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Die Vermögensfrage : Zinsrechnen ist für viele ein Rätsel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Richtiges Rechnen bei Finanzgeschäften ist die Ausnahme. Viele Menschen achten nur auf den nominalen Zins. Das reicht nicht. Kein Wunder also, dass einige Anleger Geld zum Fenster hinauswerfen.

          Wer Geld anlegt oder Kapital aufnimmt, schaut auf den Euro. Richtiges Rechnen bei Finanzgeschäften und die kühle Abwägung der Chancen und Risiken sind eher die Ausnahme. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Einige Anleger wissen wahrscheinlich gar nicht, dass sie falsch rechnen. Andere erinnern sich mit Schaudern an die Mathematikstunden in der Schule und geben sich mit den vier Grundrechenarten zufrieden. Wieder andere würden sich gerne mit der Materie beschäftigen, haben aber zu wenig Zeit, um sich entsprechendes Wissen anzueignen.

          Damit befinden sich die Privatleute in bester Gesellschaft, denn auch Kundenberater in Banken, Bausparkassen und Versicherern verrechnen sich Tag für Tag, weil sie das Einmaleins der Finanzmathematik und der Risikoprüfung nie richtig gelernt haben. Deshalb ist es kein Wunder, dass viele Menschen bei Anlagen viel Geld zum Fenster hinauswerfen oder für ihre Darlehen überhöhte Preise bezahlen. Genauso traurig ist aber auch, dass Finanzmathematik gerne als „Herrschaftswissen“ gehandelt wird. Die meisten Bücher sind spröde und trocken, und die Autoren gehen viel zu wenig auf die praktischen Problems des Alltags ein.

          Wie lange ist ein Jahr?

          Das gilt in erster Linie für die Art und Weise, wie die Löhne für Geldgeschäfte – besser bekannt als Zinsen – berechnet werden. Die Sache ist im Kern einfach, doch im Laufe der Zeit haben sich die Menschen größte Mühe gegeben, aus einfachen Absprachen komplizierte Versprechen zu machen.

          Das erste Beispiel ist ein ganz einfacher Fall. Ein Anleger hat 100.000 Euro übrig und möchte das Geld fünf Jahre anlegen. Die einfachste Lösung wäre ein Mensch, der diesen Betrag für dieselbe Zeit braucht. Man trifft sich, bespricht sich, regelt die Sicherheiten, vereinbart den Zins, tauscht das Geld aus und geht im Vertrauen auseinander, dass alles gut werden wird. Leider ist das Leben nicht so einfach. Deshalb gibt es Banken. Genau das wiederum führt zu noch mehr Problemen. Die Schwierigkeiten beginnen zum Beispiel mit der Frage, wie lange ein Jahr ist.

          In den Banken wird mit Kalendern gerechnet. In den Augen deutscher Bankkaufleute sind das 360 Tage, nach Meinung der Engländer und Franzosen aber 365 Tage. Die unterschiedliche Länge der beiden Kalender muss sich, das liegt auf der Hand, in Euro und Cent auswirken. Wenn der Zinssatz zum Beispiel genau 3 Prozent beträgt, kommen in Deutschland genau 3000 Euro pro Jahr heraus. Bei den Nachbarn springt mehr Geld heraus, weil der Nominalzins für 360 Tage gilt, die Dauer der Kapitalanlage aber in „echten“ Tagen gemessen wird. Folglich werden in diesen Fällen jährlich Zinsen von 3041,67 Euro abgerechnet. So wichtig wie der Nominalzins ist der Zeitpunkt der Zinszahlung. In Deutschland ist es üblich, dass die Zinsen nach Ablauf eines Jahres überwiesen werden. Im Beispiel würde der Anleger die 3000 Euro am 31. Dezember 2011 erhalten, wenn das Geld am 31. Dezember 2010 angelegt wurde. Im Ausland gehen die Uhren aber anders. Hier kommt es vor, dass Zinsen bereits am Ende eines Monats, Quartals oder Jahres bezahlt werden. Das ist für den internationalen Anleger ein gewisser Vorteil, weil die Zinsen häufiger gezahlt werden. Er kann die Erträge früher genießen. Oder er legt das Geld gleich wieder an, so dass Zinseszinsen anfallen. Wenn die Berechnung der Zinsen und die Fälligkeit der Zahlungen geschickt miteinander verknüpft werden, können unter dem Strich ordentliche Differenzen herauskommen.

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