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Vermögensfrage : Diskussion um offene Immobilienfonds nur heiße Luft

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Die tägliche Verfügbarkeit der Anteile von offenen Immobilienfonds soll abgeschafft werden. So will es das Finanzministerium. Das brachte viele Anleger in dieser Woche dazu, ihre Beteiligungen prompt zu verkaufen - unnötigerweise.

          Offene Immobilienfonds sind in dieser Woche wieder einmal heftig ins Gerede gekommen. Am Dienstag wurden Pläne des Bundesfinanzministers bekannt, die tägliche Verfügbarkeit der Anteile aufzuheben. Künftig sollen Kauf und Verkauf nur noch ein- oder zweimal pro Jahr möglich sein. Außerdem ist ein pauschaler Abschlag von 10 Prozent auf den Wert der Immobilien geplant. Die Folgen auf die Nachricht ließen nicht lange auf sich warten. Die ersten Privatleute haben am Mittwoch ihre Anteile verkauft.

          Am Donnerstag haben zwei führende Unternehmen, Kanam und SEB, ihre Fonds geschlossen, weil sie Panikverkäufe ihrer Kunden befürchten. Nun dürfte es eine Frage von Stunden sein, bis weitere Anleger und Gesellschaften das Karussell so lange in Fahrt bringen, dass es in Kürze nur noch heißen könnte: Die offenen Immobilienfonds sind fragwürdige Geldanlagen. Fragwürdig sind jedoch nicht die Immobilien, sondern die Menschen, und zwar in erster Linie die Anleger. Das wird in folgenden Überlegungen deutlich.

          Neun von zehn Anlegern sind mit Reichtum überfordert

          Eine Frau ist 55 Jahre alt und hat von ihrer verstorbenen Mutter rund 500.000 Euro geerbt. Das ist nicht wenig Geld, mit dem sich einiges anfangen lässt. Nur was genau das sein soll, das weiß die Dame nicht - damit befindet sie sich in bester Gesellschaft. Neun von zehn Anlegern sind, wenn sie „plötzlich“ Geld in der Hand haben, mit dem Reichtum überfordert; sie wissen überhaupt nicht, was sie damit machen sollen. Guter Rat in solchen Lebenslagen ist im besten Sinne des Wortes teuer.

          Dabei ist die Geldanlage gar nicht schwer. Die Erbin muss nur drei Dinge beherzigen. Sie sollte sich notieren, wie viel Geld sie in naher Zukunft braucht. Dieser Betrag wird gleich von der halben Million abgezogen. Dann geht es um die Aufteilung des restlichen Vermögens, und da kommen fünf Töpfe in Frage: Bargeld, Gold, Anleihen, Immobilien und Aktien. Wie viel Geld in welchen Topf fließt, hängt von der Sicherheit, der Rendite und der Verfügbarkeit ab, welche die Anlegerin anstrebt, doch „mehr“ Töpfe gibt es nicht. Wenn dieser Plan steht, geht es um den kostengünstigen Einkauf und die preiswerte Verwaltung der benötigten Produkte. Das ist alles, mehr ist wirklich nicht notwendig.

          Da nützt keine Bank, kein Steuerberater, kein Ehemann

          Im vorliegenden Fall kann bei den ersten Überlegungen herauskommen, sofort 100.000 Euro für die Ablösung bestehender Kredite, den Kauf eines neuen Autos und die Renovierung des Eigenheims auf die Seite zu legen. Folglich sind nur noch 400.000 Euro anzulegen. Davon sollen 50.000 Euro in Bargeld, 50.000 Euro in Gold und jeweils 100.000 Euro in Anleihen, Immobilien und Aktien gesteckt werden. Das ist weder gut noch schlecht, sondern die individuelle Wahl der Anlegerin. Diese Entscheidung muss die Erbin selbst treffen. Da kann keine Bank behilflich sein, da kann - falls überhaupt vorhanden - kein Ehemann helfen, da nützt kein Steuerberater, das ist und bleibt allein die Aufgabe der Frau.

          So wichtig die Aufteilung ist, so wichtig ist aber die Disziplin, diesen Plan eine Zeitlang durchzuhalten. Das hört sich banal an, ist in der Praxis aber ungeheuer schwer. Der größte Feind des Anlegers ist die eigene Wankelmütigkeit: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln, und eine Ehrenrunde um den Acker! Das sieht toll aus, da kommt das Gefühl auf, nicht auf der Stelle zu treten, das erweckt den Anschein, ein Macher zu sein. Nur kommt mit diesem Verhalten unter dem Strich nicht viel heraus. Die beste Geldanlage sind allen Unkenrufen zum Trotz eine breite Streuung des Kapitals, eine kostengünstige Beschaffung der Anlagen und eine große Beharrlichkeit.

          Im vorliegenden Fall hat sich die Dame entschieden, etwa 100.000 Euro in Immobilien anzulegen. Nun muss die Frau freilich Nägel mit Köpfen machen. Will sie für 100.000 Euro eine Wohnung kaufen? Soll der Betrag in offene Immobilienfonds gehen? Oder soll die Summe in einen geschlossenen Immobilienfonds gesteckt werden? Hier ist Gefahr in Verzug.

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