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Qualität sichern : Warum die Finanzberatung klare Ausbildungsstandards braucht

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„Ich glaube, unser Finanzberater ist ein Märchenonkel...“ Bild: Kai

Der Bundestag hat ein Gesetz zum Berufsbild des Honorarberaters beschlossen. Die Qualität in der Finanzberatung lässt sich aber nur mit Hilfe solider Ausbildung steigern. Die Frage der Entlohnung ist von nachrangiger Bedeutung.

          Die Finanzberatung in Banken, Bausparkassen und Versicherungen bleibt ein heißes Eisen. Gesetzgeber, Finanzaufsicht und Gerichte haben in den vergangenen Jahren viele Anläufe unternommen, um die Qualität der Beratung zu verbessern. Leider ist der Nutzen gering, weil nur Auswüchse bekämpft worden sind. Das grundlegende Übel, dass es in Deutschland keine geregelte Ausbildung für Finanzberater gibt, besteht weiterhin. Daran wird auch das Honorar-Anlage-Beratungs-Gesetz, das der Bundestag im April 2013 verabschiedet hat, nichts ändern.

          In dem Gesetz gibt es die rechtliche Möglichkeit, dass in Zukunft zwei Formen der Finanzberatung möglich sind. Das ist auf der einen Seite die Finanzberatung auf Provisionsbasis, und das ist auf der anderen Seite die Finanzberatung auf Honorarbasis. Folglich hat sich der Gesetzgeber mit der Frage beschäftigt, wie Finanzberater in Zukunft bezahlt werden können. Das eigentliche Problem, dass die Qualität der Finanzberatung in vielen Fällen mangelhaft ist, weil die Berater keine Ausbildung haben, bleibt weiterhin ungelöst. Um dieses Problem schleicht der Gesetzgeber seit Jahrzehnten herum wie die Katze um den heißen Brei.

          Die Finanzberatung auf Honorarbasis wird sich in Deutschland nach Ansicht von Fachleuten trotz gesetzlicher Verankerung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durchsetzen. Das liegt in erster Linie am Geiz vieler Privatleute. Freiberufler von „A“ wie Anwalt bis „Z“ wie Zahnarzt klagen schon seit Jahrzehnten darüber, dass sich viele Bürger mit Händen und Füßen dagegen sträuben, für Beratung und Umsetzung angemessene Honorare zu bezahlen. Die Liste der Belege ist lang. Der Anwalt wird in Anspruch genommen, weil die Rechtsschutzversicherung zahlt. Der Heilpraktiker wird aber geschnitten, weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt. Der Notar ist Gesetz. Und der Steuerberater wird entlohnt, weil die Menschen in der Regel keine Lust haben, sich zwei oder drei Wochenenden mit dem Ausfüllen von Steuerformularen herumzuschlagen.

          Die neutrale Beratung ist nur auf Honorarbasis möglich

          Geld mag für viele Menschen eine besondere Ware sein, doch angesichts der „notorischen“ Unlust, für finanzielle Aufklärung angemessene Preise zu bezahlen, ist es ein Unding, von Banken, Bausparkassen, Investmentgesellschaften und Versicherern, genauso aber auch von Geldwechslern und Vermittlern, besonderes Wohlverhalten zu verlangen. Die Unternehmen sind keine Samariter, sondern Firmen, die auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Das ist im Handel oder in der Industrie nicht anders. Wer zu Aldi geht, darf nicht erwarten, zu Edeka geschickt zu werden, weil die Salami dort zur Zeit 50 Cent billiger ist. Wer bei Mercedes vorbeischaut, erhält garantiert keinen Hinweis, dass die Autos von Audi oder BMW unter Umständen besser sind. Warum sollte das im Geldgewerbe anders sein?

          In Deutschland gibt es seit Jahr und Tag drei Beratungsformen, wenn es um Geld geht. Die größte Bedeutung hat die traditionelle Anlage-, Finanz- und Vermögensberatung. Hier treffen sich zwei Parteien zu „kostenlosen“ und „unverbindlichen“ Gesprächen. Damit ist diese Beratung in Wirklichkeit aber gar keine Beratung, sondern ein Verkaufsgespräch, in dem es um den Abschluss eines Geschäftes geht.

          Die neutrale Beratung, die sich so viele Anleger wünschen, ist nur auf Honorarbasis möglich. Anwälte, Rentenexperten und Steuerberater schließen mit ihren Mandanten individuelle Dienstleistungs- oder Werkverträge ab. Grundlage dieser Vereinbarungen sind die Paragraphen 611 und 631 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Darin verpflichten sich die Berater, bestimmte Leistungen oder Werke zu erbringen. Gleichzeitig versprechen sie ihren Mandanten, ausschließlich deren Interessen zu vertreten.

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