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Die Vermögensfrage : Zinsrechnung und Steuern verwirren in der Geldanlage

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Zinseszins und Steuern machen Geldgeschäfte für Privatleute so kompliziert, dass sie diese nur zum Teil durchschauen können. Grundkenntnisse sind jedoch hilfreich, um auf sicherer Basis entscheiden zu können.

          Geldhandel ist, wenn die Sache auf den Punkt gebracht wird, ein einfacher Tausch. Der eine Mensch hat Geld übrig, und der andere Mensch braucht es. Jetzt sind nur noch drei Dinge festzulegen: Wann soll das Geschäft beginnen, wann endet der Tausch, und wie hoch ist der Zins? Das Geschäft kann zum Beispiel heute mit einem Betrag von 100.000 Euro beginnen und am 15. Januar 2016 enden. Das ist eine Laufzeit von fünf Jahren. Wenn der Zins jährlich 4 Prozent beträgt, sind Zinsen von 20.000 Euro fällig.

          Nun wird es kompliziert, weil geklärt werden muss, wann die 20.000 Euro fällig sind. Soll der Betrag, wie im alten Venedig üblich, sofort fällig sein? Sollen also nur 80.000 Euro über die Bank gehen? Oder werden die Zinsen am Ende der Laufzeit abgerechnet. Werden also am 15. Januar 2016 insgesamt 120.000 Euro gewechselt. Oder sind die Zinsen in jährlichen Teilbeträgen von jeweils 4.000 Euro zu bezahlen?

          Die drei Möglichkeiten sind der Auftakt zu vielfältigen Absprachen, und die Usancen haben die Menschen im Laufe der Zeit so auf die Spitze getrieben, dass heute nur noch wenige Fachleute das Spiel durchschauen. Die Folge ist in vielen Fällen das Gefühl, dass es beim Geldwechsel nicht mit rechten Dingen zugeht, und dieser Verdacht ist in der Tat berechtigt. Ein jährlicher Zinssatz von 4 Prozent ist in vielen Fällen eben kein Jahreszins von 4 Prozent, weil im Hintergrund an irgendeiner Schraube gedreht wird. Dafür sind freilich nicht nur Banken verantwortlich. Menschen sind Menschen, und bei Geld hört die Freundschaft auf. Kommen noch Gier und Geiz ins Spiel, wird aus dem Spiel im wahrsten Sinne des Wortes bitterer Ernst.

          Wildwuchs, bei dem kein Mensch mehr durchblickt

          Bitter wird das Geschäft aber nicht nur durch komplizierte Zinsregeln, sondern auch durch die Steuern. Es ist eine Binsenweisheit, dass der Fiskus schnell zur Stelle ist, wenn Geld fließt. Was die Finanzverwaltung in den letzten Jahren an Regeln auf die Beine gestellt hat, ist nicht von schlechten Eltern. Gesetze und Verordnungen haben zu einem Wildwuchs geführt, bei dem – auf gut deutsch gesagt – kein Mensch mehr durchblickt. Hier fällt Abgeltungsteuer an, dort ist Einkommensteuer zu bezahlen, frei nach dem Motto: Der Fiskus gewinnt immer.

          Das erste Beispiel sind Aktien. Sie waren lange Zeit steuerliche Ringeltauben. Die Erträge waren nur zur Hälfte steuerpflichtig, und die Kursgewinne blieben in der Regel von Abgaben verschont. Die paradiesischen Zustände gehören der Vergangenheit an. Heute unterliegen Aktien in voller Höhe der Abgeltungsteuer, so dass von den Erträgen und Kursgewinnen jeweils ein gutes Viertel an die Staatskasse fließt. Wie das im Detail abläuft, wird in nebenstehenden Tabellen deutlich.

          Hier will ein Privatmann zehn Jahre lang 105.000 Euro in Aktien anlegen. Es ist egal, ob sich der Investor fünf, sechs oder sieben Aktien kauft. Maßgebend sind der Anlagebetrag von 105.000 Euro und die Laufzeit von zehn Jahren. Bei den Aktien gibt es weder feste Erträge noch klare Usancen für die Zinsen. Hier muss mit Annahmen gearbeitet werden. Das ist mit dem Risiko verbunden, sich mehr oder weniger zu irren, doch anders geht es nicht. Wenn ein Anleger zum Beispiel damit rechnet, dass sich Aktien in Zukunft mit 6 Prozent jährlich verzinsen, muss dieser Ertrag auf Dividenden und Kursgewinne aufgeteilt werden.

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