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Die Vermögensfrage : Steuersparmodelle für die Geldanlage selten geeignet

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Beginn der Altersvorsorge? Taschengeld eines fünf Jahre alten Jungen Bild: picture alliance / ZB

In vielen Fällen passen Investitionen nicht in die finanzielle Lebensplanung. Für die Vermögensbildung kommen Steuersparmodelle nur selten in Frage.

          Die privaten Einkommen sind im sechsten Lebensjahrzehnt in der Regel am höchsten. Gleichzeitig streben die Schulden dem Nullpunkt entgegen, in einigen Fällen sind die Verbindlichkeiten längst vom Tisch. Die Ausbildung der Kinder hinterlässt in manchen Familien noch Spuren, doch unter dem Strich können viele Anleger die Sache nach Belieben drehen und wenden. Die Zeit zwischen dem 50. und 60. Geburtstag ist in den meisten Haushalten der finanzielle Höhepunkt.

          Wo aber Licht ist, ist auch Schatten. Die einen Anleger lassen sich scheiden, und die anderen Investoren setzen ihr Vermögen aufs Spiel. Das heißt im Klartext, dass es beim Umgang mit Geld nicht nur darauf ankommt, Chancen zu sehen und zu nutzen, sondern auch Gefahren zu erkennen und Risiken zu vermeiden. Das gilt in besonderem Maße für Steuersparmodelle. Es ist ärgerlich, ein Drittel oder die Hälfte des Einkommens an den Staat abzugeben, aber noch ärgerlicher ist es, sich in Steuersparmodelle zu verstricken und Teile des Privatvermögens aufs Spiel zu setzen. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Kluft zwischen Motiven und Zielen ist heikel

          Ein bayerischer Manager ist 50 Jahre alt. Er ist geschieden und verdient im Jahr etwa 200.000 Euro. Die Liste der Abgaben und Ausgaben ist lang, allein die Steuern betragen 81.567 Euro. Die Lohnsteuer liegt bei 71.865 Euro, der Solidaritätszuschlag beträgt 3.953 Euro, und die Kirche zwackt 5.479 Euro ab. Die 81.567 Euro sind, wie unschwer zu erkennen ist, knapp 41 Prozent des Jahreseinkommens. Das führt zu Herzschmerzen und Schluckbeschwerden, und in solchen Lebenslagen lesen die wenigsten Patienten die Packungsbeilage der üblichen Medikamente. Statt dessen werden Flugzeuge, Immobilien, Kredite, Lokomotiven, Schiffe, Solaranlagen und Windräder geschluckt.

          Gegen die Anlagen ist nichts einzuwenden. Heikel ist allein die Kluft zwischen den Motiven, welche die Anleger zu diesen Investitionen veranlasst, und den Zielen, welche die Investoren in Wahrheit verfolgen. Die Motive lassen sich an einer Hand abzählen: Abgaben, Abschreibungen, Steuern, Vorteile und Werbungskosten. Kurzum: Der Anleger will einen Teil der gut 81000 Euro sparen. Dafür sind gewisse Anstrengungen notwendig. Es wird etwas Eigenkapital benötigt, es ist viel Fremdkapital notwendig, und der Manager braucht eine Anlage. Das kann zum Beispiel eine Immobilie sein, die unter Denkmalschutz steht. Die drei Zutaten sollten aber, wenn das Problem mit Augenmaß und Verstand gelöst wird, schnell zu der Frage führen, was der Mann wirklich will. Möchte der Manager tatsächlich nur Steuern sparen oder gibt es in Wahrheit ganz andere Ziele? Möchte der Anleger eigentlich Kapital aufbauen? Will der Investor möglicherweise Vermögen verwalten? Oder möchte der Manager gar Geld verrenten? Die einzelnen Fragen mögen viele Betrachter vor den Kopf stoßen, doch bei Steuersparmodellen ist es wie im prallen Leben. Es gibt vordergründige Absichten, bestimmte Entscheidungen zu treffen, und es gibt hintergründige Motive, die hinter den Entschlüssen stecken. Im vorliegenden Fall geht es scheinbar um die Steuern und tatsächlich um die Altersvorsorge. Ob das zusammenpasst?

          Daten zu Immobilie, Windkraftanlage und Kredit

          Der erste Teil der Antwort steht in Tabelle 1. Hier geht es um eine Immobilie unter Denkmalschutz. Das Objekt kostet 500.000 Euro. Es soll 15 Jahre vermietet werden. Die jährlichen Erträge liegen bei 25.000 Euro und sollen jedes Jahr um 1 Prozent steigen. Im selben Zeitraum fallen Kosten an. Sie beginnen bei 5.000 Euro und klettern von Jahr zu Jahr ebenfalls um 1 Prozent. In 15 Jahren soll die Immobilie für 465.000 Euro verkauft werden. Dahinter steckt die Prognose, dass der Wert des Bodens jedes Jahr um 1 Prozent steigt und der Wert des Gebäudes jedes Jahr um 1 Prozent fällt.

