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Die Vermögensfrage : Schulden minimieren!

  • -Aktualisiert am

Bild: Kai

Die Aufnahme von Hypotheken in Kombination mit einer Vermögensanlage sind in der Regel ein teures Vergnügen. Der Unwille, Vermögen anzutasten, kann großen Schaden anrichten. Die einfachsten Lösungen sind meist die besten.

          5 Min.

          Die Finanzierung selbstgenutzter Immobilien ist in der Theorie eine einfache Sache: Wer keine Risiken eingehen will, setzt so viel Eigenkapital wie möglich ein und tilgt die Schulden so zügig wie möglich. Das liegt an dem Umstand, dass Kredite in der Regel teurer als Geldanlagen sind. Die jährlichen Soll-Zinsen sind höher als die entsprechenden Haben-Zinsen, so dass es keinen Sinn macht, andere Wege zu beschreiten. In der Praxis sieht die Welt jedoch anders aus. Es gibt viele Anleger, die ihr bestehendes Vermögen nicht oder nur teilweise antasten. Genauso wird die Rückzahlung der Kredite in die Länge gezogen, um die monatliche Belastung zu senken. Schließlich werden bei der Rückzahlung fragwürdige Wege eingeschlagen, um die Zinsen zu senken. Auf diese Weise wird aus der Mücke schnell ein Elefant. Die Auswirkungen werden im folgenden Fall deutlich.

          Ein Ehepaar ist zusammen 105 Jahre alt. Er ist 55 Jahre alt, sie 50 Jahre. Beide sind Beamte. Er ist Anwalt, und sie ist Ärztin. Das monatliche Nettoeinkommen beträgt 12.000 Euro. Kinder sind nicht vorhanden. Stattdessen liegen 800.000 Euro auf dem Konto.

          Das Paar lebt zur Miete. Nun ist der Wunsch aufgekommen, in der Nachbarschaft eine Altbauwohnung zu kaufen. Das gute Stück ist nicht ganz billig. Es kostet etwa 700.000 Euro, weil das Objekt in bester Lage einer süddeutschen Universitätsstadt liegt - dort sind die Preise eben so hoch.

          Bei den „Sahnekunden“ langt der Berater zu

          Der Kauf und die Bezahlung der Wohnung sind kein Problem, weil genügend Geld vorhanden ist. Die Barzahlung kommt für die beiden Beamten, die großen Wert auf Sicherheit legen, aber aus unerfindlichen Gründen nicht in Frage. Stattdessen gehen sie zu ihrer Hausbank und erkundigen sich nach einem Kredit.

          Die beiden sind für die Bank wahre „Sahnekunden“, so dass es kein Wunder ist, dass der Berater herzhaft zulangt. Er schlägt dem Ehepaar zwei Darlehen und einen Bausparvertrag vor. Der erste Kredit beträgt 500.000 Euro, und der zweite Kredit liegt bei 200.000 Euro. Der große Baustein kostet 4,4 Prozent Zinsen pro Jahr. Die Zinsbindung beträgt 15 Jahre - und in dieser Zeit sollen die Schulden mit 1 Prozent getilgt werden. Der kleine Block besteht aus einem Festdarlehen und aus einem Bausparvertrag von jeweils 200.000 Euro.

          Die Geldanlage soll umgehend mit dem Mindestsparguthaben von 100.000 Euro aufgefüllt werden, damit der Vertrag in drei Jahren zugeteilt werden kann. Bis dahin sind für die 200.000 Euro jährlich 3,6 Prozent zu zahlen.

          Nach 15 Jahren noch immer 411.000 Euro Restschuld

          Dieser Vorschlag ist in vielen Banken gängige Praxis. Die Konditionen sind ordentliches Mittelmaß. Trotzdem stellen sich die Anleger die Frage, ob die Finanzierung solide ist. Die Antwort hängt - um es vorsichtig zu formulieren - vom Standpunkt ab.

          Aus dem Blickwinkel der Bank ist die Finanzierung ein Bombengeschäft - aus Sicht der Privatleute ist die Finanzierung jedoch eine Katastrophe. Das wird im Zahlungsplan deutlich. Hier kommen sowohl die Kosten als auch die Laufzeit zum Vorschein. Das bietet Stoff für abendfüllende Diskussionen.

          Der große Kredit beträgt insgesamt 500.000 Euro. Er kostet wie gesagt 4,4 Prozent pro Jahr. Die Zinsbindung dauert 15 Jahre. Die Tilgung beträgt 1 Prozent. Das führt zu 180 Raten von jeweils 2.250 Euro. Die Restschuld nach 15 Jahren wird bei einem planmäßigen Verlauf des Darlehens noch 411.000 Euro betragen. Wie es weitergehen wird - die Anleger werden zu diesem Zeitpunkt bereits 70 und 65 Jahre alt sein - steht in den Sternen.

          Geld lieber anlegen, statt auszugeben

          Der kleine Kredit liegt bei 200.000 Euro. Der Zins beträgt 3,6 Prozent. Bis zur Zuteilung des Bausparvertrages sollen drei Jahre vergehen, so dass 36 Zinsraten à 600 Euro anfallen. Nach der Zuteilung des Bausparvertrags klettert die monatliche Rate auf 1.600 Euro, weil der Sparvertrag nach den Vorschriften der Bausparkasse innerhalb von 5,75 Jahren zurückzuzahlen ist. Daher fallen 69 Raten à 1.600 Euro an.

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