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Die Vermögensfrage : Männer sollten ihre Rente selbst organisieren

  • -Aktualisiert am

Die Deutschen werden immer älter. Doch reicht auch die Rente? Bild: plainpicture/Westend61

Sofortrenten kann man kaufen. Doch auch die günstigsten Versicherer kalkulieren mit Magerzinsen und müssen dabei ihre Kosten decken. Deshalb ist die selbstgestrickte Rente heute fast immer die bessere Lösung.

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          Es gibt ärgerlichere Themen als dieses: Da liegt sie nun, die so lange angesparte Ablaufleistung der Lebensversicherung, und harrt ihrer Verwendung. Und nun? Natürlich hat der Versicherer sogleich eine Rentenversicherung im Angebot, die aus der großen Summe viele kleine Beträge macht, das dann aber lebenslänglich.

          Aber es gibt ja auch die Möglichkeit, das Geld selbst anzulegen und systematisch zu entsparen. Dass diese Möglichkeit keine Kosten frisst, ist klar. Und dass die Versicherer mit ihren Zinsen immer tiefer in den Keller rutschen und vom wenigen, das sie erwirtschaften, zuerst ihre Altkunden bedienen müssen, steht auch außer Frage. Für neue Rentenversicherungen lässt das Böses erwarten. Viel spricht also für die selbstgestrickte Rente. Wäre da nicht die grässliche Frage nach der Lebenserwartung. Über wie viele Jahre sollte denn sinnvollerweise entspart werden? Kalkulatorisch, wohlgemerkt.

          Sieben Jahre länger

          Da fügt es sich, dass jedermann im Internet seine Restlaufzeit aufs Komma genau erfahren kann. Das ewige Leben liegt so nahe, die Versicherer machen es möglich. Schon darf geraten werden, wie alt man wohl wird. Und kaum, dass man das eigene Ende zum Beispiel für das 83. Lebensjahr erwartet und dem Rechner Geschlecht und den Jahrgang 1951 verraten hat, lebt man 87,7 Jahre.

          „Den meisten Menschen“, dozieren die deutschen Versicherer sogleich, „geht es wie Ihnen – sie unterschätzen das Alter, das sie statistisch gesehen erreichen werden. Und zwar durchschnittlich um sieben Jahre: sieben Jahre, aus denen man viel machen kann.“ Vorzugsweise, so die Botschaft, wohl mit Hilfe derer, die die Lebenserwartung so trefflich zu beurteilen wissen.

          Höhere selbstgestrickte Rente als bei Versicherern

          Nun gibt es aber auch noch Behörden, die sich mit der Lebenserwartung auskennen. Zum Beispiel das Statistische Bundesamt. Und dessen Daten sehen nicht ganz so lieblich aus wie die der Versicherer. Anfang März dieses Jahres legte das Amt neue Zahlen für die Sterblichkeit in Deutschland vor. Und siehe da, der 65 Jahre alte Mann lebt nach der aktuellen „Sterbetafel“ noch 17,7 Jahre. 82,7 und nicht 87,7 Jahre, so sieht es im Moment aus.

          Aber es gibt da einen Trend, der die Lebenserwartung von Jahr zu Jahr etwas erhöht. Für die 65-jährigen Männer in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise um 1,4 Jahre. Diesen Trend kann man berücksichtigen. Auch das macht das Statistische Bundesamt. Seine Werte heißen dann „Modellrechnung der Generationensterbetafeln 1896 bis 2009“ und sehen ein bisschen rosiger aus: Für den 65-Jährigen ergibt sich dann eine Lebenserwartung von 19,3 Jahren und damit ein Endalter von 84,3 Jahren. Das ist deutlich weniger als das, was der Rechner der Versicherer so orakelt, kann aber durchaus als amtlicher Hinweis darauf verstanden werden, welche Fristen für einen männlichen Anleger so gelten. Gleiches gilt für Frauen.

          Bild: F.A.Z.

          Sofortrente selbst organsiert oder vom Versicherer? Die offiziellen Zahlen helfen in einem Punkt schnell weiter. Frauen leben länger als Männer. Männer dürfen ihre Eigenrente deshalb auf etwas weniger Jahre anlegen. Sie wird damit immer höher sein als die genauso sorgsam kalkulierte Rente für gleichaltrige Frauen. Bei den Versicherern gelten dagegen geschlechtsneutrale Tarife. Diese Tarife begünstigen Frauen und benachteiligen Männer. Das kann man sich merken. Die Erkenntnis hilft im Einzelfall aber noch nicht richtig weiter. Dasselbe gilt für die Erkenntnis, dass Versicherer gerne auf die extralange Lebenserwartung ihrer Versicherten hinweisen und auch entsprechend kalkulieren.

          Klarer wird das Bild, wenn das Angebot eines kostengünstigen Rentenversicherers, zum Beispiel der Europa Lebensversicherung AG, mit einer selbstgestrickten Rente verglichen wird. Natürlich gibt es Unterschiede in Fragen der Sicherheit: Der Versicherer garantiert einen Teil der Rente lebenslänglich. Das kann der eigene Entnahmeplan nicht.