          Steuersparmodell mit Sparcharakter

          Die Immobilie ist, wie die Zahlen zeigen, weder besonders gut noch ganz schlecht, sondern eher mittelmäßig. Das Objekt kostet ungefähr 20 Jahresmieten, und das ist eine Basisverzinsung von 5 Prozent im Jahr. Davon bleiben 3,3 Prozent übrig, weil am Anfang, in der Mitte und am Schluss gewisse Kosten hinzukommen, die das Ergebnis nach unten ziehen. Trotzdem ist das Resultat nicht übel, weil die meisten Denkmäler übelste Geldvernichtung sind.

          Der zweite Baustein des Steuersparmodells ist in Tabelle 3 zu besichtigen. Der Manager will Steuern sparen, ist aber zurzeit nicht gut bei Kasse, so dass ein Kredit benötigt wird. Die Summe beträgt 500.000 Euro und wird zum Kurs von 100 Prozent ausbezahlt. Der jährliche Sollzins liegt bei 3 Prozent und gilt 15 Jahre. In dieser Zeit wird die Tilgung auf 5,2 Prozent eingestellt. Die 15 Raten von jeweils 41.000 Euro sorgen für die zügige Entschuldung des Objektes. Am Ende der Zinsbindung ist nur noch ein Restbetrag von 16.000 Euro offen.

          Die Verknüpfung der Immobilie und des Kredites führt zu einem Steuersparmodell mit Sparcharakter. Das wird in Tabelle 4 deutlich. Sie besteht aus vier Blöcken: Immobilie, Kredit, Steuern und Saldo. In den ersten Spalten sind die Wertverläufe des Bodens, des Altbaus und des Neubaus zu sehen. Genauso kommen die Mieten und die Kosten zum Ausdruck. Das ist bei dem Kredit nicht anders. In der siebten Spalte ist der Verlauf der Schulden zu sehen, und in den folgenden Spalten kann verfolgt werden, wie sich die Tilgungen und die Zinsen entwickeln.

          Die Vorzeichen drehen sich um

          Von besonderer Bedeutung sind in dieser Tabelle die Steuern, weil sie das Grundmotiv sind, die Immobilie zu kaufen. Die steuerlichen Ergebnisse sind die Salden der Mieten, Kosten, Abschreibungen und Zinsen. Die hohen Abschreibungen der Gebäudekosten sorgen zwölf Jahre für Verluste aus Vermietung und Verpachtung (V+V). Sie beginnen bei 28.000 Euro und sinken im Laufe der Zeit auf 9000 Euro. Sie führen bei einem Steuersatz von 40 Prozent zu Steuervorteilen, die zwischen 11.000 und 3.000 Euro liegen. In den letzten Jahren drehen sich die Vorzeichen um. Der Anleger erzielt Überschüsse und muss Steuern abführen.

          Zahlungsplan der Immobilie mit Kredit

          Die Summe der Steuervorteile beträgt 73.000 Euro. Das ist eine schöne Summe. Viel interessanter ist aber die Frage, was der Anleger mit der Anlage in Wahrheit erwirbt. Die Antwort steht in der letzten Spalte der vierten Tabelle. Es ist ein Immobiliensparplan. Der Manager legt anfangs 30.000 Euro auf den Tisch. Dann folgen 180 Sparraten à 1.200 Euro. Der Lohn der Anstrengung ist ein Endguthaben von 450.000 Euro. Das sind die nüchternen Fakten, und wer auch noch wissen will, wie rentabel die Geschichte ist, wird in Tabelle 4 fündig. Die Verzinsung beträgt 7,6 Prozent im Jahr.

          Wichtiger als die Rendite sind aber, um das noch einmal in aller Deutlichkeit zu unterstreichen, die Motive und die Ziele des Anlegers. Der Mann will Steuern sparen. Er muss in den nächsten 15 Jahren, wenn sich an dem Einkommen nichts ändert, insgesamt 1,2 Millionen Euro an die Staatskasse abführen. Nun kann er 72676 Euro sparen. Das sind knapp 6 Prozent. Lohnt sich dafür der Aufwand? Der Investor will Geld fürs Alter auf die Seite legen. Das geschieht in der Tat. Nur stellt sich die Frage, ob Monatsraten von 1200 Euro, die in einen Topf fließen, die richtige Lösung sind.

