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Die Vermögensfrage : Vollständige Vermögenspläne sind oft bittere Pillen

  • -Aktualisiert am

„Vielleicht sollten wir doch etwas mehr für unsere Altersvorsorge tun...“ Bild: Kai

Die Kapitalisierung aller Einnahmen und Ausgaben sorgt in zahlreichen Haushalten für Ernüchterung. Ein vollständiger Vermögensplan sollte trotzdem aufgetellt werden. Die Vermögensfrage.

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          Ängste und Sorgen sind treue Begleiter privater Anleger. Die Ereignisse der vergangenen Jahre sind zum Teil grausam, und die Krise hat bei vielen Menschen das Gefühl hinterlassen, dass es keine Sicherheit gibt. Das Empfinden ist richtig und wahrscheinlich die beste Lektion, welche die zurückliegenden Monate liefern konnte. Es gibt weder in der Liebe noch in der Gesundheit noch beim Geld irgendwelche Garantien, und daran wird sich nichts ändern.

          Hinzu sollte nur die Erkenntnis kommen, dass Geld eine trügerische Hoffnung ist. Wer in dem Glauben lebt, durch Zinsen und Zinseszinsen reich zu werden, sollte den Traum so schnell wie möglich begraben, weil das Leben andere Wege geht. Die Kunst im Umgang mit Geld besteht in der Kunst, es durch Arbeit zu verdienen, den Konsum im Zaum zu halten und Überschüsse in einfache Geldanlagen zu streuen. Dadurch ist der Erhalt, nicht aber die Vermehrung des Vermögens möglich. Umgekehrt bezahlen Investoren, die nach Steuern von 5 oder 6 Prozent pro Jahr träumen und ihre Konzepte ständig über den Haufen werfen, viel Geld. An dieser Haltung verdienen nur Verkäufer und Vermittler, deshalb ist es kein Wunder, dass sie Anlegern ständig in den Ohren liegen, das Kapital in „lukrative“ Anlagen umzuschichten.

          Vollständige Vermögenspläne aufstellen

          Die Erkenntnis, dass die Bäume beim Geld nicht in den Himmel wachsen, kommen in vollständigen Vermögensplänen zum Ausdruck. Sie beginnen mit der Aufstellung aller Guthaben und Schulden. Dazu gehören nicht nur Aktien, Anleihen, Immobilien und Kredite, sondern auch Arbeit, Renten und Konsum. Einkommen, Versorgung und Lebenshaltung sind für die meisten Menschen aber keine Vermögenswerte - folglich fallen die Positionen in den meisten Haushalten unter den Tisch. Das ist kein Beinbruch, doch die Anleger dürfen sich nicht darüber wundern, dass die Entscheidungen, die aus unvollständigen Vermögensplänen gezogen werden, mitunter fragwürdig und gefährlich sind.

          Die fehlende Kapitalisierung der Pensionen führt zum Beispiel bei älteren Menschen zu Ängsten und Sorgen, die unnötig sind wie ein Kropf. Wer 65 Jahre alt ist und einen lebenslangen Versorgungsanspruch von jährlich 24000 Euro hat, besitzt Geld im Wert von 392000 Euro. Dahinter verbirgt sich die Kalkulation, dass der Anleger noch 20 Jahre leben wird und die Zahlungen mit 2 Prozent auf die Gegenwart abgezinst werden.

          Tabelle 1: Nominaldaten der Geldanlagen und Kredite
          Tabelle 1: Nominaldaten der Geldanlagen und Kredite : Bild: Volker Looman

          Was für die Ansprüche gilt, muss natürlich auch für die Pflichten gelten. Die jährlichen Ausgaben für Essen, Trinken, Haus, Auto und Urlaub müssen ebenfalls abgezinst und als Schuld in die private Vermögensbilanz gestellt werden. Wer zum Beispiel jährlich 60000 Euro fürs tägliche Leben braucht, benötigt bei einer „Restlaufzeit“ von 20 Jahren und einem Zins von 3 Prozent mindestens 981000 Euro. Sollte der Wert des Geldes in dieser Zeit jedes Jahr um durchschnittlich 3 Prozent sinken, wird es richtig teuer. Dann sind beinahe 1,3 Millionen Euro notwendig, um über die Runden zu kommen.

          Anleger müssen sich an hohe Summen gewöhnen, wenn sie ihr Vermögen aufstellen. Die Unsicherheit über die großen Zahlen sollte freilich kein Hinderungsgrund sein, sich mit den Vermögensplänen zu beschäftigen. Sie schärfen den Blick für die wichtigen Dinge des Lebens. Wie das im Alltag aussehen kann, wird in folgendem Beispiel deutlich: Hinter dem Vermögen in Tabelle 1 steckt ein 55 Jahre alter Anleger. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder, und der Mann macht sich Gedanken über das restliche Berufsleben. Gelegentlich blitzen auch Überlegungen auf, wie der Ruhestand in finanzieller Hinsicht aussehen wird, aber im Augenblick steht die Frage im Mittelpunkt, was bis zum Ruhestand hier und da verbessert werden kann.

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