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Die Vermögensfrage : Rürup-Rente lohnt sich für ältere Besserverdiener

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Gut, wenn für das Alter richtig vorgesorgt wurde: Rentner genießen den Ruhestand auf der Nordseeinsel Föhr Bild: Norbert Eisele-Hein / VISUM

Verbraucherschützer lassen an der Rürup-Rente kein gutes Haar. Dabei lohnt es sich aus steuerlicher Sicht sehr wohl, einen Blick auf diese staatlich geförderten Altersvorsorge zu werfen.

          An der staatlich geförderten Altersvorsorge Rürup und Riester haben Verbraucherschützer kein gutes Haar gelassen. Zu teuer seien die Verträge – sie würden sich allenfalls für die Finanzindustrie rechnen, die mit horrenden Abschluss- und Verwaltungskosten in erster Linie die eigenen Taschen fülle. Doch aller Kritik zum Trotz: Es lohnt, aus steuerlicher Sicht einen Blick auf die viel gescholtene Rürup- Rente zu werfen. Für Besserverdiener – insbesondere jenseits der 50 – kann sich ein solcher Vertrag durchaus rechnen. Denn diese Gruppe profitiert von einer ansehnlichen Steuerersparnis. Zudem wird die Rente ein Leben lang gezahlt, ganz gleich, welch gesegnetes Alter der Anleger auch erreichen mag.

          Die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, hat der Gesetzgeber 2005 eingeführt, damit auch Selbstständige staatlich gefördert für das Alter vorsorgen können. Namensgeber der Rürup-Rente ist Professor Bert Rürup. Er war Vorsitzender der Kommission für Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme unter der Regierung von Gerhard Schröder. Vorbild bei der Konstruktion bot die gesetzliche Rente, nur ist die Basisrente nicht umlagefinanziert. Die Beschränkungen sind jedoch ähnlich.

          Wie die gesetzliche Rente darf eine Basisrente nicht auf einen Schlag ausgezahlt werden. Sie kann zudem weder vererbt noch übertragen oder veräußert werden. Im Klartext: Der Anleger kommt an das eingezahlte Geld frühestens ab dem 60. Lebensjahr – und dann auch nur in Form einer lebenslangen monatlichen Rente. Vorsorgesparern, die den Vertrag nach dem 31. Dezember 2011 unterschrieben haben, wird die Leibrente nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres ausgezahlt. Wer seine Hinterbliebenen an den Ersparnissen beteiligen möchte, muss eine entsprechende Hinterbliebenenabsicherung abschließen, doch das kostet. Hinterbliebene sind zudem nur der Ehepartner und Kinder, für die Anspruch auf Kindergeld besteht.

          Das sind ganz schön viele Kröten, die der Vorsorgesparer zu schlucken hat. Doch anders als bei der gesetzlichen Rente haben Selbstständige die Wahl, wem sie ihr Geld anvertrauen und ob sie überhaupt in die Altersvorsorge investieren. Den Restriktionen der Rürup-Rente wohnt auch ein Vorteil inne: Anleger kommen nicht in Versuchung, das für die Altersvorsorge gedachte Geld für einen Urlaub auf Bali oder einen Sportwagen auszugeben. Sie kommen nicht an ihr Geld. Der Staat und Gläubiger im Übrigen auch nicht.

          Erheblich weniger Steuern

          Wer die vom Gesetzgeber auferlegten Beschränkungen in Kauf nimmt, viel Steuern zahlt und Geld übrig hat, sollte sich mit dieser Vorsorgeform näher beschäftigen. Denn in der Sparphase begünstigt der Staat den Vorsorgeeifer seiner Bürger mit Steuervorteilen. Anleger können 2015 ihre Einzahlungen in die Rürup-Rente zu 80 Prozent als Sonderausgaben in der Steuererklärung verrechnen, maximal 17.738 (Ehepaare: 35.476 Euro) und damit 80 Prozent des von der Regierung definierten Höchstbetrags von 22.172 (44.344 Euro).

          Seit diesem Jahr ist der Höchstbetrag dynamisch an den Höchstbeitrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt. Erhöhen sich Beitrag oder/und Beitragsbemessungsgrenze, passt sich der maximal abzugsfähige Betrag der Rürup-Rente entsprechend an. Zudem steigt der absetzbare Prozentsatz der Einzahlungen in den kommenden Jahren nach und nach, bis Rürup-Sparer ab 2025 den dann geltenden Höchstbetrag zu 100 Prozent steuerlich geltend machen können.

