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Die Vermögensfrage : Schenkungen zu Lebzeiten sind ein großes Problem

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Es gibt Banken, die es mit viel Geschick erreicht haben, in Heimen und Stiften eigene Filialen einzurichten. Die günstige und sichere Geldanlage stellt ältere Menschen aber vor Schwierigkeiten, die in Krisenzeiten noch viel größer sind.

          Altersheime sind Bankfilialen mit höchster Ertragskraft. Die Aussage mag bei Leuten, welche die Szene nicht kennen, gewisses Stirnrunzeln auslösen, doch wer hinter die Kulissen blicken kann, kennt auch die Geldgeschäfte, die dort ablaufen. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl „gehobener“ Residenzen und Stifte, in denen wohlhabende Senioren leben. Die Menschen können ihren Lebensabend frei von Geldsorgen genießen. Sie haben in den Anlagen eigene Wohnungen, sie werden rund um die Uhr betreut, und in den Häusern werden viele Konzerte und Vorträge angeboten. Das ist freilich nicht alles.

          Zu dem Sorglospaket gehört hier und dort auch die Betreuung in finanziellen Dingen, und da gibt es einige Banken, die es mit viel Geschick erreicht haben, in den Heimen und Stiften eigene Filialen einzurichten. Die kleinen Zweigstellen sind in der Regel wahre Goldgruben. Die Senioren sind wohlhabende Anleger, und sie sind für die Banken ideale Kunden. Sie haben Geld, sie freuen sich über persönliche Ansprache, und wenn das Vertrauen einmal aufgebaut worden ist, stellen die alten Herrschaften kaum noch Fragen, sondern kaufen die Finanzprodukte, die ihnen vorgeschlagen worden sind. Das sind für Banken paradiesische Zustände, und es ist verständlich, dass die Institute solche Pfründe mit Händen und Füßen gegen Eindringlinge verteidigen.

          Zu kompliziert und zu undurchsichtig

          Die Geschäfte in diesen Altersheimen sind, das liegt in der Natur der Sache, nicht immer feinster Natur. Verkauft wird, was Geld bringt. Und wer verdient, bestimmt die Bank, so wie zum Beispiel auch im folgendem Fall. Eine 78 Jahre alte Dame lebt in einem oberbayerischen Seniorenstift. Sie ist rüstig und hat viel Geld auf dem Konto. Es handelt sich um 750.000 Euro, die sie von ihrem Mann geerbt hat, der vor vier Jahren gestorben ist. Außerdem bezieht sie zwei Witwenrenten von 4000 Euro im Monat. Die beiden Renten reichen aus, um das Leben in dem Heim zu bezahlen, so dass der „Rest“ im wahrsten Sinne des Wortes zur freien Verfügung steht.

          Das sah und sieht die Hausbank der vitalen Dame nicht anders. Sie hat das Depot der Anlegerin seit dem Tod des Mannes dreimal auf den Kopf gestellt, doch beim letzten Mal muss sie den Bogen überspannt haben. Die Anlegerin hat das Gefühl, über den Tisch gezogen worden zu sein. Und sie ist mit den Produkten, die sie gekauft hat, nicht mehr zufrieden. Irgendwie ist ihr alles zu kompliziert und zu undurchsichtig geworden. Die schlechten Wirtschaftsnachrichten in den Medien verunsichern sie in hohem Maße, so dass es kein Wunder ist, dass sich die Dame in finanziellen Dingen nach Ruhe sehnt.

          Die Umsetzung war für die alte Dame ein teures Vergnügen

          Davon ist sie im Augenblick freilich ein ganzes Stück entfernt. Erstens liegt das Geld bei einer Bank, und zweitens lassen die Anlagen viele Wünsche offen. Die 750.000 Euro, die noch auf den Konten liegen, sind auf viele Töpfe verteilt worden. Etwa 50.000 Euro liegen auf dem Girokonto, und rund 100.000 Euro sind in Festgeld investiert worden. Die übrigen 600.000 Euro sind in Anleihen, Zertifikate, Immobilien, Aktien und Beteiligungen geflossen. Gegen die Aufteilung ist nichts einzuwenden, doch die Umsetzung war für die alte Dame ein teures Vergnügen.

          Die 600.000 Euro haben der Bank eine Provision von 40.000 Euro in die Kasse gespült, weil die meisten Geschäfte mit Hilfe hauseigener Produkte und konzerneigener Fonds abgewickelt worden sind. Das ist viel Geld, und es liegt auf der Hand, auf die Bank zu schimpfen. Das wäre allerdings unfair. Erstens ist es nicht verwerflich, dass die Bank ihre Interessen verfolgt hat. Und zweitens muss sich die Anlegerin die Frage gefallen lassen, warum sie das Geld nicht anders angelegt hat.

          Es kommen Ängste ans Tageslicht

          Die alte Dame hat aus zwei Versorgungswerken monatliche Einkünfte von 4000 Euro, die ihrer Meinung nach sicher sind. Sie erlauben ihr in dem Heim ein sorgenfreies Leben, so dass sie auf das Vermögen nicht angewiesen ist. Das „überflüssige“ Kapital sollen nach ihrem Tod die beiden Kinder bekommen. Doch auf die naheliegende Frage, weshalb sie ihren Sprösslingen einen Teil des Geldes nicht schon heute schenkt, will die Anlegerin nicht so recht antworten. Da ist die Rede von Unsicherheit, was die Zukunft bringen wird. Es kommen Ängste ans Tageslicht, dass das Kapital nicht ausreichen könne. Und da wird die Sorge laut, dass die Kinder das Erbe auf den Kopf hauen könnten.

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