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Die Vermögensfrage : Weihnachten ist die Hochzeit von Mord und Totschlag

  • -Aktualisiert am

So können Familienkonflikte an Weihnachten auch enden: der kleine Lord und sein Großvater Bild: ddp Images

Die gefährlichste Zeit im Jahr - in vielen Haushalten liegen die Nerven blank, weil Besitz und Geld zu endlosen Debatten und Streitereien führen.

          Der Heilige Abend soll auch in diesem Jahr das Fest der Liebe sein. In Wirklichkeit ist Weihnachten aber, wie Feuerwehrleute, Notärzte, Pastoren, Polizisten und Psychologen zu berichten wissen, die Hochzeit von Mord und Totschlag. In vielen Haushalten liegen die Nerven blank, weil Weihnachten familiäre „Gerichtsverhandlungen“ sind.

          Die einzelnen Mitglieder – heute über Regionen und Länder verstreut – kommen angefressen und genervt zur obligatorischen Hauptversammlung der Stämme zusammen, und dort werden zwischen Gans und Truthahn viele Rechnungen beglichen. Wie war das Jahr? Was ist gut gelaufen? Was ist schiefgegangen? Wer hat über die Stränge geschlagen? Wer trägt die Schuld? Wer muss in diesem Jahr zur Strafe in den Keller?

          Geld spielt in dieser Atmosphäre eine besondere Rolle, weil es Fluch und Segen zugleich ist. Falls das Geld knapp ist, bleiben viele Wünsche unerfüllt. Das führt zu Enttäuschungen. Nicht anders ist das bei den „verrückten“ Typen, die vor Tagen bei Sparkassen in Berlin oder Dresden einen „Weihnachtskredit“ von 5000 Euro aufgenommen haben, um ihren Bekannten und Verwandten nächste Woche mit Geschenken zu imponieren, die sie sich in Wahrheit überhaupt nicht leisten können. Der freundliche Dienst am „Nächsten“ kostet in diesem Jahr nur 7 Prozent, doch wenn die Geschenke nicht auf Gegenliebe stoßen, werden die 48 Raten von jeweils 120 Euro in den nächsten Jahren heftigste Schmerzen auslösen.

          Wenn genügend Geld vorhanden ist, mögen viele Wünsche erfüllbar sein, doch die Sorgen sind in der Regel nicht kleiner. Was wird mit dem Geld passieren? Wird es ein Leben nach dem Zins geben, und wenn ja, wie sieht diese Zukunft aus? Wie kann das Kapital vor der Entwertung bewahrt werden? Wie soll das Vermögen nach dem jüngsten Urteil des Bundesgerichtshofes über die Erbschaftsteuer vor Dieben und Wegelagerern geschützt werden? Die ehrliche Antwort wird in allen Fällen lauten, dass es im Leben weder Schutz noch Sicherheit gibt. Die Menschen sind nicht nur vor Gericht und auf hoher See, sondern auch beim Umgang mit Banken, Bausparkassen, Finanzämtern und Versicherungen auf den Zuspruch höherer Mächte angewiesen.

          Geldanlagen ohne Überschüsse kein Thema

          Gleichwohl kann die Besinnung von Nutzen sein, dass alle Menschen nur vier „Dinge“ und bestenfalls zehn „Verträge“ brauchen, um ohne Blessuren durchs Leben zu kommen. Die vier Grundlagen des Lebens sind Gesundheit, Bildung, Liebe und Arbeit, und die zehn Zutaten sind Girokonto, Sparbuch, Privathaftpflichtversicherung, Krankenkasse, Erwerbsunfähigkeitsrente, Hinterbliebenenvorsorge, Eigenheimkredit, Anleihen, Immobilien und Aktien. Mehr ist in der Regel nicht nötig, doch die Bereitschaft zur finanziellen Kehrwoche hält sich nicht nur in Schwaben in engen Grenzen.

          Geldanlagen sind bei nüchterner Betrachtung der Dinge in vielen Haushalten gar kein Thema, weil kaum Überschüsse vorhanden sind. Stattdessen sollten sich mehr Menschen mit den Sachen beschäftigen, auf die es im Leben wirklich ankommt. Die Bürger sind auf Gesundheit angewiesen. Jeder weiß das, doch nur wenige Menschen folgen der Erkenntnis. Die Hälfte essen, ein Viertel trinken und die doppelte Bewegung bewirken Wunder, auch in der Weihnachtszeit.

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