          Nehmen wir als Beispiel ein betuchtes Arztehepaar. Der Mann hat ein Einkommen von 120.000 Euro und zahlt in ein berufsständisches Versorgungswerk ein. Nun überlegt er, zusätzlich eine Basisrente abzuschließen. Dabei muss der Arzt berücksichtigen, dass er schon seine Einzahlungen ins Versorgungswerk als Sonderausgaben steuerlich geltend macht. Daher kann nur die Differenz zwischen seinen Einzahlungen ins Versorgungswerk und dem Höchstbetrag steuerlich angerechnet werden. Doch dazu später mehr. Die Ehefrau hat kein Einkommen. Das Ehepaar kann 2015 80 Prozent der Einzahlungen in das Versorgungswerk und die Rürup-Rente als Sonderausgaben in der Steuererklärung verrechnen, aber maximal 35.476 Euro.

          Der 62jährige entscheidet, jährlich 30.000 Euro in einen Rürup-Vertrag einzuzahlen und zwar über die Dauer von drei Jahren. Vera Moll, Partnerin bei Novethos Financial Partners, rechnet vor: Im ersten Jahr kann er 80 Prozent seiner Einzahlung, also 24.000 Euro, über die Steuererklärung als Sonderausgaben verrechnen. Das ergibt eine Steuerersparnis von 10.328,50 Euro. 2016 akzeptieren die Finanzbeamten 82 Prozent und 2017 dann 84 Prozent der Einzahlungen. Macht summa summarum in den drei Jahren eine Steuerersparnis von insgesamt 31.641,53 Euro. Somit übernimmt der Staat 35,2 Prozent der Einzahlungen in die Basisrente (siehe Tabelle). Für alle Berechnungen wurden die aktuell geltenden steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zugrunde gelegt und unterstellt, dass diese auch in der Zukunft gültig sind. Sie können sich jedoch in Zukunft ändern.

          Je geringer das Einkommen, desto geringer die Ersparnis

          Doch die Steuerersparnis in der Sparphase ist nur eine Seite der Medaille. In der Auszahlungsphase holt sich der Staat einen Teil der Förderung wieder zurück. Der Vorsorgesparer muss Steuern zahlen. Welchen Anteil der Rente der Anleger steuerlich veranschlagen muss, richtet sich danach, in welchem Jahr er sich die Basisrente erstmals auszahlen lässt. In diesem Punkt ist der Anleger weitgehend flexibel. Der Gesetzgeber sieht lediglich eine Mindestaltersgrenze von 60 beziehungsweise 62 Jahren vor. Anleger, die in diesem Jahr eine erste Rentenzahlung erhalten, müssen 70 Prozent der Auszahlungen versteuern. Der zu versteuernde Anteil steigt von Rentnerjahrgang zu Rentnerjahrgang. Wer sich 2040 oder später zur Ruhe setzt, muss die kompletten Auszahlungen versteuern.

          Die nachgelagerte Besteuerung ist für den Arzt in unserem Beispiel nicht von Nachteil. In seinem Fall erübrigt sich sogar der Hinweis, dass der Steuersatz im Alter wegen der dann schrumpfenden Einkünfte in der Regel geringer ausfällt. Ab 2018 erhält er, sofern er das Geld in eine klassische Rentenversicherung investiert, eine garantierte Rente von 280 bis 290 Euro. Kalkuliert er eine Überschussbeteiligung mit ein, kann er laut Vermögensberaterin Moll mit einer monatlichen Rente von 400 Euro rechnen. Fair wäre natürlich, der Arzt würde den Vertrag für seine Frau abschließen.

          Die Auszahlungen aus seiner Basisrente muss der Arzt steuerlich veranschlagen. Da er 2018 erstmals eine Rentenzahlung erhält, beläuft sich der steuerpflichtige Anteil auf 76 Prozent. An den Einzahlungen konnte der Arzt den Staat mit 80, 82 und 84 Prozent beteiligen. Ein gutes Geschäft also.

          Was für den älteren Besserverdiener von Vorteil ist, gereicht dem jungen Sparer zum Nachteil, insbesondere, wenn seine Einkünfte nicht allzu hoch ausfallen. Denn je geringer das zu versteuernde Einkommen, umso geringer die Steuerersparnis (siehe Tabelle). Auch kann der junge Selbstständige das Finanzamt bis 2025 nur an einem Teil seiner Einzahlungen beteiligen. Im laufenden Jahr wären das 80 Prozent. Wenn er sich 2040 zur Ruhe setzt, muss er jedoch 100 Prozent der Auszahlungen steuerlich veranschlagen. Zwar ist die Steuerlast wegen der geringeren Einkünfte im Alter in der Regel geringer. Nichtsdestotrotz fällt die Berechnung deutlich ungünstiger aus als bei unserem betuchten älteren Arzt.

          Entspricht eine Basisrente den Zielen des Anlegers?