          Teure Versicherungsleistungen

          Dafür bleibt bei ihm beim frühen Tod des Anlegers immer etwas Geld übrig. Beim Rentenversicherer nicht. Es sei denn, es wird vorher so vereinbart. Die Branche spricht in diesem Fall etwas schönfärbend von „Kapitalrückgewähr“, obwohl es nie das ganze Kapital zurückgibt sondern nur das eingezahlte Geld abzüglich der bereits gezahlten Renten. Diese Art Lebensversicherung mit fallender Summe ist nicht ganz preiswert und mindert die mögliche Monatsrente erheblich.

          Der Vergleich: Welche Monatsrente bekommen ein 65-jähriger Mann und eine 70-jährige Frau bei der Europa Lebensversicherung für 50.000 Euro? Eine Kapitalrückgewähr soll nicht vereinbart werden. Die derzeit garantierten und die nichtgarantierten Renten werden mit den monatlichen Entnahmen verglichen, die sich bei bestimmten Zinssätzen ermöglichen lassen. Für den 65-Jährigen wird eine Lebenserwartung von 20 Jahren, für die 70-Jährige eine von 18 Jahren angenommen, also etwas mehr als in der Modellrechnung der amtlichen Statistik.

          Bild: F.A.Z.

          Der Vergleich zeigt schnell: Für Männer ist die selbstgestrickte Rente schnell höher als die des guten Rentenversicherers. Hier reicht schon eine Verzinsung der Anlagesumme von 1 Prozent, um für die relevante Lebenserwartung das nicht einmal garantierte Angebot des Rentenversicherers zu übertreffen. Um nur die garantierte Rente zu übertreffen bedarf es überhaupt keiner Anlagekunst: Selbst ohne Zinsen reicht das Kapital für eine deutlich höhere Rente. Bei teureren Anbietern endet der Vergleich schneller zu Ungunsten der Versicherer.

          Bei Frauen bedarf es schon etwas größeren Anlagegeschicks, um die nichtgarantierte Rente des Versicherers zu übertreffen. Doch bei dauerhaften 2 Prozent Zinsen kann die monatliche Entnahme bereits höher ausfallen, ohne dass mit der Lebenserwartung leichtfertig umgegangen werden muss.

          „Kapitalrückgewähr ab Rentenbeginn“

          Ein bisschen werden hier natürlich Äpfel und Birnen verglichen: Ist der Zins vereinbart, ist die selbstorganisierte Rente garantiert. Für den nichtgarantierten Teil der Rente vom Versicherer darf ohne große Kühnheit angenommen werden, dass er im Verlauf der Jahre kleiner werden wird. Dazu sinken die Zinsen aller Versicherer derzeit zu schnell. Außerdem setzt die höhere Rente der Europa erst nach vier Jahren ein. Bei frühzeitigem Tod bleibt bei den Versicherern in dieser Vertragsvariante nichts übrig.

          Das sieht auf dem eigenen Konto alles ganz anders aus. Dafür gibt es die Zusatzrente der Versicherer wirklich lebenslänglich.Das zweite Modell: Für beide Anleger werden die Beträge verglichen, die bei ihrem Tod für die Angehörigen bleiben. Das setzt natürlich die „Kapitalrückgewähr ab Rentenbeginn“ als Vertragsvariante der Rentenversicherung voraus.

          Bild: F.A.Z.

          Die Tabelle verdeutlicht schnell: Die sogenannte Kapitalrückgewähr der Versicherer ist sehr teuer. Die dadurch verursachte Rentenkürzung liegt beim 65-Jährigen über 20 Euro und bei der 70-Jährigen um 40 Euro – pro Monat, wohlgemerkt. Bei der selbstgestrickten Rente ist sie kostenfrei. Und wer sich dann zum Beispiel mit den Garantiebeträgen der Versicherer bescheidet, erhält mit der selbstorganisierten Rente auch bei niedrigen Zinsen ansehnliche Beträge für die Hinterbliebenen. Selbst dann noch, wenn er seine Lebenserwartung um fünf Jahre übertrifft.

          Alle Angaben sind vor Steuern. Tatsächlich spielen Steuern bei den Summen der Beispiele keine so große Rolle. Bei der selbstgestrickten Rente gelten die üblichen Regeln: Wenn der Freibetrag ausgeschöpft ist, verschwinden an der Quelle 26,375 Prozent der Zinsen. Das klingt schrecklich, bleibt aber in seiner Wirkung bei niedrigen Zinsen eher übersichtlich: Der 65-Jährige verliert von seiner Rente über 20 Jahre bei einem Zinssatz von zwei Prozent 12 Euro im Monat.

          Auch bei der Rente vom Versicherer hält sich der Zugriff des Fiskus in Grenzen. Zu versteuern sind nur die sogenannten Ertragsanteile der Rente. Das sind in beiden Beispielen monatlich rund 40 Euro. Die darauf fälligen Steuern dürften in den meisten Fällen dem Abzug beim Entnahmeplan entsprechen. Die Steuer verändert wenig am Ergebnis: Die selbstgestrickte Rente ist die bessere Entscheidung. Besonders für Männer.

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