https://www.faz.net/-hbv-139lt

Die Vermögensfrage : Schulden in jungen Jahren enden in finanzieller Sackgasse

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Finanzkaufleute stehen im Ruf, nachlässig mit dem eigenem Geld umzugehen. Der solide Vermögensaufbau beginnt mit der Absicherung hoher Risiken und einer Rücklage in kurzfristige Sparverträge.

          Es ist eine Binsenweisheit, dass Schuster die schlechtesten Schuhe tragen. Das ist in anderen Berufen nicht besser. Finanzkaufleute etwa stehen im Ruf, nachlässig mit eigenem Geld umzugehen. Ein Beispielfall: Ein junger Mann ist 21 Jahre alt. Er hat vor zwei Jahren sein Abitur gemacht und vor einem Jahr den Ersatzdienst beendet. Weil der Bursche danach keine Anstalten machte, einen Beruf zu ergreifen, steckte ihn der Vater kurzerhand in eine Bank, 700 Kilometer vom Elternhaus entfernt. Der Schritt zeigt erste Erfolge. Der junge Mann muss sich in der Fremde zurechtfinden, und er hat begriffen, dass Kleidung und Verpflegung nicht vom Himmel fallen. Am soliden Umgang mit Geld muss allerdings noch gefeilt werden, wie ein Blick auf die jüngsten Ereignisse zeigt.

          Das aktuelle Gehalt des angehenden Bankkaufmannes beträgt 830 Euro im Monat. Davon bleiben genau 566 Euro übrig, weil 264 Euro für Arbeitslosenversicherung, Krankenkasse, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Verkehrsverbund, Versorgungswerk und Kantine abgezogen werden. Die 566 Euro scheinen für das Leben aber nicht zu reichen. Obwohl Vater sämtliche Kosten der Unterkunft bezahlt, steht der Filius beim Arbeitgeber und bei Freunden mit 1500 Euro in der Kreide.

          Was bewegt den Gesellen zum Verkauf langfristiger Sparverträge?

          Anstatt sich sofort um die Tilgung zu kümmern, denkt der Kaufmann zur Anstellung an den Ruhestand. Er hat vor einigen Tagen einen Vermittler aufgesucht, um für das Alter vorzusorgen. Der Kollege ist sieben Jahre älter, aus dem Blickwinkel des Jüngeren also ein alter Hase, doch was bei dem Gespräch herausgekommen ist, spricht nicht gerade für Qualität in der Finanzberatung. Der Vermittler hat dem jungen Mann zuerst eine Riester-Rente angedreht, um die staatlichen Zulagen abzugreifen. Dann hat er ihm eine Berufsunfähigkeitsversicherung vermittelt. Die zweite Idee ist zwar gut, aber die Umsetzung schlecht. Es handelt sich nämlich um eine Versicherung mit Sparvertrag, bei dem in 46 Jahren und mit dreiprozentiger Verzinsung der Einzahlungen etwa 84.000 Euro zurückfließen sollen.

          Die beiden Verträge belasten die Haushaltskasse des jungen Mannes mit 68 Euro im Monat. Das sind rund 12 Prozent des Nettoeinkommens. Gegen die Sparquote von 12 Prozent ist nichts einzuwenden, weil rechtzeitiges Sparen noch nie geschadet hat. Nur drängt sich im vorliegenden Fall die Frage auf, wer der größere Fachmann ist. Was treibt den Lehrling zu Schulden und Altersvorsorge, und was bewegt den Gesellen zum Verkauf langfristiger Sparverträge?

          Die Tilgung von Konsumschulden

          Der Vermittler ist zu Recht davon überzeugt, dass die Berufsunfähigkeit ein hohes Risiko ist. Er verfolgt aber auch den eigenen Nutzen. Die Police ist mit zwei Investmentfonds verknüpft, weil dafür eine Provision von 1000 Euro winkt. Gegen den Verkäufer spricht, dass er sich für die Lebensumstände seines Kollegen nicht sonderlich interessiert.

          Der Lehrling hat zwar Abitur, doch dem jungen Mann ist beim Einstieg in die Berufswelt das Gefühl für die finanzielle Wirklichkeit abhandengekommen. Er hat nicht verstanden, dass die beste Vermögensstrategie der Konsumverzicht und die zweitbeste die Tilgung von Konsumschulden ist. Dafür weiß er aber, was ein „Call“ ist. Außerdem kann er mit beredten Worten die optimale Asset-Allokation erläutern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.