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Die Vermögensfrage : Schwieriges Schenken

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Bild: Kai

Senioren fällt schwer, ihr Vermögen zu verschenken. Die Gestaltung des Testaments und die Strukturierung des Vermögens sind hohe Hürden.

          Die Gestaltung des Privatvermögens ist im Alter nicht einfach. Meist geht es weniger um die Frage, ob die Geldanlagen eine jährliche Verzinsung von 2 oder 3 Prozent abwerfen, sondern in erster Linie darum, wie das Vermögen verteilt wird. Wie viel Geld behalten die Senioren, was schenken sie Kindern und Enkeln?

          Ein Beispiel: Ein vermögender Apotheker ist 80 Jahre alt. Die Ehefrau ist zwei Jahre jünger. Das Ehepaar hat drei Kinder im Alter von 50, 48 und 45 Jahren. Hinzu kommen acht Enkel, die zwischen 12 und 20 Jahre alt sind. Der Freiberufler ist zu einem beachtlichen Vermögen gekommen, wie ein Blick auf die wichtigsten Klassen zeigt. Die Summe des Bargelds und der Termingelder liegt bei 200.000 Euro. Die Anleihen haben einen Wert von 600.000 Euro. Hinzu kommt die Rente des Versorgungswerks. Sie beträgt 3000 Euro pro Monat. Das entspricht bei einer Restlaufzeit von zehn Jahren einem Kapitalwert von 300.000 Euro. Das Eigenheim könnte für 400.000 Euro verkauft werden. Die vermieteten Immobilien sind 1,2 Millionen Euro wert. Der Marktwert der Aktien liegt bei 400.000 Euro. Abgerundet wird das Vermögen durch Gold in der Größenordnung von 100.000 Euro. Das führt unter dem Strich zu einem Vermögen von 3,2 Millionen Euro.

          Viele Millionäre sind beim Geld „einsame“ Menschen

          Die Summe wird, wie das in diesem Land üblich ist, zu bissigen Kommentaren führen. Daher ist es kein Wunder, dass viele Millionäre beim Geld "einsame" Menschen sind. Sie haben das Vermögen mit den eigenen Händen aufgebaut. Trotzdem bleibt ihnen in der Regel die Anerkennung versagt. Hinzu kommt die Angst, das Vermögen durch Abgaben, Inflation und Fehlentscheidungen zu verlieren. Geldanlage am Ende des Lebens führt weniger zu der Frage, in welche Produkte das Kapital gesteckt wird, sondern fördert eher den Gedanken, wie das Vermögen verteilt werden soll. Die Überlegungen münden in der Frage, wie viel Geld die Senioren für sich brauchen. Dann geht es um die Frage, wie der Überschuss veräußert werden soll. Und zum Schluss wird es knifflig. Wird das Geld verschenkt oder vererbt? Und bei der zweiten Lösung ist festzulegen, wie das Geld bis zum Todestag angelegt werden soll.

          Die "einfachste" Frage dürfte die erste sein. Wie viel Geld brauchen die Eltern für sich? Die Antwort wird vom Ausgabeverhalten der Senioren abhängen, und da ist ein Blick in die Bücher notwendig. Wie hoch sind die Ausgaben für die Autos? Wie viel Geld kostet das Eigenheim? Wie teuer ist der Konsum? Wie hoch sind die Prämien für die Versicherungen? Es ist egal, wie hoch die Summe ist. Wichtig ist allein, dass der Betrag realistisch ist. Im vorliegenden Fall liegen die Aufwendungen bei 7000 Euro monatlich. Davon werden 3000 Euro durch das Versorgungswerk abgedeckt. Folglich fehlen 4000 Euro. Das Geld steht durch Mieten und Zinsen zur Verfügung, aber das ist nicht der springende Punkt. Viel wichtiger für die Strukturierung ist der Kapitalwert des Konsums. Wenn die Eltern zum Beispiel noch zehn Jahre leben, müssen 120 Raten à 4000 Euro beziehungsweise 480.000 Euro vorhanden sein, um über die Runden zu kommen.

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