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Die Vermögensfrage : Ohne Zins fehlt im Alter viel Geld

Neuanleger muss Geld mindestens zwei Jahre im Fonds belassen

Doch der Markt in Deutschland gibt nicht mehr viel her. In Städten wie Bremen gibt es zwei bis drei Objekte, die groß genug sind für die Ansprüche der offenen Immobilienfonds. Einfacher haben es da die auf Europa oder die ganze Welt ausgerichteten Fonds. „Irgendwo auf der Welt ist der Immobilienzyklus immer gut“, heißt es dazu von der Deutschen Bank, die global eigene Fachleute vor Ort hat und mit ihren Fonds Grundbesitz Europa und Grundbesitz Global am Markt ist, während der neue Fonds Grundbesitz Deutschland derzeit keine neuen Mittel mehr annimmt. Die Sparkassenfondsgesellschaft Deka hat für ihre Fonds Deka Immobilien Europa und Deka Immobilien Global zwar keinen generellen Annahmestopp verhängt. Die Nachfrage kann aber dennoch nicht vollständig befriedigt werden. Für jede Sparkasse ist ein jährliches Kontingent für die Immobilienfonds festgesetzt worden, die je nach Sparkasse schon ausgeschöpft sind. Der Commerzbank-Fonds Hausinvest nimmt indes weiter Mittel an. Bis April wurden zwar schon so viele Zuflüsse erreicht wie im gesamten Jahr 2015. Doch bislang kann der Fonds die Mittel zur Reduzierung der Fremdfinanzierung und für Neuinvestitionen noch gut verwenden.

Die Gefahr, dass die Kunden ihr nun zufließendes Geld aus den offenen Immobilienfonds auch schnell wieder abziehen, ist durch die neuen Vorschriften für die Fonds gemindert. Mindestens zwei Jahre muss ein Neuanleger das Geld im Fonds belassen. Die Kündigungsfrist beträgt ein Jahr. „Dennoch ist die Gefahr eines Ausverkaufs nicht gebannt, wenn die Stimmung eines Tages kippt“, warnt Analystin Knorr. Denn im Durchschnitt stammt der größte Teil der Einlagen immer noch von Altanlegern – und die dürfen auch weiterhin Anteile im Wert von bis zu 30.000 Euro von heute auf morgen zurückgeben.

Mischfonds sind keine Schnäppchen

Gleichwohl stuft die Analystin alle genannten offenen Immobilienfonds mit guten und sehr guten Noten ein. Die Anleger sollten jedoch einen Blick auf die mitunter hohen Gebühren werfen. Vor allem der Ausgabeaufschlag von oft 5 Prozent mindert die Rendite nach Kosten erheblich. Union Investment und Deka schaffen es, diese hohen Gebühren am Markt weitgehend durchzusetzen. Für die Fonds der Deutschen Bank und der Commerzbank finden sich hingegen immer wieder Aktionen mit reduziertem Ausgabeaufschlag. Auch wer den Hausinvest-Fonds über die Internetseite Hausinvest.de erwirbt, kann mit Gebührenrabatten rechnen.

Ebenfalls kein Schnäppchen sind die Mischfonds und damit die zweite Fondskategorie, die von der Niedrigzinsphase besonders profitiert. Die Anleger erhalten hier eine Mischung aus Aktien und Anleihen. Ihnen wird suggeriert, dass ein Fondsmanager mit seiner Expertise stets weiß, welche Kategorie gerade zu bevorzugen ist. Das klappt natürlich nicht immer. Der Anleger hat aber das Gefühl, von der eigentlich unbeliebten Anlageform Aktien doch ein wenig zu profitieren und fühlt sich mit der angeblich sicheren Anlageform Anleihen zur Risikominderung ganz wohl. Im Ergebnis liegen Mischfonds in der Tat sowohl bei Risiko wie bei Rendite zwischen Aktien und Anleihen. Das sind aber Durchschnittswerte. Vor dem Kauf sollten die Anleger sich daher zumindest die Mühe machen und die Historie des Fonds betrachten. Das ist zwar keine Garantie für die Zukunft, aber ein wichtiges Indiz.

Kunden sollten nach Indexfonds fragen

Die Gebühren der Fonds sollten zudem nicht unterschätzt werden. So wie der Zinseszins gerade langfristig eine große Bedeutung hat, wirken die Gebühren ebenso bedeutsam in die Gegenrichtung. Ein Fonds mit 5 Prozent jährlicher Rendite und 1,5 Prozent Gebühren im Jahr plus 5 Prozent Ausgabeaufschlag, lässt nach 30 Jahren und monatlicher Einzahlung von 300 Euro am Ende 178.000 Euro erwarten. Wer allerdings ein renditegleiches Produkt ohne Ausgabeaufschlag und mit 0,15 Prozent jährlicher Gebühr findet, kommt auf 238.000 Euro. Im ersten Fall fielen 390.00 Euro Gebühren an, im zweiten Fall 4000 Euro. Die übrige Differenz von 25.000 Euro sind der entgangene Zinseszins auf die gezahlten Gebühren.

Gerade weil die Bankberater es ihren Kunden nie aktiv anbieten werden, sollten die Anleger nach Indexfonds (ETFs) fragen. Denn der beschriebene Unterschied zwischen den Fonds ist keine Fiktion, sondern der aktuelle Preisunterschied zwischen einem vom Fondsmanager geführten Fonds und einem einen Index nachbildenden Fonds. In vielen Fällen ist der teure Fondsmanager sein Geld nicht wert. Er erwirtschaftet keine Mehrrendite. Gerade in den großen Märkten wie deutschen oder europäischen Anleihen oder Aktien lohnt daher langfristig der Kauf eines ETF. Wer sich dann sogar zumindest als Beimischung an Aktienfonds heranwagt, der kann den schönen Zinseszinseffekt des Dax voll mitnehmen.

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