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Die Vermögensfrage : Politiker-Pensionen gehen in die Millionen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul wurden mit goldenem Handschlag in den Ruhestand verabschiedet. Der Barwert ist einige Millionen Euro.

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          In dieser Woche sind in Berlin einige Minister und Ministerinnen mit goldenem Handschlag in den Ruhestand verabschiedet worden. Das Rennen dürften in diesem Jahr zwei Damen mit feinem Gespür für Geld gemacht haben. Ulla Schmidt, ehemals Gesundheitsministerin, und Heidemarie Wieczorek-Zeul, vormals Entwicklungshilfeministerin, können beziehungsweise könnten sich mit monatlichen Pensionen von 8410 und 9430 Euro zur Ruhe setzen.

          Das sieht auf den ersten Blick danach aus, als habe die rote Heidi der forschen Ulla, wie die beiden Damen in Fachkreisen genannt werden, den Rang abgelaufen, doch wer die beiden Frauen in finanzieller Hinsicht unter die Lupe nimmt, wird schnell zu anderen Ergebnissen kommen. Die Erste bekommt zwar mehr Geld auf die Hand, doch die Zweite ist die bessere Partie.

          Rente von Ulla Schmidt kostet statistisch gesehen mehr

          Ulla Schmidt ist 60 Jahre alt und wird vermutlich - das ist der statistische Erwartungswert - noch 28 Jahre leben. Folglich würde sie vom Steuerzahler, wenn sie sich jetzt zur Ruhe setzt, 28 mal 12 mal 8410 Euro bekommen. Das sind in der Summe aufgerundet 2.826.000 Euro. Heidemarie Wieczorek-Zeul ist versicherungstechnisch gesehen schon etwas in die Jahre gekommen. Sie wurde 1942 geboren, ist folglich 67 Jahre jung, und da verrät der kundige Blick in die Sterbetafel 2009, dass mit dem allfälligen Hinschied, wie der Schweizer zu sagen pflegt, in 22 Jahren zu rechnen sein wird. Entsprechend wird diese Ministerin a. D. den Staat noch 22 mal 12 mal 9430 Euro kosten. Das sind unter dem Strich ungefähr 2.490.000 Euro.

          Die Differenz beträgt also 336.000 Euro. In Wirklichkeit ist aber der Unterschied viel geringer, weil die künftigen Renten auf die Gegenwart abgezinst werden müssen. Bei einem Satz von 3,5 Prozent pro Jahr und einem jährlichen Anstieg der Renten um 1 Prozent sind die beiden Bezüge heute 2.284.000 und 2.102.000 Euro wert. Das wird den gemeinen Steuerzahler erzürnen, das mag viel Stoff für heiße Diskussionen liefern, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die beiden Damen in finanzwirtschaftlicher Hinsicht optimale Entscheidungen getroffen haben.

          Ansprüche im Barwert von zwei Millionen Euro nach 20 Jahren

          Heidemarie Wieczorek-Zeul hat, wie ein Blick auf ihre Homepage zeigt, Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert. Anschließend war sie neun Jahre lang Lehrerin in Rüsselsheim. Ähnlich lief es, wenn das Internet nicht lügt, auch bei Ulla Schmidt. Sie hat Psychologie in Aachen studiert und war danach neun Jahre als Lehrerin in Stolberg tätig. Das sind anständige Brotberufe, doch so viel Geld ist in diesem Metier nicht zu verdienen. Daher ehrt es beide Frauen, dass sie ihr Leben in die Hände genommen haben. Beide sind in die Politik gegangen, beide haben Karriere gemacht, beide haben gutes Geld verdient.

          Ulla Schmidt ist seit 1987 im Bundestag, und Heidemarie Wieczorek-Zeul sitzt seit 1990 im Parlament. Das bedeutet in Zahlen, dass sich die beiden Damen im Laufe von nur 20 Jahren stattliche Ansprüche im Barwert von jeweils zwei Millionen Euro aufgebaut haben. Der Bewunderer wird hervorheben, dass das die Belohnung für persönlichen Ehrgeiz und Fleiß sei, und der Neider wird entgegnen, dass die Staatskasse um hohe Beträge erleichtert wird.

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