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Die Vermögensfrage : Junioren starten mit vier Finanzverträgen ins Berufsleben

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Drum prüfe, wer sich ewig bindet: Die finanziellen Folgen einer Scheidung sind oft verheerend Bild: dpa

Risikovorsorge und Notgroschen sind die besten Grundlagen für den Wohlstand im Alter. Konsum auf Pump und ein Girokonto mit Überziehung bergen dagegen Risiken. Worauf es in jungen Jahren ankommt.

          Politiker in Berlin und den Ländern haben in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, um junge Menschen über den „richtigen“ Umgang mit Geld aufzuklären. Banken, Bausparkassen und Versicherungen müssen schriftliche Protokolle über die Gespräche mit ihren Kunden anfertigen. Die Unternehmen sind verpflichtet, den Privatleuten vor dem Abschluss irgendwelcher Verträge ausführliche Informationsblätter über die Produkte auszuhändigen. Nun wird seit Wochen über die farbliche Kennzeichnung von Finanzprodukten diskutiert.

          Die Anstrengungen sind aller Ehren wert, doch der Nutzen der hektischen Betriebsamkeit steht in den Sternen. Hilft dieser „Aktionismus“ wirklich, vernünftig mit Geld umzugehen? Oder bleiben Bildung und Verstand nicht der beste Schutz vor Pannen und Reinfällen? Wer nicht nachdenkt, sondern zur Abwechslung einmal vordenkt, wird schnell merken, dass es im Leben „normaler“ Menschen, und dazu gehören, auch wenn es nicht schön klingt, mindestens 80 Prozent der Bevölkerung, zwischen dem zwanzigsten und dem achtzigsten Geburtstag sechs Lebensabschnitte gibt, und in jedem Abschnitt reichen wenige Finanzprodukte aus, um entspannt über die Runden zu kommen.

          Der erste Abschnitt ist der Berufseinstieg, die letzte Phase ist der Ruhestand, und dazwischen liegen Berg-und-Tal-Fahrten. Die einen kümmern sich um Ausbildung, halten das Geld zusammen, gründen Familien, kaufen Eigenheime, machen Karriere, bauen Vermögen auf und genießen ihren Ruhestand. Und die anderen feiern Party, geraten in den Schuldenturm, leisten sich Scheidungen, leben zur Miete, bleiben im Beruf bestenfalls Mittelmaß, leben von der Hand in den Mund und merken im Alter, dass die Rente knapp ist.

          Wenn schon Hochzeit, dann wenigstens mit Ehevertrag

          Die finanziellen Lebensläufe sind, das versteht sich von selbst, weder schwarz noch weiß, sondern eine Palette vieler Grautöne. Die Weichen werden in der Jugend gestellt, und die entscheidenden Voraussetzungen für Freiheit und Wohlstand werden in folgendem Beispiel deutlich. Ein junger Mann ist 25 Jahre alt. Er hat Abitur gemacht und danach Geschichte und Politik studiert. Nun hat er einen Master in der Tasche, und er hat Arbeit. Er ist in einem Verlag tätig, und das Bruttogehalt beträgt 2.950 Euro pro Monat. Die Nachricht hätte vor 20 oder 30 Jahren keinen Menschen vom Hocker gerissen, doch heute gehen die Uhren anders. Wer in diesem Alter die Ausbildung abgeschlossen hat, kein Praktikant mehr ist und „richtig“ Geld verdient, steht auf der Sonnenseite des Lebens. Die meisten Abiturienten und Studenten leben im wahrsten Sinne des Wortes in anderen Verhältnissen und Welten.

          Nun stellt sich die Frage, welche Finanzprodukte der junge Mann braucht. Die Antwort ist einfach, doch um diese Bemerkung zu verstehen, ist ein kleiner Ausflug in die Welt der Abgaben nötig. Der junge Meister erhält zwölf Bruttogehälter von jeweils 2.950 Euro. Die Lohnsteuer in Klasse I beträgt 443 Euro. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 24 Euro und die Kirchensteuer von 40 Euro. Die Krankenversicherung und die Pflegeversicherung schlagen mit 242 und 38 Euro zu Buche. Abgerundet wird das Paket der Sozialabgaben mit der Rentenversicherung (279 Euro) und der Arbeitslosenversicherung (44 Euro). Das führt unter dem Strich zu einem Nettogehalt von 1.840 Euro pro Monat.

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