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Vermögensfrage : Es lohnt sich, Vergleichsportale zu vergleichen

  • -Aktualisiert am

Hoffentlich richtig versichert: Sturmschäden in Düsseldorf Bild: dpa

Vergleichsrechner im Internet helfen dabei, die günstigste Autoversicherung zu finden. Aber nicht alle Portale überblicken den ganzen Markt. Das gilt besonders für Check24, Geld.de, Preisvergleich.de oder Verivox.

          5 Min.

          Bald hebt es wieder an, das traditionelle Ritual: Im Herbst kalkulieren die Autoversicherer ihre Tarife und verschicken Briefe mit den neuen Preisen, und spätestens dann beginnt das große Bäumchen-wechsle-dich. Bis Ende November dürfen die meisten Autoversicherungen gekündigt werden, also sortieren die knapp 100 Versicherer links die Kündigungen und rechts die Anträge. Es geht um 61 Millionen Verträge, um 24 Milliarden Euro und damit um das Brot-und-Butter-Geschäft der Branche. Das sorgt für Wettbewerb. So etwas freut die Versicherten – und die Vergleichsportale.

          Die sind längst fester Teil des großen Umdenkens, und einige von ihnen verdienen dabei mit. Einige, nicht alle. Von denen, die mitverdienen, weil sie in Wirklichkeit große Versicherungsmakler sind, werden Geschichten erzählt von hohen Provisionen, von Staffeln je nach vermittelter Vertragszahl, von listigen Einstellungen der Suchmaschinen, die dann immer die Anbieter mit den guten Provisionen finden. Und von eher überflüssigen Vertragsmerkmalen, die als wichtig herausgestellt werden. Was ebenso von Wettbewerbern erzählt wird.

          Und es gibt Eigenaussagen wie die von Autoversicherung.de, einem Portal der Sparkassengruppe: „Die bisher im Markt tätigen Vergleichsportale wie zum Beispiel Check24, Verivox und Geld.de nehmen typischerweise für einen vermittelten Kfz-Vertrag 75 bis 100 Euro Vermittlungsprovision vom Versicherer. Wir nehmen für die Vermittlung eines Vertrages über unser Portal von den beteiligten Versicherern 45 Euro.“

          HUK-Coburg findet nicht statt

          Tatsache ist, dass derlei Provisionen einigen sparsamen Versicherern zu hoch sind. Deshalb schlagen diese Gesellschaften einen Bogen um teure Portale und geben ihre Tarife nur für andere Vergleichsrechner frei. Die Folge trifft jeden Interessenten, der bei teuren seine neue Police sucht: Ihre Auswahl ist keine Garantie auf den preiswertesten Versicherungsschutz. Die HUK-Coburg beispielsweise, ein durchaus preisgünstiger, führender Autoversicherer, findet seit Jahren auf Check24, dem Marktführer unter den Maklerportalen mit angeblich zehn Millionen vermittelten Verträgen, nicht statt. Auch nicht bei Preisvergleich.de oder Geld.de. Geld.de behauptet dennoch vollmundig, „Nur bei Geld.de, alle Anbieter von Autoversicherungen im Vergleich!“ und winkt mit einer „Tiefstpreisgarantie“ – eine Aussage, die in wissenschaftlichen Untersuchungen der Portale nicht bestätigt wurde.

          Es gibt aber auch andere Vergleichsportale. Die verzichten darauf, Versicherungsverträge zu vermitteln. Deshalb erhalten sie auch keine Provisionen. Die Folge des Vermittlungsverzichts: Einerseits sind mehr Versicherer im Vergleichsboot. Andererseits müssen sich die Interessenten selbst um ihre Police kümmern und die Antragsprozedur beim Versicherer der Wahl noch einmal absolvieren. Provisionsfreie Portale gibt es bei den Verbraucherschützern wie der Stiftung Warentest oder dem Bund der Versicherten und bei einem Dienstleister, der für viele Portale, darunter die der Verbraucherschützer, Software und Daten zur Verfügung stellt und die Anfragen auch berechnet.

          Bund der Versicherten ist kostenfrei

          Die NAFI GmbH in Höxter sieht sich zwar nicht als Verbraucherportal, sondern als Dienstleister für Vermittler und Versicherer, arbeitet aber als Art „Beleg unserer Arbeit“, so NAFI-Geschäftsführerin Ivana Höltring, unter www.nafiauto.de kostenfrei auch unmittelbar für die Autofahrer. Die Auskunft beim Bund der Versicherten ist ebenfalls kostenfrei. Die Stiftung Warentest verlangt dagegen 7,50 Euro für dieselbe Suche, was mit ihrem Vertrag mit NAFI und zusätzlichen Eigenschaften des Portals zu tun hat: So berücksichtigt der NAFI-Rechner in einem Vergleich für die Stiftung mehr Versicherer als in seinem eigenen Portal für Verbraucher. Der Hintergrund: Einige Gesellschaften haben ihre Tarife wohl für die Stiftung Warentest, nicht aber für nafiauto.de freigegeben.

          Die Portale sind in den vergangenen Jahren immer wieder vergleichend durchleuchtet worden. Nicht alle Studien erfassten dabei auch die provisionsfreien Portale. Einige der umfassenderen Studien erfolgten für das Goslar-Institut, eine Initiative der HUK-Coburg. Die Autoren dieser Studien waren Versicherungswissenschaftler und Berater der Gen Re, eines großen Rückversicherers. Die Ergebnisse dieser Gutachter gingen alle in dieselbe Richtung. „Nicht jeder Nutzer weiß, dass sich viele Portale über Provisionen finanzieren.“ Die meisten Portale deckten keineswegs den ganzen Markt ab, sondern meist nur einen mehr oder minder großen Teil. „Es lohnt sich, Versicherungen im Internet zu vergleichen.“ Ein Vergleich der Portale lohne aber auch.

