https://www.faz.net/-hbv-wj5i

Die Vermögensfrage : Riskante Alternative zum Bauspardarlehen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Statt Kredite laufend zu tilgen, können Bauherren das Geld auch in Aktien investieren. Die Rechnung kann aufgehen. Doch sie ist mit Risiken verbunden und kommt nur für Menschen mit starken Nerven in Frage.

          4 Min.

          Bausparverträge sind in den Augen vieler Anleger die besten Werkzeuge, wenn es um die Finanzierung von Immobilien geht. Die Zinsen sind in der Sparphase und in der Tilgungsphase fest, was vor unliebsamen Überraschungen schützt. Das sieht bei freien Geldanlagen und Krediten anders aus. Hier fließt das Kapital in der Sparphase in Anleihen und Aktien, deren Erträge schwanken, und in der Tilgungsphase kann es zu Zinswechseln kommen.

          Die überschaubaren Konditionen des Bausparens sorgen bei den Kassen jedes Jahr für Neugeschäft, und hinter den Abschlüssen verbergen sich nicht nur Mieter, die vom Eigenheim träumen, sondern auch Investoren, die mit den Verträgen vermietete Immobilien finanzieren. Auch sie sind glücklich, wenn die Verträge zugeteilt werden, und im Überschwang der Gefühle fragt kein Mensch nach den Kosten.

          Ein zuteilungsreifer Vertrag

          Ein Anleger hat vor Jahren einen Bausparvertrag über 200.000 Euro abgeschlossen. Die Motive für die hohe Summe sind überzeugend. Der Mann will mit Hilfe vermieteter Immobilien für das Alter vorsorgen, und er möchte beim Kauf mit vollen Händen dastehen. Dafür ist die Zeit gekommen. Auf dem Bausparkonto liegen 100.000 Euro, so dass der Vertrag zuteilungsreif ist.

          Bausparen oder nicht - das ist die Frage

          Die Bausparkasse hat dem Sparer mitgeteilt, dass der Kredit zum Kurs von 100 Prozent abgerufen werden könne. Der Sollzins wird 3,75 Prozent pro Jahr betragen und während der Rückzahlung fest sein. Die Tilgung wird zehn Jahre dauern bei monatlichen Raten für Zins und Tilgung von 1.000 Euro. Das führt zu einem effektiven Jahreszins von 3,82 Prozent, so dass die Welt für den Anleger in finanzieller Hinsicht in Ordnung ist. Jetzt muss zur Abrundung nur noch das richtige Objekt gefunden werden, doch darüber macht sich der Anleger keine Sorgen.

          Kopfschmerzen bereitet ihm eher die Aussage eines Vermittlers, dass der Bausparkredit Unfug sei. Es sei zwar richtig, dass der Kredit effektiv nur 3,8 Prozent koste, doch das sei immer noch zu viel. Bei einem Steuersatz von 40 Prozent koste der Kredit jährlich 2,3 Prozent. Da sei es billiger, den Bausparvertrag in ein Festdarlehen zu tauschen und den Kredit mit Hilfe von Anleihen und Aktien zu tilgen. Der Anleger versteht die Zusammenhänge zwischen Kosten und Renditen nicht, so dass er auf der einen Seite die Sorge hat, Geld in den Sand zu setzen, auf der anderen Seite aber das Gefühl nicht los wird, dass der Vermittler ihm etwas aufschwatzen will.

          Ein umgekehrter Sparvertrag

          Der Vermittler hat nicht unrecht, doch die pauschale Aussage, dass der Bausparvertrag Unfug sei, ist übertrieben. Der Anleger will vermietete Immobilien im Wert von 200.000 Euro erwerben. Davon kann er 100.000 Euro selbst begleichen, und 100.000 Euro müssen mit Hilfe von Krediten bezahlt werden. Das Bauspardarlehen kostet nach Steuern etwa 2,1 Prozent, weil die Zinsen als Werbungskosten absetzbar sind und der Anleger pro Jahr rund 75.000 Euro versteuert.

          Die Tilgung des Bausparkredites ist für den Anleger ein umgekehrter Sparvertrag. Er zahlt der Bausparkasse monatlich 1.000 Euro, so dass er durch die fortschreitende Tilgung jährlich 3,75 Prozent Zinsen vor Steuern oder 2,1 Prozent nach Steuern erspart. Dadurch liegt die Rendite der Monatsraten in der Tat bei 2,1 Prozent, und es stellt sich die Frage, wie günstig die Verzinsung ist. Die Antwort hängt von den Alternativen ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.