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Die Vermögensfrage : Es gibt ein Leben nach dem Tod

Sein Wille geschehe: Jonathan Winters als W. D. Westmoreland ändert in dem Film „Keine Kohle ohne Braut“ kurzfristig sein Testament. Bild: Ullstein

Zumindest gibt es das für die Erben. Und die zerstreiten sich nicht selten über Zuständigkeiten und den Nachlass, oft schon vor dem Tod des Angehörigen. Testament, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung schaffen Abhilfe.

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          Der buckligen Verwandtschaft nichts und der braven Haushälterin alles: Testamentseröffnungen sind ein beliebter Gegenstand von Filmen. In der Realität fallen sie hingegen meistens aus. Denn nur die wenigsten machen sich die Mühe, in ein paar Zeilen ihren letzten Willen darzulegen. Dabei gibt es zumindest für die Verwandtschaft ein Leben nach dem Tod. Und dies wird durch ein fehlendes Testament nicht unbedingt einfacher. Schließlich hört beim Geld zwar nicht die Verwandtschaft, aber doch der freundliche Umgangston gelegentlich auf.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer wie die meisten Deutschen keinen letzten Willen verfasst, überlässt seinen Nachlass – so klein er auch sein mag – der gesetzlichen Erbfolge. Zunächst sei der Fall einer alleinstehenden Person betrachtet. Dazu zählen auch Personen, die in einer Lebensgemeinschaft leben. Der Lebenspartner gilt, solange keine Eheschließung oder eingetragene Lebenspartnerschaft vorliegt, im Erbrecht als „beliebiger Dritter“, geht also in der gesetzlichen Erbfolge leer aus. In dem Fall erben, falls vorhanden, die eigenen Kinder, ansonsten die eigenen Eltern, eventuell die Geschwister und falls alles nicht vorhanden, Nichten, Neffen oder noch entferntere Verwandte.

          Durch ein Testament kann indes eine andere Erbfolge bestimmt werden. Lebenspartner, Freunde, Nachbarn, das Tierheim, wohltätige Organisationen: Der Erblasser ist frei, wen er zum Erben einsetzt; einzige Bedingung, es müssen Menschen oder juristische Personen wie Vereine, Unternehmen oder die Kirche sein. Das geliebte Haustier kann nicht erben, es können aber Verfügungen getroffen werden, wie mit ihm umzugehen ist.

          Nur eigene Kinder, Eltern und Ehepartner haben einen Pflichtteilsanspruch am Erbe, können also nicht komplett umgangen werden. Selbst Geschwister haben hingegen keinen Pflichtteilanspruch. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Wer im Testament nicht bedacht ist, aber Anspruch auf einen Pflichtteil hat, ist nicht Teil der Erbengemeinschaft. Das ist vor allem beim Vererben von Immobilien relevant. Er kann damit nicht eine Zwangsversteigerung erwirken, um an seinen Pflichtteil zu kommen. Kann der Pflichtteil nicht ausgezahlt werden, besteht die Möglichkeit, eine Stundung zu beantragen.

          Das Testament muss handschriftlich verfasst sein

          „Die Leute machen sich oft keine Gedanken über ihr Erbe“, sagt Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. „Das führt nach ihrem Tod zu bizarren Szenen. Auf der Suche nach entfernten Verwandten müssen Nachlassgerichte Nachforschungen anordnen, es wird ein Nachlasspfleger bestimmt, und in komplizierten Fällen ist der Nachlass über lange Zeit blockiert.“ Wer sein Erbe am Nachlassgericht vorbei zu erlangen versucht, verhält sich rechtsuntreu. „Das Erbe wird dann rückabgewickelt, das ist auch nach Jahrzehnten möglich und kann sehr unangenehm werden.“

          Dabei ist das Verfassen eines letzten Willens keine langwierige, teure oder bürokratische Angelegenheit. Es reicht ein Blatt Papier und ein Stift. Das Testament muss handschriftlich verfasst sein. Ist es selbst von einem Schriftexperten nicht lesbar, so urteilte des Oberlandesgericht Schleswig, ist es kein wirksames Testament. Handschriftlich muss es aber sein und eine Unterschrift tragen. Im Idealfall hat es noch eine Überschrift. „Mein letzter Wille“ oder „Testament“ zum Beispiel und ist mit einem Datum und Ort versehen. Die Unterschrift sollte mit vollständigem Vor- und Nachnamen erfolgen. Gleichwertig dazu ist ein Testament, das von einem Notar abgefasst und von ihm beurkundet wird.

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