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Die Vermögensfrage : Auf Albträume vorbereitet sein

Eine Patientenverfügung ist bei einem schweren Unfall hilfreich, eine Vorsorgevollmacht auch. Bild: dpa

Schlaganfall der Mutter, Autounfall des Ehepartners - im Leben kann es Situationen geben, die sich niemand je wünschen würde. Trotzdem sollte es auch für schwere Pflegefälle einen Plan geben. Den Angehörigen zuliebe.

          8 Min.

          Ein Schlaganfall der Mutter, ein schwerer Autounfall des Ehepartners, ein Hirnschlag des eigenen Kindes. Horrorbilder, die sich niemand vorstellen mag. Doch solche Schicksale kommen vor. Sogar gar nicht so selten, wenn man sich in den Pflegeheimen und Krankenhäusern umschaut. Jeder sollte sich daher fragen, was er sich im Falle eines Schicksalsschlages wünscht. Und er sollte diese Überlegungen mit seinen wichtigsten Vertrauten teilen. Denn für sie ist der Schicksalsschlag mindestens so hart. Sie erleben ihn bei vollem Bewusstsein. Und sie müssen damit leben und entscheiden, wie es weitergeht.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer meint, die Entscheidungsbefugnis geht automatisch auf den Ehepartner, Sohn, Vater oder Enkel über, weil die nächsten Angehörigen schließlich am besten wissen, was der Betroffene gewollt hätte, der irrt. Der Gesetzgeber hat dazu klare Gesetze erlassen. Ein Sorgerecht mit allen Vollmachten zu Aufenthaltsbestimmung, über finanzielle und gesundheitliche Angelegenheiten haben nur Eltern für ihre minderjährigen Kinder. Nicht aber zum Beispiel automatisch die Ehefrau für ihren Mann, der Sohn für die Mutter und auch nicht mehr die Eltern für ihre erwachsenen Kinder.

          Ist keine Vorsorge für den Fall getroffen, dass jemand nicht mehr selbst Herr seiner Sinne und seines Lebens ist, dann ist es in Deutschland Aufgabe der Amtsgerichte, sich der Sache anzunehmen. Sie prüfen, wer nach ihrer Ansicht zum besten Wohle des Betroffenen handeln darf. Im Idealfall nehmen sich die Richter dafür Zeit, erkunden das Umfeld, verschaffen sich einen Überblick über die Angehörigen und führen viele Gespräche. In der Realität sind die Richter aber immer stärker überlastet.

          Betreuer sind dringend gesucht

          Seit der Einführung im Jahr 1992 ist die Zahl der Betreuungen nach Angaben des Bundesjustizministeriums kontinuierlich gestiegen und erreichte Ende 2014 rund 1,3 Millionen. Die Gerichte müssen dabei nicht nur einen Betreuer auswählen, der bereit ist, sich der Aufgabe anzunehmen. Sie müssen seine Tätigkeit auch überwachen. Er muss regelmäßig Rechenschaft ablegen. Das muss überprüft werden.

          Die Gerichte sind bemüht, Betreuer aus dem Umfeld des Betroffenen zu finden. Sind Ehefrau, Sohn oder Mutter zur Betreuung bereit, dann werden sie in der Regel auch vom Gericht bestellt. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Immer wieder werden Fälle bekannt, wo Richter den Ehepartner für zu alt halten oder die nächsten Verwandten nach Ansicht des Gerichts zu weit weg wohnen. Dann bestellt das Gericht einen professionellen Betreuer, also jemand familienfremden, der dafür auch entlohnt werden muss. Im Jahr 2014 wurden in 51 Prozent der eingerichteten Betreuungen Familienangehörige bestellt, 36 Prozent waren Berufsbetreuer und je rund 6 Prozent ehrenamtliche Fremdbetreuer oder Betreuer von Betreuungsvereinen. Aber selbst wenn ein Betreuer aus dem nächsten Umfeld stammt, unterliegt er einer jährlichen Rechenschaftspflicht gegenüber dem Gericht. Und Gebühren an das Gericht werden auch fällig. Sie betragen meist mehrere hundert Euro.

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