https://www.faz.net/-hbv-uar2

Die Vermögensfrage : Vorzeitige Ablösung von Krediten: Ein ewiger Streitfall

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Wer einen Kredit vorzeitig kündigt, muss der Bank eine Entschädigung für entgangene Zinsen zahlen. Bei der Ermittlung der Entschädigung rechnen die Banken aber oft zu ihren Gunsten. Vorher Klarheit zu schaffen kann also Geld sparen.

          Die vorzeitige Ablösung von Krediten mit Festzins wird die Menschen wohl bis zum jüngsten Tag beschäftigen. In der Vergangenheit ging es um die Frage, ob der Darlehensnehmer vor Ablauf der Zinsbindung aus dem Vertrag aussteigen darf. Oder es ging um die Überlegung, wie die Bank die Entschädigung berechnen muss. Heute geht es um das Problem, welche Kapitalmarktzinsen die Bank bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung zugrunde zu legen hat, und um die Überlegung, wie sie das Recht auf Sondertilgungen berücksichtigen muss. Die beiden Aspekte sind den meisten Privatleuten fremd. Doch dabei geht es um viel Geld. Deshalb ist es sinnvoll, die Frage der Ablösung gleich bei der Aufnahme der Hypothek zu klären. Dies zeigt folgender Fall.

          Vor fünf Jahren zahlte die Bank einen Kredit über 300.000 Euro aus. Der Nominalzins beträgt 5 Prozent pro Jahr, und die Tilgung wurde auf 1 Prozent eingestellt. Die Konditionen wurden für zehn Jahre vereinbart, so dass der Vertrag noch 60 Monate gilt. Die monatliche Rate für Zins und Tilgung beträgt 1500 Euro. Die heutige Restschuld liegt bei 282.998 Euro. Der offene Zahlungsstrom besteht aus 59 Raten à 1500 Euro und der Schlussrate von 262.679 Euro. Darin ist die planmäßige Restschuld von 261.179 Euro enthalten.

          Zins ist nicht gleich Zins

          Bei der Berechnung der Entschädigung wird der ausstehende Zahlungsstrom abgezinst. Dabei werden die Raten nicht mehr, wie es eine Zeitlang üblich war, mit einem einzigen Zinssatz, sondern mit 60 verschiedenen Zinssätzen diskontiert. In der Fachsprache heißt dieses Verfahren fristenkongruente Abzinsung, weil die Zinsen auf dem Kapitalmarkt nicht einheitlich sind, sondern von der Anlagedauer abhängen. Für Geldanlagen mit einer Laufzeit von einem Monat gibt es zum Beispiel im Augenblick 3,6 Prozent. Für Geldanlagen mit zehnjähriger Laufzeit werden im Moment 4,25 Prozent gezahlt. Entsprechend wird der restliche Tilgungsplan in 60 Raten zerlegt, und die einzelnen Zahlungen werden mit verschiedenen Sätzen abgezinst. Die Differenz zwischen der Summe der 60 Barwerte und der Restschuld ist die gesuchte Entschädigung und beläuft sich hier auf rund 10.777 Euro.

          Hinter diesem Betrag verbirgt sich ein Durchschnittszins von 4,2 Prozent für alle Fristen, und dieser Mischzins ist heute der zentrale Streitpunkt bei Kreditablösungen. Ursache der zum Teil erbittert geführten Auseinandersetzungen ist der Umstand, dass es in Deutschland keine verbindliche Zinsstatistik gibt, sondern jede Bank auf ihre Datenbank vertraut. Hier kommt es zu starken Abweichungen. Ein Blick in die Kursseiten der großen Tageszeitungen zeigt, dass Zins nicht gleich Zins ist. Da gibt es Bundesanleihen und Hypothekenpfandbriefe, und die Unterschiede betragen 10 bis 20 Basispunkte.

          Für klare Verhältnisse sorgen

          Es gibt aber auch - und das war vor zwei Jahren der Auslöser für ein Urteil des Bundesgerichtshofes - die umstrittenen Pex-Indizes. Die Statistik der Bundesbank beruht auf tatsächlichen Pfandbriefumsätzen an der Börse, doch im Pex werden auch Angebote berücksichtigt, für die es keine Käufer gab. Daher sind die Pex-Renditen im Durchschnitt um 10 Basispunkte niedriger als die tatsächlichen Wertpapierzinsen. Diese Differenzen gehen bei längeren Restlaufzeiten mächtig ins Geld, weil es eben nicht gleichgültig ist, ob offene Zahlungsströme mit 4,2 oder mit 4 Prozent jährlich abgezinst werden. Im vorliegenden Fall beträgt der Unterschied knapp 2500 Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bitte um Aufschub : Das irre Brexit-Karussell dreht sich weiter

          Die Vorstellung, dass die Briten noch an der Europawahl teilnehmen sollen, ist grotesk. Doch sollte der Brexit erst im Sommer vollzogen werden, bestünden andernfalls politische und vor allem rechtliche Risiken. Die Unsicherheit dauert an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.