https://www.faz.net/-hbv-xxb3

Die Vermögensfrage : Schwierige Geldanlage nach der Scheidung

Bild: F.A.Z.-Kai

Abfindungen nach der Scheidung stellen manche Frauen vor große Schwierigkeiten. Die Entscheidung für Eigenheim, Rente oder Kapitaldepot hängt von der Risikoneigung ab.

          4 Min.

          Geldanlagen nach der Ehescheidung bereiten Frauen, die nicht berufstätig waren, häufig Kopfschmerzen. Manche Frauen sind den täglichen Umgang mit Zehn- und Zwanzig-Euro-Scheinen gewohnt, haben aber Schwierigkeiten, wenn sie nach der Trennung größere Geldbeträge erhalten und fortan von diesem Vermögen leben müssen. Da geht es nicht um Vorsorge, sondern um Versorgung, was ein gewaltiger psychischer Unterschied ist. Vorsorge ist für viele Menschen eine Sache, die in der Zukunft liegt und in vielen Fällen nicht greifbar ist. Bei der Versorgung geht es aber nicht mehr um Träume, sondern um die nackte Existenz. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Eine Frau ist 60 Jahre alt. Sie hat sich vor einem halben Jahr von ihrem Mann scheiden lassen, weil er sich mit einer jungen Frau aus dem Staub gemacht hat. Nun ist die ältere Dame zwar frei, doch in finanzieller Hinsicht fühlt sie sich versklavt. Das Eigenheim musste verkauft werden. Die Renten aus den Versorgungskassen sind beim Mann geblieben. Dafür hat sie 600.000 Euro als Ausgleich erhalten. Das scheint viel Geld zu sein, doch der Betrag ist für ein Leben, das voraussichtlich noch 30 Jahre dauern wird, gar nicht so üppig.

          Die Anlage zu 3 Prozent ergibt nach Steuern eine Monatsrente von 1300 Euro. Wenn die Frau nicht nur von den Erträgen lebt, sondern im Laufe der Zeit das Vermögen aufzehrt, käme sie auf eine Monatsrente von 2400 Euro. Die beiden Werte berücksichtigen keine Entwertung des Geldes. Sollte die Inflation im Schnitt mit 2 Prozent pro Jahr zuschlagen, wird es düster im Lande. Dann sinkt die Monatsrente trotz des Kapitalverzehrs auf 1900 Euro.

          Sind private Renten mit Vorsicht zu genießen?

          Davon muss der gesamte Konsum bestritten werden. Der größte Posten wird die Miete sein. Hinzu kommen die Krankenkasse, Ernährung und Kleidung. Hier dürften schnell 1500 Euro zusammenkommen, so dass für Auto und Urlaub nicht viel übrigbleibt. Trotzdem besteht zu Panik kein Anlass. Die 600.000 Euro sind genug Geld für ein ordentliches Leben. Für große Sprünge reicht es nicht, so dass sich die Frage stellt, wie das Geld kleine Sprünge ermöglichen kann.

          Die einfachste Lösung ist die Überweisung der 600.000 Euro an eine Versicherung. Im Gegenzug erhält die Frau eine lebenslange Rente. Wenn das Geld zum Beispiel bei der Debeka angelegt wird, winkt eine Rente von 1974 Euro und bei der Hannoverschen Lebensversicherung 2110 Euro. In beiden Fällen handelt es sich um garantierte Renten. Ob die Unternehmen so viel zahlen können, wird aber trotz der Garantie von den künftigen Kapitalmarktzinsen abhängen.

          Hinter den 1974 Euro der Debeka verbirgt sich eine jährliche Rendite von 1,17 Prozent, wenn die Rente insgesamt 30 Jahre bezahlt wird. Die 2110 Euro der Hannoversche setzen eine Verzinsung von 1,66 Prozent voraus. Beide Werte erscheinen realistisch. Anders sieht die Sache aus, wenn die Überschussrenten betrachtet werden. Die Debeka hofft, ihren Rentnerinnen bei einem Anlagebetrag von 600000 Euro eine lebenslange Monatsrente von 2551 Euro bezahlen zu können, die jedes Jahr um 1 Prozent steigt. Und die Hannoversche stellt eine Gesamtrente von 2151 Euro in Aussicht, die jährlich um 2 Prozent klettert. Das ist ehrgeizig, weil die notwendigen Verzinsungen bei rund 4 4 Prozent liegen. Derzeit sind solche Werte mit risikolosen Anlagen, aber nicht zu erzielen. Heißt das im Klartext, dass private Renten mit Vorsicht zu genießen sind?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Was das alles kostet: Energieversorgung und Verkehr sind wegen der CO2-Bepreisung zuletzt teurer geworden.

          CO2-Preis : Beim Spritpreis hört der Spaß auf

          Klimaschutz ist ein Wahlkampfschlager, aber nur dann, wenn er möglichst wenig kostet. Wie lässt sich der CO2-Preis sozialverträglich erhöhen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.