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Die Vermögensfrage : Versteckspiel um Gebühren und Provisionen

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Bild: Kai

Die Urteile der Gerichte schützen Privatleute auch in Zukunft nicht vor dem Einkauf überteuerter Produkte. Von Finanzdienstleistern können sie Respekt erwarten, nicht aber Rat allein zum Wohle des Kunden.

          Gebühren und Provisionen sind bei jedem Geldgeschäft heikel. Den Anlegern ist daran gelegen, ihre Kosten zu verringern. Die Verkäufer wollen ihren Verdienst dagegen maximieren. Das führt zu Interessenkonflikten, die kaum lösbar sind. Die Geheimniskrämerei um die Kosten sorgt seit vielen Jahren für erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Anlegern auf der einen Seite sowie Banken, Maklern und Verwaltern auf der anderen Seite. Die Gerichte haben in den vergangenen Jahren Öl ins Feuer geschüttet. Sie verlangen von Banken die Offenlegung der Zahlungen, doch „freie“ Anlageberater dürfen über die Höhe ihrer Provisionen schweigen. Die Trennung hat für Unruhe gesorgt, weil das Verwirrspiel, das seit Jahren in Politik und Justiz betrieben wird, kaum noch zu überbieten ist.

          Der Bundesgerichtshof hat zum Beispiel bereits im Jahr 2000 entschieden, dass heimliche Vereinbarungen zwischen Banken und Vermögensverwaltern eine „schwerwiegende Treuwidrigkeit hinter dem Rücken des Kunden“ seien, durch die das Vertrauen in den Verwalter entfalle. Daher sah das Gericht das zahlende Institut in der Pflicht, den Kunden vor Vertragsabschluss über die drohenden Interessenkonflikte aufzuklären.

          Verstärkt wurde die Hoffnung auf transparente Geschäfte durch das Anlegerschutzgesetz aus Brüssel. Die seit dem 1. November 2007 in Deutschland gültige „Markets in Financial Instruments Directive“, kurz MiFID, sollte die Banken und Verwalter zur Herausgabe von sogenannten Kickbacks und Retrozessionen zwingen, doch die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Versicherer müssen seit dem 1. Juli 2008 die Provisionen offenlegen. Seit zwei Jahren fordert das Bundesministerium für Verbraucherschutz lautstark Beipackzettel für Finanzprodukte, in denen nicht nur über die Chancen und Risiken, sondern auch über die Kosten der Geschäfte aufgeklärt werden soll.

          Offenlegung führt zu Chaos

          In der Praxis gehen die Uhren freilich anders. Die Finanzberatung auf Honorarbasis spielt in Deutschland keine Rolle, weil die Anleger nicht bereit sind, angemessene Honorare zu bezahlen. Folglich wird die Finanzberatung auf Provisionsbasis auch in Zukunft vorherrschend bleiben. Weil die Offenlegung der Gebühren und Provisionen zum Chaos führt, muss der Anleger eben auch in Zukunft den gesunden Menschenverstand bemühen.

          Das heißt im Klartext, dass jeder Privatmann zuerst die Entscheidung treffen muss, wie er die Altersvorsorge aufbaut oder das Eigenheim finanziert. Die Prüfung der Kosten und Leistungen und die Klärung der Frage, ob dieses oder jenes Unternehmen preiswerter ist, folgt an zweiter Stelle.

          Bausparkassen zum Beispiel verlangen für den Eintritt in ihre Unternehmen seit Jahr und Tag eine Gebühr von 1 Prozent der Vertragssumme. Das sind bei einem Bausparvertrag von 100.000 Euro 1000 Euro. Es ist müßig, über die Frage zu streiten, ob die Bausparkasse die Gebühr offenlegen muss oder ein freier Makler die Provision, die durch weitere Zuwendungen höher als die reine Abschlussgebühr sein kann, verschweigen darf. Viel wichtiger ist die Überlegung, ob der Bausparvertrag das richtige Instrument für den Vermögensaufbau ist. Wenn sich ein Anleger für den Bausparvertrag entscheidet, sind monatliche Sparraten von 5 Promille der Vertragssumme üblich.

          Der Hang zum Eigenheim

          Sie werden mit einem Prozent je Jahr verzinst. Unter Berücksichtigung der Abschlussgebühr, die mit Hilfe der ersten Sparraten bezahlt wird, und der Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent auf die Guthabenzinsen dauert es etwa 100 Monate, bis das Mindestsparguthaben von 50 Prozent erreicht ist. Nach der Zuteilung erhält der Anleger ein Bauspardarlehen, das mit 3,75 Prozent pro Jahr verzinst und mit monatlich 6 Promille oder 0,6 Prozent der Vertragssumme getilgt wird. Die Rückzahlung dauert 96 Monate, so dass der Vertrag gut 16 Jahre laufen wird.

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