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Die Vermögensfrage : Risikovorsorge ist für viele Anleger ein Fremdwort

  • -Aktualisiert am

Zu hohe Konzentration in Immobilien: Die deutschen Anleger nehmen den vorhandenen Wohlstand in der Regel falsch wahr Bild: plainpicture/apply pictures

Der Verzicht auf Aktien und die Konzentration auf Anleihen und Immobilien führt in vielen Haushalten zu hohen Risiken.

          8 Min.

          Die Zinsen sind im Keller, und es sind zurzeit keine Anzeichen erkennbar, dass sich daran in naher Zukunft viel ändern wird. Das sind keine Neuigkeiten. Interessant ist vielmehr, wie die meisten Anleger mit diesem Notstand umgehen. Die ersten lassen ihr Geld auf Tagesgeldkonto liegen, schimpfen über die Politik und hoffen auf bessere Zeiten. Die zweiten werden zu Schnäppchenjägern und wechseln die Banken wie Hemden, um in den Genuss geringster Zinsvorteile zu kommen. Die dritten stecken ihr Geld – oft in Verbindung mit Krediten – in vermietete Immobilien. Die vierten versuchen ihr Glück mit geschlossenen Beteiligungen, weil dort hohe Renditen winken.

          Gemeinsam ist allen Akteuren die Angst vor Aktien. Sie führen in Deutschland ein Schattendasein, und wie bei den Magerzinsen für Festgeld, Sparbücher und Anleihen sind keine Anzeichen zu sehen, dass sich an der Furcht vor der Börse in den nächsten Jahren viel ändern wird. Warum? Die Forschung nach Ursachen ist schwierig, weil es den einen Grund nicht gibt. Trotzdem wird die Diagnose am Ende lauten, dass die meisten Anleger mit Risiken nicht umgehen können. Sie sind auf der einen Seite süchtig nach Sicherheit, doch sie setzen ihr Geld auf der anderen Seite durch den Verzicht auf Aktien großen Gefahren aus. Das widersprüchliche Verhalten wird in folgendem Beispiel deutlich.

          Ein Ingenieur ist 55 Jahre alt und Abteilungsleiter in einem Unternehmen der Industrie. Er ist mit einer Lehrerin verheiratet, die zwei Jahre jünger ist. Das Paar hat drei Kinder, die alle studieren. Die beiden Anleger verdienen pro Jahr ungefähr 150.000 Euro, und die hohen Verdienste haben für entsprechendes Vermögen gesorgt. Der Mann hat ab dem 66. Lebensjahr zwei Rentenansprüche von insgesamt 3000 Euro. Die Frau kann nach dem 65. Geburtstag auf eine Pension von 2000 Euro vertrauen. Das selbstgenutzte Eigenheim ist schuldenfrei und 350.000 Euro wert. Was früher in die Kredite floss, geht heute in die Ausbildung der Kinder. Nun hat der Mann etwa 200.000 Euro geerbt, und das Ehepaar stellt sich die Frage, wie das Kapital angelegt werden soll: Festgeld, Sparbriefe, Immobilien, Kapitalversicherung oder Umweltfonds?

          Unlogische Art und Weise

          Die Frage wird in dieser oder ähnlicher Form jeden Tag tausendfach in Deutschland gestellt, und die Antwort wird – aus welchen Gründen auch immer – in neun von zehn Fällen auf höchst unlogische Art und Weise gesucht. Die Ungereimtheiten beginnen mit der Tatsache, dass der vorhandene Wohlstand falsch wahrgenommen wird. Dann werden Risiken und Chancen einzelner Geldanlagen falsch eingeschätzt. Und die Suche nach der passenden Anlage endet in vielen Fällen mit einer Unterschrift unter Verträge, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zur Persönlichkeit der Anleger passt, weil sich die Leute überschätzen.

          Im vorliegenden Fall passt das Vermögen der beiden Akademiker auf einen Bierdeckel. Die Rentenansprüche des Mannes sind etwa 405.000 Euro wert. Die Pension der Frau stellt einen Wert von rund 254.000 Euro dar. Das Haus ist zur Zeit ungefähr 350.000 Euro wert. Nun kommt die Erbschaft von 200.000 Euro hinzu. Das führt unter dem Strich zu einem Vermögen von 1.209.000 Euro. Das wird dem Ehepaar in dieser Form nicht bewusst sein. Genauso wird den Privatleuten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht klar sein, dass das ansehnliche Vermögen aus gerade mal fünf Posten besteht: einer Staatsrente, einer Betriebsrente, einer Pension, einem Haus und einem Sack voller Bargeld.

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