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Die Vermögensfrage : Wenn das Gesetz das Erbe regelt

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Aus dem Film „Heimat ist kein Ort“: Während der Testamentsöffnung trauen die Erben ihren Ohren nicht. Bild: ARD Degeto/Arvid Uhlig

Der Single mit nichtehelichem Kind, ein Paar mit Nichten und Neffen oder die moderne Patchwork-Familie: Wir zeigen, wer nach dem Gesetz erben kann.

          Das Thema Erben ist wegen der älter werdenden Bevölkerung in vielerlei Hinsicht von Bedeutung, insbesondere in finanzieller. Im Jahr 2013 haben die Erbschaften in Deutschland einen Rekordwert von 254 Milliarden Euro erreicht. Nach Schätzungen soll dieser Wert im Jahr 2020 auf 330 Milliarden Euro steigen.

          Deshalb beschäftigen sich auch Finanzberater vermehrt mit der Thematik. Unter Begriffen wie Erbschafts-Planung, Nachfolgeplanung und Generationen-Beratung werden Dienstleistungen angeboten, die den Umgang mit komplexen Sachverhalten, vornehmlich für den Erblasser, strukturieren sollen. Seit einigen Jahren werden auch spezielle Weiterbildungen zum Erbschafts-Planer oder Generationen-Berater angeboten. Die Inhalte sind ähnlich, mit unterschiedlichem Tiefgang und Prüfungsanforderungen.

          Die Beratung in Sachen Vermögens- oder Unternehmens-Nachfolge hat in jedem Fall vier Ebenen: eine rechtliche, eine steuerliche, eine wirtschaftliche und eine soziale Ebene. Die Schwierigkeit besteht darin, dass diese Ebenen nicht jede für sich betrachtet werden können. Jede Entscheidung beeinflusst die anderen. Die Bedeutung und Tragweite von Entscheidungen in der Erbschafts-Planung ist natürlich abhängig von den Familienverhältnissen, der Höhe des Vermögens, der Vermögensstruktur und ganz besonders davon, ob neben dem Privatvermögen auch Unternehmen oder Unternehmensteile zu vererben sind.

          Wenn man sich Gedanken über die Vermögens-Nachfolge macht, wird oft an eine mögliche Belastung durch die Erbschaftsteuer beziehungsweise ihre Vermeidung gedacht. Tatsächlich spielt wegen der Freigrenzen die Steuer in der weit überwiegenden Zahl der Erbfälle keine Rolle. Eine viel größere Rolle spielt für den Erblasser mit mehreren Erben meist, eine gerechte Aufteilung zu erreichen. Was heißt „gerechte Erbaufteilung“?

          Bei drei erwachsenen Kindern, die selbst schon Familie haben, lässt sich das Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche schlecht aufteilen. Hier kann Beratung durch einen versierten Erbschafts-Planer sinnvoll sein. Zum einen sind die unterschiedlichen Vermögensgegenstände aktuell zu bewerten und eine plausible Extrapolation möglicher Wertentwicklungen vorzunehmen.

          Zum anderen wäre es sinnvoll - wenn die Familienverhältnisse so offen sind -, die aktuelle Situation der Kinder planerisch miteinzubeziehen. Welches der Kinder schon ein eigenes Haus besitzt, wird gegebenenfalls auf das Eigenheim keinen Wert legen und lieber andere Vermögenswerte übernehmen. Wenn die gewünschte Erbaufteilung ermittelt wurde, kann der Wille des Erblasser, dann auf der rechtlichen Ebene in einem Testament dingfest gemacht werden.

          Nachdem repräsentative Umfragen und Studien zu dem Ergebnis kommen, dass nur etwa ein Drittel der Deutschen ein Testament aufgesetzt hat, ist diese vorausschauende Vorgehensweise wohl eher selten. Ist der letzte Wille nicht bekannt, gilt die gesetzliche Erbfolge.

          Die gesetzliche Erbfolge unterteilt die Erben in Ordnungen, die das Verwandtschaftsverhältnis des Erben zum Erblasser widerspiegeln. Zu den Erben erster Ordnung zählen die eigenen Kinder, wobei nicht mehr unterschieden wird, ob es sich um eheliche, uneheliche oder adoptierte Kinder handelt. Mehrere Kinder erhalten vom Nachlass jeweils den gleichen Teil. Ein Kind erhält alles, zwei Kinder jeweils die Hälfte, et cetera. Wenn nur ein einziger Erbe erster Ordnung existiert, sind alle anderen Verwandten zweiter, dritter und weiterer Ordnungen von der Erbfolge ausgeschlossen.

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