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Vermögensfrage : Familien bauen nur schwer Vermögen auf

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Die hohen Lebenshaltungskosten in den Ballungsräumen lassen jungen Akademikern in vielen Fällen kaum Spielraum für das Eigenheim und die Altersvorsorge. Schnell wird da klar: Ohne Verzicht wird es nichts mit dem Häusle bauen.

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          Der Aufbau des Privatvermögens ist für junge Akademiker, die in Großstädten leben, seit Jahr und Tag ein Spagat. Sie haben auf der einen Seite ordentliche Einkommen, doch die Kosten der Lebenshaltung sind auf der anderen Seite so hoch, dass kaum Geld übrig bleibt. Dadurch sind Eigenheim und Altersvorsorge in vielen Fällen unerfüllbare Träume. Sollte das Leben durch Arbeitslosigkeit oder Scheidung erschüttert werden, droht sogar der Absturz. Oftmals sind es jedoch nicht große Ereignisse, sondern kleine Dinge, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Wie schmal der Weg des Aufstiegs zum finanziellen Erfolg ist, wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein junger Anwalt ist 30 Jahre alt. Er ist verheiratet, und seine Frau ein Jahr jünger als er. Das Ehepaar hat eine sechs Monate alte Tochter und es wünscht sich noch ein zweites Kind. Die Familie lebt in einer süddeutschen Großstadt. Das monatliche Bruttoeinkommen liegt bei 3500 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern genau 2408 Euro übrig, weil die Liste der Abgaben sieben Posten umfasst: 49 Euro für die Arbeitslosenversicherung, 277 Euro für die Krankenkasse, 357 Euro für das Finanzamt, 17 Euro für die Kirche, 34 Euro für die Pflegeversicherung, 10 Euro für die Brüder und Schwestern im Osten und 348 Euro für die Rentenversicherung.

          Kleine Familien haben große Träume

          Zu dem Nettoeinkommen kommt das Kindergeld von 184 Euro hinzu, so dass die Familie monatlich 2592 Euro ausgeben kann. Davon macht sie reichlich Gebrauch. Die Warmmiete beträgt 1100 Euro, und die Kreditrate für das Auto liegt bei 300 Euro. Folglich sinkt der Überschuss auf 1200 Euro, und von diesem Betrag muss die Truppe leben: Essen, Trinken, Hobbys, Urlaub und Versicherungen. Es ist nicht viel Phantasie notwendig, dass mit 1200 Euro keine großen Sprünge möglich sind. So gestaltet sich aber in vielen Familien der Alltag. Und die Aussichten, dass die Bäume in den Himmel wachsen, sind in der Regel bescheiden.

          Die kleine Familie hat große Träume. Die junge Frau arbeitet zur Zeit nicht. Trotzdem hat sie ihrem Mann gesagt, dass ihr ein Häuschen ganz gut gefallen würde. Das geht dem Vater nicht anders. Nur stellt sich die Frage, wie das bezahlt werden soll. Öl ins Feuer hat in den letzten Wochen ein Vermittler gegossen. Der Vertreter einer großen Vertriebsgesellschaft für Finanzprodukte hat dem Ehepaar vorgerechnet, wie viel Geld in den nächsten 40 Jahren an den Vermieter zu überweisen sind, wenn die heutige Miete jedes Jahr um 2 Prozent steigt. Das werden 652.000 Euro sein, und solche Summen sind in Bayern und Schwaben der beste Ansatz, um junge Ehepaare nach allen Regeln der Kunst aufzumischen.

          Den Buckel nicht bis zum Siebzigsten krumm machen

          Das ist im vorliegenden Fall nicht anders, und oft enden solche Gespräche mit dem Abschluss eines Bausparvertrages für die Eltern und einer Unfallversicherung für den Nachwuchs. Auf diese Weise mag sich der Abstand zu dem Häuschen um drei Zentimeter verkürzt haben. Wenn das freilich alles ist, wird der Traum niemals in Erfüllung gehen, weil die Realität brutal ist. Erstens ist es grober Unfug, bis zum 70. Geburtstag den Buckel für ein Eigenheim krumm zu machen, und zweitens sind Häuser in Großstädten für 210.000 Euro nicht zu bekommen. Mehr dürften sie freilich nicht kosten, wenn Mieten von anfänglich 900 Euro insgesamt 25 Jahre in einen Kredit gesteckt werden, der jährlich 4 Prozent kostet. Sonst gerät der junge Haushalt ins Wanken.

          Häuser in München und Stuttgart kosten zur Zeit aber mindestens 350.000 Euro, und in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin sieht die Lage nicht viel besser aus. Das sind für junge Familien, die kein Eigenkapital besitzen und netto 2600 Euro zur Verfügung haben, völlig utopische Größenordnungen. Die Privatleute können die Sache mit und ohne Berater oder Vermittler drehen und wenden, wie sie wollen. Die Vorhaben sind zum Scheitern verurteilt. Hier sind ganz andere Maßnahmen notwendig.

          Räder statt Auto, Kochen statt Restaurants, Allgäu statt Mallorca

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