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Die Vermögensfrage : Entscheidung zwischen Eigenheim und Miete stellt Weichen

  • -Aktualisiert am

Eigenheim: Weichenstellung fürs Vermögen Bild: IMAGO

Die Entscheidung für Eigenheim oder Mietwohnung ist für den Vermögensaufbau junger Menschen richtungweisend. Was Finanzmakler so anbieten, zumeist nicht.

          6 Min.

          Junge Akademiker stehen bei Maklern von Finanzprodukten hoch im Kurs. Das ist kein Wunder, weil diese Zielgruppe ein gefundenes Fressen ist. Die Leute verdienen Geld. In ihnen steckt, wie es schön heißt, viel Potential. Und sie stellen, Intelligenz hin, Klugheit her, beim Geld nicht viele Fragen. Das sind ideale Voraussetzungen, um junge Leute um den dreißigsten Geburtstag herum mit Finanzverträgen aller Art einzudecken. Hier eine Basisrente, da eine Kapitalversicherung, dort ein paar Investmentfonds. Die Anleger haben das Gefühl, das Fundament für ihren finanziellen Wohlstand gelegt zu haben, und die Vermittler freuen sich über die hohen Provisionen.

          Die Freude ist allerdings auf beiden Seiten endlich. Wer sich mit Akademikern um den vierzigsten Geburtstag herum unterhält, wie sie die Güte der Verträge, die sie vor zehn Jahren abgeschlossen haben, jetzt beurteilen, blickt in vielen Fällen in sauertöpfische Gesichter: „Fragwürdig, teuer, unpassend“, heißt es dann oft. Diese Urteile sind Grund genug, um die Frage zu stellen, welche Finanzverträge junge Menschen, die schon eine Zeitlang im Beruf stehen und in einer Phase sind, in der es um den Aufbau des Privatvermögens geht, wirklich brauchen. Die Antworten werden in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein angestellter Anwalt ist 30 Jahre alt und verdient brutto 60.000 Euro im Jahr. Das sind 5000 Euro pro Monat. Von diesem Gehalt bleiben nach Abzug aller Sozialabgaben und Steuern rund 2800 Euro übrig. Der Schwund von 44 Prozent mag ein bitterer Schluck aus der Pulle sein, doch was nicht geht, kann in diesem Fall nicht passend gemacht werden. Umso wichtiger ist es, beim Umgang mit den restlichen 56 Prozent nicht viel Unfug anzustellen. Das hat bei dem Juristen allen Unkenrufen zum Trotz bisher ganz gut geklappt. Der Bursche lebt bescheiden. Er hat vor Jahren eine Privat-Haftpflicht-Versicherung mit hoher Deckungssumme abgeschlossen. Bei Erwerbsunfähigkeit würde er bis zum 67. Geburtstag eine Rente von 2500 Euro pro Monat bekommen. Und er hat auf einem Tagesgeldkonto rund 30.000 Euro angesammelt, um für das Leben gewappnet zu sein.

          Private Krankenversicherung wird schnell teuer

          Die Beurteilung dieses „Sachverhaltes“ lässt nur ein Urteil zu: Alles richtig gemacht, weiter so! Nun droht aber Gefahr. Ein Vermittler liegt dem jungen Advokaten seit Wochen in den Ohren, dass es so nicht weitergehen könne. Erstens möge der Anwalt in die private Krankenversicherung wechseln, zweitens stehe der Jurist bei Berufsunfähigkeit finanziell im Regen, und drittens sollte der Syndikus sofort und unverzüglich mit dem Aufbau der Altersversorgung beginnen, am besten mit einer Kapitalversicherung und einer Rentenzahlung bei Berufsunfähigkeit. Was soll man dazu sagen?

          Die Vorschläge sehen auf den ersten Blick toll aus, doch bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass der Anwalt auf dem besten Weg ist, seine finanzielle Freiheit aufs Spiel zu setzen und in der Sackgasse zu landen. Der Wechsel in die private Krankenkasse ist das beste Beispiel. Der Beitrag in der gesetzlichen Versicherung liegt bei 332 Euro, und die Prämie in der privaten Versicherung beträgt 114 Euro. Die monatliche Differenz von 218 Euro verleitet zu dem Traum, das Geld bis zum 68. Geburtstag zu 6 Prozent anzulegen und die 344.000 Euro im Alter „gepflegt“ auf den Kopf zu hauen.

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