          Portale decken nur Teil des Markts ab

          In den ausschließlich auf die Provisionsportale ausgerichteten Vergleichen einer Arbeitsgruppe der Universität Koblenz Landau siegte in den vergangenen Jahren Check24. Geld.de belegte zuletzt zwei Mal den letzten Platz. Das Portal fiel bei Datenschutz und Datensicherheit mit der Note 5,3 durch. Ende Juni ergab sich im Vergleich der wichtigsten Portale das in untenstehender Tabelle gezeigte Bild.

          Nicht alle Vergleichsportale in der Autoversicherung haben den gesamten Markt im Blick. Tatsächlich decken Provisionsportale wie Check24, Geld.de oder Verivox nur einen Teil des Marktes ab. Bei den provisionsfreien Portalen der Verbraucherschützer und von NAFI werden dagegen alle relevanten Anbieter verglichen. Geld.de und Preisvergleich.de wollten sich nicht verglichen sehen. Ihre Angaben wurden von Marktbeobachtern erhoben.

          Mit der Auswahl des richtigen Versicherers ist das Sparpotential in der Autoversicherung aber noch nicht erschöpft. Auf die Häkchen im Antrag kommt es an: Nicht alle Zusatzleistungen, die die Gesellschaften um die Kfz-Haftpflichtversicherung ranken, sind immer nur sinnvoll.

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          Wie lange lohnt die Vollkaskoversicherung? Sie begleicht Reparaturen am eigenen Auto auch dann, wenn der Unfall selbst verschuldet wurde. Und sie umfasst das komplette Teilkaskopaket, mit dem Schäden versichert werden, für die der Autofahrer meist nichts kann, zum Beispiel durch Diebstahl, Steinschlag oder Feuer. Neue Autos sind – je nach Tarif und Versicherer – bis zu 24 Monate zum Neupreis versichert, meist ist der Zeitraum aber deutlich kürzer. Dann gilt der Zeitwert. Und der kann schon nach wenigen Jahren so niedrig sein, dass sich die Vollkaskoversicherung nicht mehr lohnt. Die Stiftung Warentest nennt zur Orientierung 15.000 Euro als Grenze. Für Autos, deren Wert unter diese Grenze fällt, lohnt sich nach Ansicht der Stiftung eine Vollkaskoversicherung nicht mehr. In allen Kaskovarianten kann man Eigenanteile für jeden Schaden vereinbaren und damit die Beiträge senken. Verbraucherschützer empfehlen 150 Euro für den Teilkasko- und 300 Euro für den Vollkaskobereich. Und noch eines ist wichtig: Der Bund der Versicherten empfiehlt für die Kaskoversicherung die Vereinbarung, dass der Versicherer auf den Einwand grober Fahrlässigkeit verzichtet. Dieses Häkchen kann man also machen.

          Lohnt die Werkstattbindung? Die Werkstattbindung ist ein Tauschgeschäft in der Kaskoversicherung: Der Versicherte geht nach einem Schaden nur in Werkstätten, die ihm sein Versicherer zuweist. Der Versicherer gibt ihm dafür einen Rabatt von bis zu 20 Prozent. Der Tausch lohnt, weil die Werkstätten geprüft sind und weil die Versicherer die Reparatur organisieren und manchmal sogar kostenfrei ein Mietfahrzeug stellen. Experten raten, bei Werkstattbindung Schäden immer telefonisch zu melden. Dann kann man mit dem Sachbearbeiter über die Werkstatt in der Nähe und den Mietwagen reden.

          Mit dem ADAC geht es nicht

          Lohnt ein Schutzbrief? Der Schutzbrief ist bei Neufahrzeugen überflüssig, weil es da meist für eine gewisse Zeit eine Mobilitätsgarantie gibt. Die umfasst das übliche Leistungspaket der Schutzbriefe. Bei Autos außerhalb der Mobilitätsgarantie ist der Schutzbrief gut, wenn man die Kosten für den Schutzbrief im Griff behält. Das klappt nicht mit dem ADAC. Die Stiftung Warentest hat im April in „Finanztest“ die Schutzbriefe verglichen und kam zu dem Schluss: „Die Policen des eigenen Versicherers sind viel günstiger.“ Stimmt, der Unterschied ist enorm: Der ADAC verlangt für das Auto eines Mitglieds 84 Euro, Allianz und Ergo schützen für fünf Euro. Manche Versicherer haben den Schutzbrief in die Edelvarianten ihrer Tarife sogar kostenfrei eingeschlossen.

          Lohnt ein Rabattschutz? Der Rabattschutz ist eine kostenpflichtige Zusatzleistung der Versicherer. Er sorgt dafür, dass bei einem verschuldeten Schaden die fällige Rückstufung in eine niedrigere Rabattklasse unterbleibt. Das gilt aber nur für den Versicherer, der den Rabattschutz auch vereinbart hat. Jeder andere Versicherer berücksichtigt bei der Einstufung alle Schäden. Die werden ihm vom Vorversicherer auch mitgeteilt. Bei einem Versichererwechsel ist der Rabattschutz also hin. Dennoch lohnt er für Versicherte hoher Rabattklassen, die viel fahren und befürchten, dass ihnen ab und zu ein Unfall passiert. Einen Schaden selbst zu regulieren, um die Rückstufung zu vermeiden, ist in der Regel teurer, selbst wenn es nur alle zehn Jahre passiert.

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