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Die Vermögensfrage : Studentenbuden auf Pump lohnen nicht

  • -Aktualisiert am

Helikopter-Eltern sollten bedenken: Eine Studentenbude hat ihren besonderen Reiz Bild: Lisowski, Philip

Der Kauf von Studentenwohnungen ist trotz Steuervorteilen riskant. Auch sollten Eltern ihre Kinder nicht mit goldenen Löffeln füttern. Deshalb wohnen sie als Studenten besser zur Miete.

          Die verbilligte Vermietung von Häusern und Wohnungen an Angehörige und Freunde gilt bei gutbetuchten Privatleuten als lukratives Steuersparmodell. Die Anleger haben das Gefühl, ihr Geld in solide Immobilien anzulegen, lieben Menschen etwas Gutes zu tun und obendrein dem Fiskus eine lange Nase zu drehen. Die guten Taten mögen sich wie „Wohltaten“ anfühlen, doch wenn es um Geld geht, sollten Gefühle nach Möglichkeit in eine Kiste gepackt und auf dem Dachboden oder im Keller gelagert werden. Sonst besteht die Gefahr, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen, sich in fragwürdige Geschäfte zu stürzen und am Ende der Veranstaltung wie ein begossener Pudel dazustehen und sich zu fragen: Warum hat mir das kein Mensch gesagt? Das gilt auch für Immobilien mit Mietrabatt. Das Modell ist in vielen Fällen, wenn die Sache bei Licht betrachtet wird, gar kein Steuersparmodell, sondern eher Geldanlage mit mäßiger Verzinsung. Hier und da kommt es sogar zur Vernichtung von Kapital. Die Chancen und Risiken der verbilligten Vermietung werden in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein gutsituiertes Ehepaar, er ist Anwalt, sie ist Ärztin, hat eine Tochter, die 20 Jahre alt ist. Die junge Dame hat vor einem Jahr ihr Abitur gemacht. Danach hat sie sich die Welt angesehen. Nun will das Kind internationale Betriebswirtschaft studieren. Sie hat sich eine Zeitlang für private Universitäten interessiert, und die Eltern wären auch bereit gewesen, die hohen Studiengebühren zu bezahlen. Nun soll es aber doch an eine „alte“ Universität gehen. Das ändert freilich nichts an dem Problem, dass die Studentin ein Dach über dem Kopf braucht. Jeder normale Mensch weiß, dass die Suche nach einer Unterkunft in Städten wie Freiburg oder Heidelberg kein Zuckerschlecken ist. Die Decken sind niedrig, und die Preise sind hoch. Folglich ist es kein Wunder, dass „Helikopter-Eltern“, also Erwachsene mit dem Hang zur Rundumbetreuung ihrer Sprösslinge, auf die Idee kommen, eine kleine Immobilie zu kaufen und die Wohnung dem Nachwuchs zu „Selbstfindungs- und Studienzwecken“ zu überlassen. So ist es auch im vorliegenden Fall. Die Tochter macht dem Vater schöne Augen, der Vater will Geld, das auf dem Girokonto herumliegt, in Immobilien stecken, und die Mutter erteilt dem Projekt ihren Segen, weil bei der ganzen Sache gewisse Steuervorteile winken.

          Die Wohnung muss mindestens zehn Jahre genutzt werden

          Gegen das Vorhaben ist nichts einzuwenden. Nur besteht bei dieser „Gemengelage“ die Gefahr, das Ziel aus dem Auge zu verlieren. Worum geht es eigentlich? Die Antwort ist einfach. Die Tochter braucht ein Zimmer und hat keine Lust, sich mit einer Bude unter dem Dach zufriedenzugeben. Die Eltern wollen ihrer Tochter etwas Gutes tun und sind bereit, ein schönes Zimmer zu bezahlen. Muss es aber gleich eine ganze Wohnung sein? Und das auch noch auf Pump? Oder ist es nicht günstiger, einfach ein Zimmer zu mieten? Kurzum: Die Eltern haben die Wahl zwischen Eigentum und Miete der Sache, im vorliegenden Fall des Wohnens. In einigen Wochen werden die Eltern wieder vor demselben Problem stehen, ob das Auto für die Tochter gekauft oder geleast werden soll, aber das ist ein anderes Thema.

          Daten der Immobilie

          Jetzt geht es erst einmal um die Immobilie. Die Daten der Wohnung stehen in der ersten Tabelle. Das nackte Objekt–eine 35 Quadratmeter große Wohnung – kostet 120.000 Euro. Hinzu kommen die üblichen Fracht- und Lieferkosten wie Grunderwerbsteuer, Notargebühren und Maklerprovisionen, so dass der Gesamtpreis auf 132.000 Euro klettert. Von diesem Betrag können drei Viertel (99.000 Euro) mit jeweils 2 Prozent abgeschrieben werden. Die Wohnung soll zehn Jahre vermietet werden. Es wäre zwar ein mittleres Drama, wenn die Tochter tatsächlich 20 Semester studieren würde, aber dieses „Problem“ interessiert die Eltern im Moment gar nicht. Der Steuerberater hat erzählt, dass die Immobilie zur Vermeidung von Steuernachteilen mindestens zehn Jahre genutzt werden muss. Folglich müsste die Wohnung, wenn die Tochter zum Beispiel in sechs Jahren auszieht, noch eine Zeitlang an fremde Leute vermietet werden.

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