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Vermögensfrage : Angst treibt die Anleger zur Verzweiflung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Im Moment herrscht Panik unter den Anlegern. Im Zockerparadies Börse befürchten viele Inflation und Verlust. Doch die Suche nach sicheren Anlagen ist zum Scheitern verurteilt: Geld ist eine Illusion, Zinsen sind reine Spekulation.

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          Die Nerven vieler Anleger liegen blank. Die Anleihen der Griechen sind in den Augen zahlreicher Investoren nichts mehr wert, einzelne Immobilienfonds verweigern zurzeit die Rücknahme der Anteilscheine, und die Börsenkurse sind auf Berg-und-Tal-Fahrt. Das ist für einzelne Privatleute ein bisschen viel auf einmal. Daher ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen fragen, was sie mit ihrem Vermögen machen sollen, wo es noch Sicherheit gibt und wo stabile Erträge winken. Die Antworten sind einfach, aber hart: Geld ist eine Illusion, es gibt keine Sicherheit, und das Leben wird allen Krisen zum Trotz weitergehen, nur nicht so, wie sich manche Leute vorstellen. Die Probleme werden in folgenden Fall deutlich.

          Ein Ehepaar bringt es in der Summe auf 135 Jahre. Der Mann ist 70 Jahre alt, die Frau ist 65 Jahre jung. Die beiden Anleger sind in mehrfacher Hinsicht angeschlagen. Es geht ihnen gesundheitlich nicht gut. Außerdem haben sie Angst um ihr Kapital. Das Vermögen besteht aus fünf Posten. Auf den Girokonten liegen 200.000 Euro. Die Anleihen - vorrangig Staatspapiere - sind 300.000 Euro wert. Die Rentenanspüche haben einen Kapitalwert von 600.000 Euro. Die Immobilien sind 900.000 Euro wert. Und die Aktien haben einen Wert von 500.000 Euro. Das sind unter dem Strich etwa 2,5 Millionen Euro, so dass für die meisten Menschen kein Anlass zu Angst oder Sorge besteht. Das ist freilich ein großer Irrtum.

          Es ist völlig egal, ob das Vermögen derzeit 25.000 Euro, 250.000 Euro, 2,5 Millionen Euro oder 25 Millionen Euro wert ist. Die Menschen leben in einer Mischung aus Angst und Gier. Im Moment herrscht Panik. Die Ersten haben Angst vor Inflation, die Zweiten haben Furcht vor einer Währungsreform, und die Dritten haben Sorge vor einer Enteignung. Alle müssen erkennen, dass es keine Sicherheit gibt, und diese Erkenntnis raubt vielen Anlegern zurzeit den Schlaf.

          Geld ist eine Illusion

          Das geht dem Ehepaar nicht anders. Seit vielen Wochen beschäftigen sie sich mit der Frage, wie sie ihr Vermögen vor dem Untergang retten sollen. Bargeld und Anleihen gelten im Augenblick als unsicher. Immobilien genießen gewisses Ansehen. Gold steht hoch im Kurs, und bei den Aktien gehen die Meinungen auseinander. Die einen Anleger sind der Ansicht, dass Aktien solide Sachwerte sind, und die anderen Investoren wollen von den Papieren wegen der hohen Schwankungen nichts wissen.

          Der kleinste gemeinsame Nenner der einzelnen Kapitalanlagen ist die Tatsache, dass Geld eine Illusion ist. Das wollen die meisten Menschen freilich nicht wahrhaben, aber es ist nun einmal, wie es ist. Bargeld von 200.000 Euro zum Beispiel sind 4000 Papierzettel, auf denen steht, dass sie 50 Euro wert seien. Was gibt es für diese Noten? Momentan mag es für jeden Schein noch Rindsfilet und Rotwein geben, doch morgen könnten es nur Hackfleisch und Mineralwasser sein. Folglich sind die 200.000 Euro der Glaube an Nahrung im weitesten Sinne des Wortes.

          Auch die drei Liegenschaften sind eine Illusion

          Das ist bei den Anleihen und Renten nicht viel anders. Staatspapiere von 300.000 Euro und Rentenansprüche von 500.000 Euro sind Glaube und Hoffnung, und beide Anlagen stehen zurzeit nichts besonders hoch im Kurs. Es ist im Augenblick egal, ob die Papiere aus Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal kommen. Der Ruf dieser Länder ist angeschlagen. Doch in Deutschland, England oder Frankreich sieht es nicht viel besser aus. Die Länder haben über ihre Verhältnisse gelebt, und die Rentenkassen sind leer, weil der Nachwuchs fehlt. Folglich sind die 300.000 Euro und die 500.000 Euro im Zweifel nichts wert. Damit kann sich das Ehepaar, wenn die Zukunft "schlecht" läuft, schon mal eine Million abschminken.

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