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Die Vermögensfrage : So beteiligen Sie den Staat an den Pflegekosten

  • -Aktualisiert am

Die Kosten für die Pflege können steuerlich geltend gemacht werden. Bild: doc-stock

Was passiert mit den eigenen Eltern, wenn sie ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können? Der Gesetzgeber sagt: Auch Kinder müssen für die Pflege ihrer Eltern aufkommen. Das können sie steuerlich geltend machen.

          7 Min.

          Irgendwann stehen viele vor der Frage: Wohin mit Opa und Oma oder Mutter und Vater, wenn diese nicht mehr selbst für sich sorgen können? Von einer osteuropäischen Pflegekraft über ambulante Pflegedienste bis hin zu Altersheimen gibt es die unterschiedlichsten Modelle, alte Menschen zu unterstützen. Zur Herausforderung, wie Pflege oder Betreuung organisiert werden können, gesellen sich in der Regel hohe Kosten. Reichen Vermögen und Einkünfte der Betroffenen nicht, um die Pflege zu bezahlen, begleicht zunächst das Sozialamt die ausstehenden Rechnungen. Die Behörde prüft jedoch, ob Angehörige in gerader Linie in der Lage sind, die Kosten zu schultern. Denn nicht nur Eltern müssen für ihre Kinder sorgen. Umgekehrt gilt die Verpflichtung gleichermaßen. So ist es in Paragraph 1601 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelt.

          Steuerpflichtige können das Finanzamt an den Aufwendungen für Medikamente, Arztbesuche oder Pflegedienste beteiligen. Aber auch Kinder können Ausgaben für die Pflege ihrer Eltern steuerlich geltend machen – und zwar unabhängig davon, ob sie vom Sozialamt in die Pflicht genommen werden oder Vater und Mutter freiwillig unterstützen. Wer freiwillig zahlt, kann mitunter sogar mehr abrechnen. Doch dazu später mehr.

          Pflege zuhause

          Wie so oft im deutschen Steuerrecht machen es einem die Finanzämter nicht ganz leicht. Welche Ausgaben in welche Höhe und auf welchem Weg von Angehörigen steuerlich verrechnet werden können, hängt von verschiedenen Kriterien ab. So beispielsweise davon, ob Vater oder Mutter zu Hause oder in einem Heim gepflegt werden, ob der Medizinische Pflegedienst sie in eine Pflegestufe eingruppiert hat oder inwiefern sie in der Lage sind, die Kosten alleine zu übernehmen. Der Einfachheit halber fokussieren wir uns darauf, wie Kinder das Finanzamt an den Ausgaben für die Pflege der Eltern beteiligen können.

          71 Prozent der rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause gepflegt. Wer sich um Vater oder Mutter im eigenen Heim oder in deren eigenen vier Wänden kümmert, kann einen Pflege-Pauschbetrag in Höhe von 924 Euro im Jahr steuerlich geltend machen. Die Pauschale ist jedoch an restriktive Bedingungen geknüpft. So muss der Betroffene in Pflegestufe III eingruppiert sein oder im Behindertenausweis das Merkzeichen „H“ haben. Zudem muss die Pflege zumindest zum Teil eigenhändig durchgeführt werden. Und der Pflegende darf kein Geld erhalten.

          Überweist die Pflegekasse dem älteren Menschen Pflegegeld, empfiehlt es sich, dieses auf einem gesonderten Konto anzulegen und akribisch Buch zu führen. So lässt sich nachweisen, dass das Geld ausschließlich für Pflegedienste, Physiotherapie oder die Versorgung des Pflegebedürftigen verwendet wurde und der Pflegende keinen Cent erhalten hat. Nur dann akzeptieren die Finanzämter den Pflege-Pauschbetrag. Kümmern sich mehrere Angehörige um Vater oder Mutter, wird der Pauschbetrag nach Köpfen aufgeteilt. Eine Regelung, die in so mancher Familie zu Zwist führen dürfte. Denn bei der Aufteilung des Betrags ist unerheblich, wie stark sich der Einzelne einbringt. Die Pauschale nicken die Finanzämter auch ab, wenn die Eltern in einem Heim untergebracht werden und die Kinder die Pflege lediglich am Wochenende oder im Urlaub übernehmen. Tochter oder Sohn können zur Unterstützung auch einen ambulanten Pflegedienst engagieren und die Ausgaben neben dem Pflege-Pauschbetrag als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen.

          Steuervorteile sind an bestimmte Bedingungen geknüpft

          Was aber, wenn der Pflege-Pauschbetrag nicht in Frage kommt? Schließlich sind gerade einmal 17,6 Prozent der Pflegebedürftigen, die von Angehörigen zu Hause mit oder ohne Unterstützung eines Pflegedienstes betreut werden, in Pflegestufe III eingruppiert. „In diesem Fall können Sohn oder Tochter die Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art in unbegrenzter Höhe steuerlich geltend machen“, sagt Peter Kauth von Steurrat24.de. Diese Möglichkeit sollten Steuerzahler auch wählen, wenn die tatsächlichen Aufwendungen für Pflegedienste, Behandlungen beim Physiotherapeuten oder für einen kurzen Aufenthalt in einem Seniorenheim die 924 Euro im Jahr übersteigen. An der eigenen Pflegeleistung können Angehörige das Finanzamt jedoch nicht beteiligen. In diesem Fall argumentieren die findigen Finanzbeamten, es handle sich schließlich nicht um Ausgaben.

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