          Ob es rechtens ist, dass die Einzahlungen in die Basisrente nur bis zu einem bestimmten Betrag als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden können, müssen die Gerichte klären. Die Richter des Bundesfinanzhofs sahen in mehreren Verfahren keine verfassungsrechtlichen Bedenken, dass die Beiträge zur Rentenversicherung nur begrenzt als Sonderausgaben und nicht als Werbungskosten verrechnet werden können. Nun muss das Bundesverfassungsgericht urteilen.

          Eine Besonderheit ergibt sich bei Selbstständigen, die in Versorgungswerke einzahlen sowie für Arbeitnehmer oder Beamte, die über eine Rürup-Rente nachdenken. Sie müssen wie der Arzt in unserem Beispiel beachten, dass ihre mögliche Steuerersparnis in der Regel geringer ausfällt. Denn beim absetzbaren Höchstbetrag berücksichtigen die Finanzämter auch die Einzahlungen in Versorgungswerke sowie den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil, der in die gesetzliche Rente fließt. Bei Beamten werden fiktive Beiträge angerechnet. Die Folge: der steuerliche Spielraum fällt entsprechend kleiner aus.

          Ein Beispiel: Ein Selbstständiger, der 60.000 Euro verdient und ausschließlich mit der Basisrente fürs Alter vorsorgt, zahlt im laufenden Jahr den vom Gesetzgeber vorgegebenen Höchstbetrag von 22.172 Euro in seinen Vertrag ein. Davon akzeptieren die Finanzbeamten 80 Prozent, also 17.738 Euro. Ein Angestellter mit dem gleichen Verdienst muss 11.220 Euro in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Daher bleiben bis zum Höchstbetrag von 22.172 nur noch 10.952 Euro, die steuermindernd in die Basisrente investiert werden können, rechnet Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine vor (siehe Tabelle).

          In erster Linie sollten sich Anleger abgesehen von der Steuerersparnis fragen, ob eine Basisrente ihren Zielen entspricht. Wer sich gerne zu Beginn seines Ruhestands Kapital auszahlen lassen möchte, sollte von der Rürup-Rente die Finger lassen. Wer nicht weiß, ob er bis zum Ruhestand durchhält, ebenso. Die Basisrente gibt es in Gestalt von Rentenversicherungen, fondsgebundenen Rentenversicherungen und Fonds. Zudem bieten die Anbieter Extras wie eine Hinterbliebenenabsicherung oder eine Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung an. Solange nicht mehr als 50 Prozent des Gesamtbeitrags auf die Zusatzabsicherungen fallen, können die Sparer das Finanzamt an den Einzahlungen beteiligen. Seit 2014 werden auch reine Berufsunfähigkeits- und Erwerbsminderungsrenten gefördert.

          Wer Flexibilität sucht, benötigt eine Alternative

          Doch wie überall im Leben sollte jedem klar sein, dass solche Extras Geld kosten. Wenn es an vielen Wurstständen nicht einmal den Senf umsonst gibt, wird die Absicherung der Hinterbliebenen die Rente im Alter entsprechend schmälern. Es ist zudem töricht, die Altersvorsorge mit einer Berufsunfähigkeitspolice zu kombinieren. Bei allem Elan, die Steuerlast zu senken, sollte hier Schluss sein. Auch wenn sich der Staat über eine Basisrente an den Einzahlungen in eine Berufsunfähigkeitsversicherung beteiligen lässt, so gilt auch hier die eherne Regel: Risikoabsicherung und Sparen sind strikt zu trennen.

          Die Bundesbürger investieren viel Zeit in die Suche nach einer neuen Küche. Etliche Händler werden abgeklappert, das Internet durchforstet: Immer auf der Suche nach einem Schnäppchen. Schön wäre, wenn die Verbraucher einen Bruchteil der Zeit in die Auswahl eines passenden Altersvorsorge-Produkts investierten. Ende 2014 haben beispielsweise die Experten von Finanztest 47 Angebote für eine Rürup-Rentenversicherung unter die Lupe genommen. Der Modellkunde der Warentester zahlt 27 Jahre 6000 Euro Jahr für Jahr in seinen Vertrag ein. Im besten Fall erhält er 758 Euro im Alter garantiert, im schlechtesten 588 Euro. Ein Unterschied von 170 Euro im Monat oder 2040 Euro im Jahr.

          Die Rürup-Rente ist ein Steuersparmodell, das sich insbesondere für ältere Besserverdiener rechnet. Wer wenig verdient oder auf Flexibilität Wert legt, sollte sich auf dem Markt nach Alternativen umsehen. Und wer schon etwas älter ist und jenseits von Rürup Steuern sparen möchte, kann auch etwas machen, was lange Zeit bei vielen als unattraktiv galt: Er kann sich bei der gesetzlichen Rentenversicherung erkundigen, was freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rente unterm Strich bringen. Denn die Steuerregeln für Rürup gelten auch für die gesetzliche Rente.

          Die Autorin ist Professorin für Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Neu-Ulm.

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