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Vermögensfrage : Banken ziehen Senioren über den Tisch

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Bild: F.A.Z.-Kai

Bankberater empfehlen älteren Menschen oft Anlagen, aus denen sie zu Lebzeiten kaum mehr herauskommen. Doch vielen Senioren fehlen Mut und Wissen, diese Empfehlungen zu hinterfragen. Es drohen Pannen, Pech und Pleiten.

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          Die vermögenden Senioren sind in den Augen vieler Banken ideale Kunden. Sie haben Geld, sind loyal bis zur Selbstaufgabe, und sie stellen in der Regel wenig Fragen. Dadurch sind sie für Bankkaufleute – in Wahrheit provisionshungrige Verkäufer – oft leichte und fette Beute. Würden nur einfachste Dinge wie Gebühren, Sicherheit und Verfügbarkeit hinterfragt, kämen zahlreiche Geschäfte nie zustande. Weil vielen Senioren aber Mut und Wissen fehlen, solche Fragen zu stellen, drohen Pannen, Pech und Pleiten wie in folgendem Beispiel.

          Ein vermögendes Ehepaar, beide sind Mitte 70, hat vor zehn Jahren etwa 200.000 Euro geerbt. Der Betreuer der Hausbank witterte damals das große Geschäft, doch daraus wurde nichts. Das Ehepaar entschied sich, weil es das Geld einfach und sicher anlegen wollte, für mehrere Bundesanleihen. Nun sind die Wertpapiere fällig geworden, und die Verhältnisse haben sich geändert. Die Zinsen sind in den Keller gerutscht. Der alte Betreuer ist im Ruhestand. Auf seinem Stuhl sitzt ein Juniorberater. Außerdem wissen die beiden Herrschaften nicht, was sie mit dem Geld anfangen sollen. Das ist für den Verkäufer, der unter dem Druck der Vorgesetzten leidet, aber nicht den Mut hat, ein „anständiger“ Selbständiger zu werden, die nächste Bewährung, um die Vorgaben der Bank zu erfüllen.

          Die Bank wird das bessere Geschäft machen

          Mit dem „Ausdruck des größten Bedauerns“ teilt er dem Ehepaar mit, dass die Zinsen für Anleihen „dramatisch“ gesunken seien. Statt der „schönen“ 5 Prozent gebe es nur noch „lausige“ 3 Prozent, und das sei doch etwas wenig. Die Senioren sind über den Rückgang der Zinsen in der Tat enttäuscht, doch statt sich mit den Gegebenheiten abzufinden, sind sie für die Vorschläge des Beraters offen. Dessen Angebot besteht aus drei Teilen. 50.000 Euro sollen in einen Bausparvertrag fließen, 50.000 Euro sind für eine Mischung aus Anleihen und Aktien vorgesehen, und 100.000 Euro sollen in einen Immobilienfonds gesteckt werden.

          Das sei die ideale Mischung, erklärt der Verkäufer, weil auf diese Weise alle Bedürfnisse der Senioren abgedeckt würden: Sicherheit, Ertrag, Rendite und Steuern. Das Interesse an den Verträgen ist auf beiden Seiten groß, und wer die Gründe erfahren will, braucht nur hinter die Kulissen zu schauen. Jede Partei ist auf ihre Weise gierig. Nur wird die Bank das bessere Geschäft machen. Sie erhält für die Vermittlung des Bausparvertrages etwa 1 Prozent, für den Mischfonds gibt es 4 Prozent, und für den Immobilienfonds winken 6 Prozent. Das macht unter dem Strich rund 9000 Euro beziehungsweise 4,5 Prozent des Anlagekapitals.

          Darüber machen sich die Senioren freilich keine Gedanken, weil sie nicht einmal im Traum auf die Idee kämen, dass die Erbschaft um diesen Betrag abschmelzen kann. Statt dessen folgen sie den Ausführungen des jungen Mannes, der den Anlegern mit salbungsvollen Worten die Vorzüge seines Konzeptes erläutert. Der Bausparvertrag sei die Krankenversicherung für das Eigenheim. Der Mischfonds böte Ertrag und Chance. Und der Immobilienfonds überzeuge durch stabile Ausschüttungen und die Tatsache, dass die Erträge nicht der Abgeltungsteuer unterlägen.

          Ab 70 sollten Anleger kein Darlehen mehr aufnehmen

          Der Vorschlag ist für Beobachter mit gesundem Menschenverstand ein mittlerer Alptraum. Das beginnt bei der „Gier“ der Bank nach den Provisionen und endet bei der Meinung, dass die Mischung „ideal“ für Senioren sei. Der Bausparvertrag ist überflüssig wie ein Kropf, der Mischfonds geht in die richtige Richtung, ist aber viel zu teuer, und der geschlossene Immobilienfonds ist ein Gefängnis, aus dem die Anleger zu Lebzeiten mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr herauskommen werden. Daher kann von solider Geldanlage beim besten Willen keine Rede sein.

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