https://www.faz.net/-hbv-6xf2b

Die Vermögensfrage : Niedrige Sollzinsen sind eine gefährliche Verlockung

Bild: F.A.Z.-Kai

Hohe Kreditsummen und eine niedrige Tilgung führen zu gewaltigen Problemen, sobald die Zinsen wieder steigen.

          Die niedrigen Zinsen für Geldanlagen und Kredite sind Fluch und Segen. Die Renditen für öffentliche Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren betragen zurzeit etwa 2 Prozent pro Jahr. Die Kosten für erstrangige Hypotheken liegen bei 3 Prozent jährlich, wenn die Konditionen für zehn Jahre vereinbart werden. Vor fünf Jahren lag der Sollzins bei 4,7 Prozent pro Jahr. Die niedrigen Kreditzinsen sind für Privatleute, die in den nächsten Wochen und Monaten den Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen, im wahrsten Sinne des Wortes verführerisch. Gleichwohl darf der Zinssatz nicht das Zünglein an der Waage sein. So einfach die Bezahlung des Eigenheims ist, so heikel bleibt die Finanzierung, wenn die Geldaufnahme auf die leichte Schulter genommen wird. Die Schwierigkeiten werden im folgenden Fall sichtbar.

          Ein Ehepaar - er ist 37 Jahre alt, sie 35 Jahre - hat zwei Kinder im Alter von fünf und drei Jahren. Die Familie möchte sich in den nächsten Wochen ein Einfamilienhaus kaufen. Das Objekt kostet einschließlich Nebenkosten etwa 350.000 Euro, und die Privatleute haben 100.000 Euro auf der hohen Kante, so dass sie ein Darlehen von 250.000 Euro aufnehmen müssen. Die Kreditaufnahme ist in finanzieller Hinsicht kein Problem. Die Eltern sind beide berufstätig. Er ist angestellter Jurist, sie verbeamtete Lehrerin, und beide Käufer wollen auch in Zukunft berufstätig bleiben. Das gemeinsame Jahreseinkommen liegt zur Zeit bei 100.000 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern ungefähr 65.000 Euro übrig, so dass im Durchschnitt pro Monat etwa 5400 Euro zur Verfügung stehen.

          Kombination aus Festdarlehen und Bausparvertrag

          Das erste Gespräch mit der Hausbank hat gezeigt, dass die Finanzierung kein Problem zu sein scheint. Der Vorschlag der Bank besteht aus zwei Bausteinen: Die erste Hypothek liegt bei 150.000 Euro, der jährliche Nominalzins beträgt 3 Prozent mit einer zehnjährigen Zinsbindung. Die Tilgung soll auf 1 Prozent eingestellt werden. Das macht unter dem Strich monatlich 625 Euro.

          Die zweite Hypothek ist eine Kombination aus einem Festdarlehen und einem Bausparvertrag. Der Kredit umfasst 100.000 Euro und soll ebenfalls 3 Prozent pro Jahr kosten. Parallel dazu soll ein Bausparvertrag über 100.000 Euro abgeschlossen und jeden Monat mit 500 Euro bespart werden. Zinsen und Sparraten führen zu einer Monatsbelastung von 750 Euro. Sie gilt bis zur Zuteilung des Bausparvertrages in acht Jahren. Nach der Zuteilung des Bausparkredites wird die Festhypothek wegfallen, und der Bausparkredit wird monatlich mit 600 Euro zu Buche schlagen.

          Finanzierung sieht nur auf den ersten Blick solide aus

          Die beiden Hypotheken und der Bausparvertrag kosten pro Monat insgesamt 1375 Euro. Das sind 25 Prozent des Nettoeinkommens, und die Belastung scheint für die Eltern tragbar. Die Finanzierung ist aber nur auf den ersten Blick solide. Bei nüchterner Analyse der Dinge gibt es vielfachen Anlass zu heftiger Kritik. Die Investition ist in vier Punkten problematisch. Erstens gilt dies für die Lage der Immobilie. Zweitens ist die Tilgung der ersten Hypothek heikel. Das Festdarlehen und der Bausparvertrag sind - das ist der dritte Punkt - eine teure Kombination. Und viertens stellt sich die Frage nach der Absicherung der Finanzierung, falls ein Elternteil arbeitslos oder berufsunfähig werden sollte oder sogar stirbt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neuer Datenmissbrauch : Facebook ist von innen faul

          Fast jede Woche kommen neue Belege für ein ruchloses Verhalten von Facebook ans Licht. Jetzt wird bekannt, dass der Konzern munter Daten mit mehr als 150 Unternehmen geteilt hat – ohne Einverständnis seiner Nutzer. Apple zeigt, wie es besser geht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.