, übermorgen ihr Eigenheim zu verlieren, weil sie ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Der Verband der Kunden der Banken, Sparkassen und Versicherungen – kurz Adicae – befürchtet in diesem Jahr etwa 200.000 Zwangsräumungen. Die Ursache der Misere ist einfach. In den vergangenen Jahren haben nach Angaben der Verbraucherschützer 6 bis 8 Millionen Spanier einen Kredit aufgenommen, um sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen.

          Die Menschen glaubten wie in den Vereinigten Staaten an steigende Immobilienpreise, und die Kredite waren mit variablen Zinsen ausgestattet, die beim Abschluss sehr niedrig waren. Nun ist alles anders gekommen als geplant. Die spanische Wirtschaft hinkt, die Arbeitslosenquote ist auf mehr als 20 Prozent geklettert, die Immobilienpreise sind gesunken, und die Kreditzinsen sind gestiegen, so dass die Schieflage kein Wunder ist. In Deutschland ist die Lage längst nicht so dramatisch. Trotzdem ist die Finanzierung des Eigenheims auch in diesem Land kein Zuckerschlecken. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Die Wahl zwischen Kredit, Darlehen und Bausparvertrag

          Ein junges Ehepaar – beide Partner sind jeweils Anfang 30 Jahre alt – hat zwei Kinder und 100.000 Euro auf dem Konto. Das Kapital ist der Grundstock für ein Haus, das 350.000 Euro kosten soll. Folglich ist ein Kredit von 250.000 Euro notwendig. Die beiden Angestellten haben zwei verschiedene Offerten auf dem Tisch liegen. Das erste Angebot kommt von der Hausbank. Es besteht aus zwei Krediten. Die Hypothek beläuft sich auf 170.000 Euro. Der Zins beträgt 4 Prozent im Jahr und gilt 15 Jahre lang. Getilgt werden soll die Schuld mit jährlich 1 Prozent. Der Kredit lautet auf 80.000 Euro. Hier wird ein Zinssatz von 3,25 Prozent im Jahr angeboten. Er soll fünf Jahre lang gelten, und die Tilgung wird auf 2 Prozent eingestellt.

          Die Offerte der Konkurrenz besteht aus zwei Darlehen und einem Bausparvertrag. Die Hypothek beträgt genau 150.000 Euro. Der Nominalzins liegt bei 3,75 Prozent im Jahr und gilt 15 Jahre lang. Die Tilgung beträgt 1 Prozent je Jahr. Der Kredit von 100.000 Euro wird für 3,5 Prozent im Jahr angeboten. Der Zinssatz gilt zehn Jahre lang. Und in dieser Zeit sollen nur Zinsen bezahlt werden. Getilgt werden soll dieser Kredit mit Hilfe eines Bausparvertrages. Dessen Summe beträgt 100.000 Euro. In den Spartopf der Bausparkasse sollen zehn Jahre lang monatlich 400 Euro fließen. Nach der Zuteilung des Vertrages soll die Schuld jeden Monat mit 500 Euro getilgt werden.

          Hier hilft nur der gesunde Menschenverstand

          Die beiden Angebote sind der aktuelle Spiegel der deutschen Eigenheimfinanzierung. Sie sind im Gegensatz zur spanischen „Lotterie“ mit den variablen Zinsen stabiler. Trotzdem sind die Angebote in mehrfacher Hinsicht mit Vorsicht zu genießen. Die beiden Offerten sind trotz des neuen Verbraucherkreditgesetzes nicht vergleichbar, die Gestaltung der Finanzierung ist fragwürdig, und die Grundlage der Kredite ist dünn. Die einzelnen Klippen müssen die Privatleute freilich selbst erkennen. Hier bietet der Staat keine Hilfe. Hier steht kein Kreditgeber zur Seite. Hier hilft nur der gesunde Menschenverstand.

          Die Probleme beginnen bei der Analyse der Angebote. Es liegt auf der Hand, die Pakete mit Hilfe der monatlichen Belastung zu vergleichen. Beim ersten Angebote sind für die Hypothek abgerundet 708 Euro und für den Kredit genau 350 Euro zu bezahlen. Das sind je Monat insgesamt 1058 Euro. Bei der Konkurrenz sind 1286 Euro zu entrichten: 594 Euro für die Hypothek, 292 Euro für den Kredit und 400 Euro für den Bausparvertrag. Die erste Summe ist zwar niedriger als die zweite Summe. Trotzdem führt der Vergleich in die Irre, weil die Angebote nicht vergleichbar sind.

          Das Problem ist meist die Restschuld

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