          Steuervorteile sind kaum der Rede wert

          Die beiden Aspekte sind die entscheidenden Knackpunkte. Die Steuervorteile sind, da gibt es wohl nicht viel zu diskutieren, kaum der Rede wert. Eine Ersparnis von 6 Prozent ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn der Mann tatsächlich Steuern sparen will, sollte er sich in Zukunft mit dem halben Gehalt zufriedengeben und den Zeitvorteil in sinnvolle Projekte stecken. Das ist ein Steuersparmodell mit Hand und Fuß, doch die Umsetzung scheitert in 99 Prozent aller Fälle an der Sucht der Menschen nach Geld und Macht. Die einmalige Anlage von 30.000 Euro und die laufenden Raten von 1.200 Euro werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in das Konzept des Anlegers passen. Nur stellt sich die Frage, wie groß die Gefahr ist, dass die Rechnung nicht aufgeht. Der Mann nimmt einen Kredit auf, und der Spartopf besteht aus einer Wohnung. Da kann von Streuung keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Hier wird mehr oder weniger alles auf eine Karte gesetzt. Wer sich dessen bewusst ist, kann mit dem Denkmal glücklich werden, doch wem diese Lösung zu sehr auf Kante genäht ist, sollte die Finger von diesem Modell lassen. Dann ist ein Indexfonds, bei dem die Sparraten in Hunderte von Unternehmen gesteckt werden, die bessere Lösung.

          Bei der Suche nach Alternativen ist denkbar, dass der Anleger an Verkäufer grüner Geldanlagen gerät. Solaranlagen und Windräder erfreuen sich trotz Pannen und Pleiten größter Beliebtheit. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Der Schutz der Umwelt beruhigt Gemüt und Seele. Zweitens: Die staatliche Garantie der Erträge ist eine Verlockung von besonderer Art. Drittens: Die hohen Steuervorteile befriedigen die Gier der Investoren. Die drei Motive sollten, so nachvollziehbar sie sind, nicht den Blick verstellen, dass Windräder auf Pump für den Aufbau der Altersversorgung selten die passenden Instrumente sind. Das wird in den Tabellen 2 und 5 deutlich.

          Zahlungsplan der Windkraftanlage mit Kredit

          In der zweiten Übersicht geht es um eine Windkraftanlage, die unter Einschluss aller Nebenkosten rund 530.000 Euro kostet. Der jährliche Ertrag liegt bei 50.000 Euro, und die Kosten betragen 10 Prozent. Folglich fließen dem Anleger jährlich 45.000 Euro zu, und der Über-schuss soll jedes Jahr um 1 Prozent steigen. Die Anlage wird wie die Immobilie mit Hilfe von wenig Eigenkapital (30.000 Euro) und viel Fremdkapital (500.000 Euro) bezahlt. Das Windrad ist nach 15 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes abgeschrieben. Es wird nur noch einen Bruchteil des Anschaffungspreises wert sein. Im vorliegenden Fall werden 31.250 Euro unterstellt, weil die amtliche Abschreibung insgesamt 16 Jahre läuft. Die Verbindlichkeiten werden nach 15 Jahren bis auf einen Restbetrag von 16.000 Euro getilgt sein.

          Das Ergebnis der Kombination steht in der fünften Tabelle. Die Rendite von 10,42 Prozent ist ein exzellentes Ergebnis, doch der Zahlungsstrom ist das Gegenteil des Immobiliensparplans. Der Anleger baut kein Kapital auf, sondern verrentet Geld. Steuervorteile im klassischen Sinne, also die Verminderung der Einkommensteuer, spielen bei diesem Modell keine Rolle. Die Erträge sind so hoch, dass trotz der Abschreibung und der Sollzinsen weitere Abgaben an den Fiskus anfallen. Das Windrad ist bei nüchterner Betrachtung der Dinge ein Entnahme- oder Rentenplan. Der Mann setzt 30.000 Euro ein und erhält 15 Rückzahlungen, die im Mittel bei 4.133 Euro liegen.

          Die Beurteilung dieses Zahlungsstroms muss zu dem Urteil führen, dass das Windrad, so hoch die Verzinsung ist, nicht in das Konzept dieses Anlegers passt, da die Ziele eben Steuerersparnis und Vermögensaufbau heißen. Sollte das Ziel dagegen Verrentung heißen, wird bei dieser Anlage mit Kanonen auf Spatzen geschossen, weil für diese Aufgabe weder ein Windrad noch ein Kredit in siebzehnfacher Höhe nötig sind. Es geht auch ein paar Nummern kleiner, wie der Berliner zu sagen beliebt. Sinn und Zweck haben Windräder auf Pump nur für Anleger, die sich in zehn Jahren zur Ruhe setzen und ihre Rente aufbessern wollen. Sie betrachten das Windrad als Spar- und Rentenplan mit einer Laufzeit von 20 Jahren. In der ersten Halbzeit wird der Kredit getilgt, und in der zweiten Halbzeit wird das Geld auf den Kopf gehauen.

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