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Die Vermögensfrage : Ohne Zins fehlt im Alter viel Geld

Steigende Nachfrage nach offenen Immobilienfonds

Allerdings leidet die Sparzufriedenheit unter den Niedrigzinsen. Das Interesse an Alternativen zu Zinsprodukten steigt daher, je länger die Niedrigzinsphase dauert. Besonders augenfällig wird dies am Beispiel der offenen Immobilienfonds. Als sie 2011/2012 in eine tiefe Krise gerieten, schien ihr Ende nahe. Anleger zogen plötzlich größere Beträge ab. Die Fonds konnten jedoch nicht so schnell Immobilien verkaufen und damit den Anlegern ihr Geld nicht sofort zurückzahlen. Die Fonds schlossen, teilweise bis heute. Doch eine vernünftige Abwicklung der meisten Krisenfälle und eine neue Regulierung, die solche Extremfälle künftig vermeiden soll, haben der Branche wieder Vertrauen beschert. Die Nachfrage ist größer denn je. Dabei sind die Renditen nicht üppig. Zwei bis drei Prozent sind es nach Kosten bei den meisten Fonds. Doch das ist immerhin sichtbar mehr als auf den Sparbüchern oder Tagesgeldkonten. Und was den meisten Anlegern noch wichtiger ist: die Erträge schwanken kaum. Die regelmäßigen Ausschüttungen der Erträge sind stabil. Die breit gestreute Geldanlage in Büros, Hotels und Einkaufszentren gilt zudem als relativ sicher.

Doch die große Nachfrage der Privatanleger nach offenen Immobilienfonds machen den Markt nur noch eingeschränkt zugänglich. Die Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken können zwar ihr Interesse kundtun. Alle drei großen Produkte der hauseigenen Fondsgesellschaft Union Investment nehmen aber derzeit kein Geld mehr an. Nur bestehende Sparpläne auf die Fonds laufen weiter. Zwar kaufen die offenen Immobilienfonds Uni Immo Europa, Uni Immo Deutschland und Uni Immo Global sehr rege Immobilien. Es floss jedoch stets noch mehr Geld zu. Die Liquidität in den Fonds soll jedoch nicht einen allzu großen Anteil einnehmen – rund 20 Prozent sind in der Branche üblich – zumal das herumliegende Geld im aktuellen Zinsumfeld eine Rendite nahe null abwirft und somit die Durchschnittsrendite der Fonds belastet.

Auch B-Städte und B-Lagen zählen zu Investitionszielen

Der Deutschlandfonds der Union Investment ist daher seit Juni geschlossen. Der Europafonds wurde Anfang des Jahres kurz geöffnet und prompt flossen 800 Millionen Euro in den Fonds mit einem Volumen von derzeit etwa 11 Milliarden Euro, und die Annahme neuer Mittel wurde wieder gestoppt. Der globale Fonds nahm in dieser Woche kurz wieder etwas Geld an. „Wir gehen auch in B-Städte wie Bremen oder Nürnberg, wir kaufen auch Leerstand, wir investieren auch im frühen Stadium in Bauprojekte, und wir haben eine breite Basis durch die internationale Ausrichtung der Fonds. Mehr geht nicht auch im Sinne des Bestandsschutzes für unsere bisherigen Kunden“, beschreibt Fabian Hellbusch von der Union Investment Real Estate GmbH die Lage. „Wir sind nicht bereit, jeden Preis mitzugehen und halten unsere hohen Qualitätsansprüche aufrecht.“

Für diese Strategie gibt es Lob der Ratingagentur Scope. „Der nächste Schritt wäre auch Immobilien an B-Standorten in B-Lagen zu kaufen, also weniger attraktive Objekte in Kleinstädten und ländlichen Gebieten“, sagt Sonja Knorr, Analystin von Scope. „Die Risiken bei solchen Objekten sind allerdings ungleich höher.“ Entsprechend groß sei die Gefahr, bei einer Abkühlung des Immobilienmarktes herbe Verluste zu erleiden, wenn Kunden Geld abziehen und die Fonds Objekte verkaufen müssen. „Vor diesem Hintergrund ist es richtig, dass die Fonds Zuflüsse stoppen, statt ständig wachsende Risiken einzugehen“, sagt Knorr. „Viele Fondsmanager investieren aktuell schon stark zyklisch und am liebsten in Großprojekte mit Volumina von mehreren hundert Millionen Euro.“

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