https://www.faz.net/-hbv-82arb

Die Vermögensfrage : So beteiligen Sie den Staat an den Pflegekosten

  • -Aktualisiert am

Wer eine Pflegekraft oder ambulante Pflegedienste im Haushalt des Pflegebedürftigen beschäftigt, kann die Ausgaben alternativ oder ergänzend als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich geltend machen (Tabelle II). „Die Pflegestufe spielt seit 2009 keine Rolle mehr“, sagt Steuerexperte Kauth. Wie hoch der Betrag ausfällt, an dem das Finanzamt beteiligt werden kann, hängt davon ab, in welcher Form die Hilfe im Haushalt des Pflegebedürftigen erfolgt. Wird die Person geringfügig beschäftigt und bei der Minijobzentrale gemeldet, können 20 Prozent der Kosten, maximal 510 Euro im Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Wer etwa eine osteuropäische Pflegekraft im Haushalt versicherungspflichtig anstellt oder einen ambulanten Pflegedienst oder eine Hilfe beschäftigt, die selbständig tätig sind, kann das Finanzamt an 20 Prozent der Kosten beteiligen, maximal 4000 Euro im Jahr. Den Betrag ziehen die Finanzbeamten direkt von der Steuerschuld ab. Bedingung ist jedoch, dass der Auftragnehmer eine Rechnung schreibt und der Steuerzahler den Betrag überweist.

Pflege im Heim

Sind Vater oder Mutter in einem Pflegeheim untergebracht, können nicht nur die Ausgaben für die Pflege, sondern auch für Unterkunft und Verpflegung als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend gemacht werden. Dazu gehören auch die Aufwendungen für eine Servicepauschale wie beispielsweise eine Notrufbereitschaft. Derart großzügig zeigen sich die Finanzämter jedoch nur, wenn mindestens Pflegestufe I oder eine Krankheit der Grund für den Heimaufenthalt sind. Dabei müssen Betroffene zudem beachten: Der Fiskus reduziert die Kosten fürs Pflegeheim – sofern der Pflegebedürftige seinen eigenen Haushalt aufgelöst hat – um eine sogenannte Haushaltsersparnis. 2014 sind dies 8354 Euro im Jahr. Übernehmen Sohn oder Tochter die Rechnung vom Pflegeheim, gilt auch in diesem Fall: Kinder können Zahlungen nur dann als außergewöhnliche Belastungen verrechnen, wenn Einkünfte und Bezüge der Eltern nicht reichen, um das Heim zu bezahlen.

Weniger spendabel zeigen sich die Finanzämter, wenn Senioren bei guter Gesundheit in ein Altersheim ziehen. Liegen weder eine Pflegestufe noch eine Krankheit vor, erkennt der Fiskus die Ausgaben für Unterbringung und Verpflegung nicht an. Erst ab Pflegestufe I nicken die Finanzämter die gesamten Heimkosten, also für Verpflegung, Unterbringung und Pflege ab.

Kinder, die Mutter oder Vater im eigenen Haushalt pflegen oder für die Heimkosten aufkommen, können auch typische Unterhaltsleistungen bis zur Höhe von 8354 Euro als außergewöhnliche Belastungen besonderer Art verrechnen. Diese wirken sich ab dem ersten Euro steuermindernd aus. Die Finanzämter kürzen den Höchstbetrag jedoch um eigene Einkünfte und Bezüge von Vater oder Mutter, sofern diese 624 Euro im Jahr überschreiten. Summa summarum bedeutet dies: Übersteigen Einkünfte und Bezüge des Empfängers den Unterhaltshöchstbetrag (8354 Euro) und den Anrechnungsfreibetrag (624 Euro), also insgesamt 8978 Euro, gibt es keine Steuerentlastung mehr für die Kinder.

Schenkungen

Bevor sich Sohn oder Tochter nun ans Rechnen machen, gilt es eine relevante Regelung zu beachten: Hat der Pflegebedürftige Vermögen an seine Kinder übertragen, können sie die Ausgaben für die Pflege erst dann als außergewöhnliche Belastungen verrechnen, wenn diese den Wert der Schenkung übersteigen.

Wer mit dem Pflegebedürftigen zum Arzt, zur Physiotherapie oder zum Einkaufen fährt, kann die Ausgaben für die Fahrten mit 30 Cent je Kilometer oder alternativ die tatsächlichen Ausgaben für Bahn- und Bustickets steuerlich geltend machen. Knausrig zeigen sich die Finanzämter jedoch bei den üblichen Besuchsfahrten der Kinder zu den pflegebedürftigen Eltern. An diesen beteiligt sich der Fiskus in der Regel nicht. Schließlich seien Besuche bei den Eltern nichts Außergewöhnliches, lautet das Argument der Finanzbehörden.

Weitere Themen

Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

Topmeldungen

Ehemaliger Außenminister : Tillerson keilt gegen Trump

Mehr als ein Jahr nach seiner Entlassung spricht Trumps ehemalige Außenminister Rex Tillerson im Kongress über seine Amtszeit. Dabei erhärtet er eine Sorge vieler Beobachter.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.