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Die Vermögensfrage : Ein einfacher Brief reicht gegen Beitragserhöhungen

  • -Aktualisiert am

Zur Altersvorsorge in Deutschalnd sehr beliebt: Eine Lebensversicherung Bild: Picture-Alliance

Weit mehr als 600 Millionen Euro kostet Lebensversicherte Jahr für Jahr die automatische Erhöhung der Prämien. Diese sogenannte Dynamik ist fast immer ein Verlustgeschäft. Doch ein einfacher Widerspruch reicht.

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          Internetseiten von Versicherungsverkäufern sind oft voller guter Sprüche. Aber nicht immer so ganz wahrhaftig. „Der aktuelle Garantiezins im Jahre 2015 beträgt nicht mehr als 1,25 Prozent“, startet so eine Seite aus Berlin sachlich zutreffend ihren Gedankengang zum Nutzen einer Rentenversicherung. Beim Blick auf die aktuelle Inflationsrate verlieren die Berliner dann schon etwas die Übersicht: „Das bedeutet, dass der Garantiezins die Inflation von 2 bis 3 Prozent nicht ausgleichen kann.“ Die Schlussfolgerung hat dann richtige Schieflage: „Somit ist es wichtig, dass eine Vereinbarung auf eine dynamische Beitragszahlung getroffen wird. Ansonsten verliert auch die Auszahlung der Rentenversicherung deutlich an Wert.“ Der Rat ist sicher sehr nützlich – für die Verkäufer. Für die solchermaßen Versicherten bedeutet der Rat aber nichts anderes als herausgeworfenes Geld.

          Dynamikverträge lohnen nicht mehr. Die Versicherer belasten die kleinen, regelmäßigen Summen- und Beitragserhöhungen so hoch mit Kosten, dass die aktuellen Minizinsen 20 Jahre und mehr brauchen, um garantiert den Erhalt des Geldes zu schaffen. So lange laufen aber nur die wenigsten dieser Erhöhungen. Alle anderen sind für die Versicherten ein mehr oder minder großes Verlustgeschäft.

          Der Fall ist real: Ein Anleger bittet seinen Lebensversicherer, ihm doch anlässlich der ersten Anpassung seines Vertrages zu erläutern, mit welchen Kosten seine Erhöhung von jährlich 78,91 Euro belastet werde. Die ehrliche Antwort der Gesellschaft lautet: Mit Abschlusskosten in Höhe von 75,40 Euro und Verwaltungskosten in Höhe von 170,69 Euro. Die Gesellschaft belastet also den Vertrag des Anlegers nur für diese eine Erhöhung mit 246,09 Euro. Das ist mehr als das Dreifache des Jahresbeitrages und erst der Anfang. Denn für alle weiteren Erhöhungen gilt dasselbe.

          Nennenswerte Zinsen gibt es erst viel später

          Die Folge der hohen Kostenbelastung ist gravierend: Obwohl der Vertrag des Anlegers mit einem relativ hohen Garantiezins von 2,75 Prozent abgeschlossen wurde, dauert es 15 Jahre, um mit dem Garantiezins die hohen Kosten abzuarbeiten. Erst danach erhält er garantiert sein Geld zurück. Nennenswerte Zinsen gibt es erst viel später. Der Fall zeigt die aktuelle Rentabilität von dynamischen Erhöhungen. Vermutlich zeichnet er sogar noch ein zu positives Bild, weil der Anleger einen kostengünstigen Versicherer und die Rentenversicherung als Vertragsform gewählt hatte. Andere Versicherer belasten die Dynamik noch höher, Kapitalversicherungen verbrauchen zusätzliches Geld für den Todesfallschutz. Beides hat noch scheußlichere Folgen für den Kapitalerhalt und die Rendite der neuen Beiträge.

          Die Tabelle gibt Hinweise auf die Schwellen zum Kapitalerhalt. Sie gilt für Kapitalversicherungen und für Rentenversicherungen. Dabei wird angenommen, dass der Modellvertrag nur wie im Fall des kostengünstigen Versicherers belastet wird und dass bei den Kapitalversicherungen 80 Prozent der Beiträge und bei den Rentenversicherungen 90 Prozent der Beiträge verzinst werden. Diese Annahmen sind eher wohlmeinend mit den Versicherern.

          Das Beispiel Rentenversicherung: Die Erhöhung eines im Jahr 2008 abgeschlossenen Vertrages verfügt über einen Garantiezins von 2,25 Prozent. Diese Garantiezinsen schaffen erst nach 17 Jahren den Erhalt der bis dahin gezahlten Beiträge. Die Verzinsung auf der Basis der garantierten Zinsen beträgt nach 20 Jahren kümmerliche 0,78 Prozent. Nach 25 Jahren sind es 1,29 Prozent.

          Mindestens zwölf Jahre um in die schwarzen Zahlen zu kommen

          Das Beispiel Kapitalversicherung: Ein im Jahr 1990 abgeschlossener Vertrag hat einen Garantiezins von 3,5 Prozent. Dieser Zins gilt auch für eine Dynamikerhöhung in diesem Jahr. Wegen der hohen Kostenbelastung der Erhöhung ist der Kapitalerhalt der neuen Beiträge erst nach 14 Jahren garantiert. Die Rendite dieser Erhöhung beläuft sich nach 25 Jahren, also im Jahr 2040, auf 2,16 Prozent. Der Vertrag müsste dazu aber insgesamt 50 Jahre lang erfüllt werden. Welcher Vertrag läuft schon so lange?

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