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Die Vermögensfrage : Der Nachlass will geplant sein

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Wer bekommt das SIlber? Nach dem Tod von Angehörigen gibt es leider oft große Unstimmigkeiten unter den Erben. Bild: SZ Photo

Ohne Testament ist Streit zwischen den Erben programmiert – insbesondere, wenn Immobilien im Spiel sind. Deshalb lohnt es sich, frühzeitig über den eigenen Nachlass nachzudenken. So geht’s.

          7 Min.

          Vielen Deutschen stehen rosige Zeiten bevor. In den kommenden zehn Jahren werden schätzungsweise 3,1 Billionen Euro vererbt. Umso erstaunlicher, dass sich nur wenige Gedanken darüber machen, wie sie ihr erwirtschaftetes Vermögen an die Nachkommen weitergeben wollen. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Bank haben gerade einmal 36 Prozent der Befragten ein Testament verfasst.

          Ohne Regelung wird das Vermögen oft nicht im Sinn des Erblassers verteilt. Zudem ist Streit unter den Erben programmiert. Dann wird sich gezofft um das Silberbesteck, Gemälde oder andere vermeintliche Kostbarkeiten, mit denen ohnehin kaum jemand etwas anfangen kann. Besonders kompliziert wird es, wenn in der Erbmasse auch das Familienhaus enthalten ist. Das betrifft eine wachsende Zahl an Erbschaften. Laut einer Postbank-Studie aus dem Jahr 2012 werden künftig in zwei von drei Nachlässen Häuser, Grundstücke oder Wohnungen enthalten sein.

          Wer sich nicht um den Nachlass kümmert, riskiert, das traute Familienheim verkaufen oder zwangsversteigern zu müssen. Denn ohne Regelung entstehen Erbengemeinschaften, in denen jeder Gegenstand aus dem Nachlass den Erben gemeinsam gehört. „In diesem Fall müssen grundsätzlich sämtliche Entscheidungen, die das Nachlassvermögen betreffen, von allen Erben gemeinsam getroffen werden“, sagt Nadine Rumland, Fachanwältin für Erbrecht und Steuerrecht bei Rowedder Zimmermann Hass in Mannheim. Ein Nährboden für zahlreiche Auseinandersetzungen. Hinzu kommt: Wohlhabende, die nicht rechtzeitig planen, müssen einen größeren Anteil ihres Vermögens in Form von Erbschaftsteuern an den Fiskus abtreten. Das lässt sich mit geschickter und frühzeitiger Planung verhindern. Auch beim beliebten Berliner Testament, in dem sich Ehepartner gegenseitig als Alleinerben einsetzen, empfehlen sich einige Zusätze.

          Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge

          Doch von Anfang an. Wenn der Erblasser nichts geregelt hat, greift die gesetzliche Erbfolge. Dann erben zunächst der Ehepartner und Verwandte erster Ordnung, also Kinder, Enkel und Urenkel. Existieren keine Nachkommen erster Ordnung, fällt der Nachlass den Erben zweiter Ordnung (Eltern, Geschwister, Nichten, Neffen) zu. Ein Beispiel: Stirbt der Familienvater, erben die Ehefrau und die beiden Kinder. Haben die Ehegatten den Güterstand der Zugewinngemeinschaft gewählt, wie die meisten Paare in Deutschland, erbt die Ehefrau die Hälfte des Vermögens und die Kinder je ein Viertel. Somit besitzt die Ehefrau die Hälfte des trauten Eigenheims und des restlichen Vermögens und jedes Kind ein Viertel. Ehefrau und Kinder bilden in diesem Fall eine Erbengemeinschaft.

          Es bedarf keiner großen Phantasie, sich vorzustellen, dass Sohn, Tochter und Mutter durchaus unterschiedliche Vorstellungen haben können, was mit dem Erbe passieren soll. „Möglicherweise möchte die Ehefrau in dem Haus wohnen bleiben, die Kinder aber wollen von ihrem Erbe profitieren und die Immobilie deshalb verkaufen“, sagt Carmen Mielke-Vinke, Fachanwältin für Erbrecht und Steuerrecht bei Norton Rose Fulbright in München. In diesem Fall müsste die Mutter die Kinder auszahlen. Sind nicht ausreichend liquide Mittel vorhanden, muss die Immobilie verkauft werden – und die Mutter muss sich eine neue Bleibe suchen.

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